PLAYOFF-FINAL: Alles nur Kopfsache

Heute startet die Finalserie zwischen Bern und Zug. Die Berner haben den Heimvorteil im Rücken. Den Zugern hingegen macht die Statistik Hoffnung, dass das Heimrecht zuletzt nicht immer den Ausschlag gab.

Philipp Wolf
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Der SC Bern spielt in der Postfinance-Arena mit einem Fassungsvermögen von über 17 000 Zuschauern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 25. März 2017))

Der SC Bern spielt in der Postfinance-Arena mit einem Fassungsvermögen von über 17 000 Zuschauern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 25. März 2017))

Philipp Wolf

Wenn heute der SC Bern und der EV Zug zum Playoff-Final antreten, spricht vieles für die Berner. Die Konstanz in der Qualifikation, die Abgeklärtheit – und der Heimvorteil. Letzterer ist wichtig. Davon gehen zumindest Anhänger, Spieler und Medien aus. In Zeitungen wird vom «Break» gesprochen, wenn einer Mannschaft in der Playoff-Serie ein Auswärtssieg gelingt. Und dennoch: Schaut man sich die 30 Finalserien seit der Einführung des Playoffs 1986 genauer an, staunt man. Der Heimvorteil, in einer langen Qualifikation hart erkämpft, scheint nicht zu existieren. Nur 14-mal gewann auch wirklich der Club, der in der Finalserie öfter vom Heimvorteil profitieren konnte. Der Heimvorteil, ein Mythos? Vielleicht im Schweizer Eishockey-Playoff. In der deutschen Fussball-Bundesliga ist er hingegen statistisch nachgewiesen. 60 Prozent aller Punkte werden im eigenen Stadion geholt.

Mathias Seger, Captain der ZSC Lions und fünfmaliger Schweizer Meister, ist aus seiner Erfahrung heraus dennoch überzeugt: «Den Heimvorteil gibt es.» Sportpsychologe Jörg Wetzel ergänzt: «Es gibt sowohl den Heimvorteil als auch den Heimnachteil». Ein Heimspiel könne zu einem Nachteil werden, wenn eine Mannschaft mit der falschen Einstellung ins Spiel gehe.

Ein Werkzeug, das benutzt werden will

Ob der Heimvorteil zum Tragen komme, hänge von Faktoren wie Spielvorbereitung, Umfeldvorteil und Einstellung ab, sagt Wetzel. Seger spricht diese Aspekte ebenfalls an. Er sagt, bei einem Heimspiel sei die Vorbereitung besser planbar, unter anderem, weil die Anreise wegfällt. Das eigene Stadion ist ein Vorteil, weil alles vertraut ist. Wetzel gewichtet den Faktor Einstellung besonders. Es sei Aufgabe des Trainerstabs, das Positive von Heimspielen hervorzuheben. Heimvorteil ist also eine Kopfsache. Man müsse sich sagen: «Zu Hause sind wir stark», so Wetzel. Schliesslich kann der Heimvorteil so zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. «Heimvorteil ist ein Werkzeug. Nutzt man es richtig, kann es zum Erfolg führen», fasst es der Sportpsychologe zusammen. NLA-Rekordspieler Seger sieht es ähnlich: «Das Entscheidende ist, was die Mannschaft daraus macht.»

Nun stellt sich die Frage: Weshalb wissen die Clubs das Werkzeug Heimvorteil in den Playoff-Finals nicht zu nutzen? Womöglich werde im Eishockey die Thematik des Heimvorteils noch nicht gänzlich ausgereizt, sagt Wetzel. Die Teams würden demnach nicht genug mit dem Heimvorteil als erfolgsversprechendem Erlebnis arbeiten. Im Falle eines Entscheidungsspiels in einer Finalserie spiele der Heimvorteil schliesslich eine untergeordnete Rolle, sagt Wetzel. Da kämen viele Dinge zu­sammen wie beispielsweise der Druck, welcher in einem Spiel um alles oder nichts viel grösser ist. Die Statistik scheint Wetzel zu bestätigen. In den sieben Serien, in denen es zu einer Finalissima kam, siegte das Heimteam nur in zwei Fällen. Anders gesagt: Der grosse Einsatz in der Qualifi­kation hatte sich fünfmal nicht bezahlt gemacht. Kommt es zu einem alles entscheidenden Spiel, könnte man also gar von einem Heimnachteil reden.

Seger und die ZSC Lions waren 2012 die Letzten, die dem Heimvorteil im Entscheidungsspiel ein Schnippchen schlugen. Sie wurden damals Meister in Bern. Vielleicht hat Zug ja doch eine Chance.