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PLAYOFF: Arrivederci Italia?

Der vierfache Weltmeister Italien riskiert, erstmals seit 60 Jahren eine WM zu verpassen. Nach der 0:1-Niederlage in Schweden brauchen die Italiener heute einen Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz.
Lukas Plaschy, Rom
Harte Landung: Die überharte Spielweise der Schweden setzte den Italienern im Hinspiel zu. (Bild: Frank Augstein/AP)

Harte Landung: Die überharte Spielweise der Schweden setzte den Italienern im Hinspiel zu. (Bild: Frank Augstein/AP)

Lukas Plaschy, Rom

Man stelle sich das Drama vor, sollte Italien im nächsten Sommer nicht zur WM nach Russland fahren. Dem Turnier würden die farbenfrohen und lauten italienischen Anhänger fehlen. Aber auch in unserem südlichen Nachbarland selbst würde es eine triste Zeit. No Italy, no party. Keine Tifosi, welche die öffentlichen Plätze beim Public Viewing in heisse Fussballkurven verwandeln. Keine ekstatischen Jubelschreie aus den offenen Fenstern der Palazzi, und auch keine wehenden Trikolore-Fahnen beim anschliessenden Autokorso auf den Strassen. Anno 1958 verpasste Italien letztmals eine WM. Brasilien bezwang damals mit dem erst 17-jährigen Pelé in einem denkwürdigen Final Gastgeber Schweden. Nun hört Italiens Schicksal wieder auf den Namen der Skandinavier.

Der erste Akt am vergangenen Freitag in der Friends Arena des Stockholmer Vororts Solna endete für die Equipe von Nationaltrainer Gian Piero Ventura «not very friendly». Die vom türkischen Schiedsrichter Cakir tolerierte, überharte Spielweise der Schweden setzte nicht nur Abwehrchef Bonucci (Nasenbeinbruch) gehörig zu. Italien fand trotz technischer Überlegenheit über 90 Minuten lang kein Rezept gegen den Defensivriegel der Nordländer. Es passte zum verkorksten italienischen Auftritt, dass Schwedens einziger Schuss aufs Tor von Italiens Captain Gianluigi Buffon von dessen Teamkollege De Rossi unhaltbar zum 0:1 abgelenkt wurde.

Spanisches Trauma

Nun fragt man sich im Bel Paese, wie es Trainer Ventura gelingen soll, die Moral der verunsicherten Elf in so kurzer Zeit wieder aufzubauen. Dabei hatte seine Karriere als Commissario tecnico im Juli 2016 als Nachfolger von Antonio Conte noch verheissungsvoll begonnen. Dem 69-jährigen Genuesen gelang es, eine neue Aufbruchstimmung rund um die Azzurri zu entfachen. Ventura baute mehrere U21-Spieler ein, liess mit einem offensiven Spielsystem agieren und verstärkte den Dialog mit den Clubs. Sein Pech war, dass sich mit Spanien ein zu übermächtiger Gegner in derselben Qualifikationsgruppe befand. Bei der entscheidenden Direktbegegnung um den Gruppensieg im September erteilten die Iberen den Azzurri eine regelrechte Fussballlektion. Die 0:3-Niederlage im Bernabeu-Stadion führte innerhalb des italienischen Teams zu einem Bruch und weckte Zweifel an den taktischen Fähigkeiten des Coaches. Ventura wird unter anderem vorgeworfen, dass er in seinem 4-2-4-System keinen Platz für die kreativen Schlüsselspieler Lorenzo Insigne und Marco Verratti findet. Spielmacher Verratti war am Freitag einer der Schlechtesten, und Insigne wurde erst in der 76. Minute eingewechselt.

Schelte von Andrea Pirlo

Harsche Kritik setzte es nach dem Match von Ex-Nationalspieler Andrea Pirlo ab. Der Ex-Milan- und Juve-Spieler, während seiner Karriere mehr für seine genialen Pässe und Freistösse als für rhetorische Qualitäten bekannt, bemängelte die fehlende Einsatzbereitschaft. «Einige Spieler gaben nicht 100 Prozent», sagte er. Der Weltmeister von 2006 zweifelt ausserdem an den zwischenmenschlichen Fähigkeiten Venturas. «Er wird es schwer haben, die Mannschaft in nur drei Tagen wieder neu zu motivieren», sagte Pirlo.

Bei den Tifosi macht sich bereits Untergangsstimmung breit. In einer Onlineumfrage der «Gazzetta dello Sport» glauben 75 Prozent von 20000 Abstimmenden nicht mehr an eine Endrundenteilnahme des vierfachen Weltmeisters. Die Konsequenzen wären in mehrerlei Hinsicht schwerwiegend. Ventura müsste trotz Vertrag bis zur EM 2020 vorzeitig seinen Hut nehmen. Buffons beispiellose internationale Karriere würde nach 175 Länderspielen ohne den Rekord einer sechsten WM-Teilnahme zu Ende gehen. Und dem italienischen Fussballverband würden die von der Fifa garantierten zwölf Millionen Dollar Antrittsprämie, weitere 25 Millionen Dollar für die TV-Rechte sowie Gelder aus Sponsorenverträgen wegfallen. Fördermittel, welche für die Trainerausbildung und Talentsichtung im weiterhin darbenden italienischen Fussball fehlen würden.

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