Pinkeln im Feld

Die kleine Sportfrage

Ralf Streule
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Wie verrichten Rennvelofahrer auf langen Etappen ihre Notdurft?

Lange Etappen an der Tour de France dauern gerne sechs Stunden und mehr. Wenn man bedenkt, dass die Athleten während dieser Zeit gegen zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde zu sich nehmen, kommt man automatisch zur Frage: Wie bitte werden die Helden der Strasse ihren Urin los? Ganz einfach: Rechts ranfahren und brünzeln, werden einige sagen. Diejenigen nämlich, die den Tour-de-France-Film «Höllentour» gesehen haben. In einer Filmszene stehen Dutzende Fahrer nebeneinander am Strassenrand und erleichtern sich.

So einfach ist es aber nicht immer. Kollektive Pinkelpausen gibt es meist nur dann, wenn der Tourleader als Erster absteigt – und die Spitze aus Rücksicht gegenüber dem Gesamtführenden nicht angreift. Wenn Radfahrer aber Gefahr laufen, mit einer Pause den Anschluss zu verlieren, wird’s schwieriger. Meistens sei der Harndrang während Rennen zwar klein. In allen anderen Fällen gibt’s die unkultivierte Methode: Die Männer kramen ihr bestes Stück aus der Radlerhose und erleichtern sich im Fahren. Natürlich lassen sie sich zuvor aus dem Feld etwas zurückfallen, um keinen der Mitfahrer zu brüskieren. Auf Youtube sind Beispiele solch akrobatischer Einlagen zu sehen.

Oder, als unkultivierte Methode zwei: Einfach laufen lassen. Offenbar ist dies besonders in entscheidenden Phasen des Rennens ein beliebtes Vorgehen. Dass es bei kalten und nassen Bergetappen gar ganz bewusst geschieht, um die Oberschenkelmuskulatur aufzuwärmen, kann man Radexperten glauben oder nicht. Ebenso eine andere Info: Bei letzterem Beispiel komme es vor, dass es die Ausscheidung irgendwie aufs Hinterrad schaffe und den Hintermann auch bei trockenem Wetter mit einem feinen Urin-Sprühregen eindeckt.

Ralf Streule

Weshalb tun die das? Die Welt des Sports steckt voller kleiner Rätsel. Einigen zentralen und weniger zentralen Fragen aus der Welt der Profis geht die Sportredaktion in dieser Rubrik nach.