Wie gefährlich sind Grossanlässe? Pilotstudie im Eishockey will Corona-Ansteckungsgefahr aufzeigen

Der Schweizer Sportdachverband Swiss Olympic plant gemeinsam mit der Uni Bern und dem Institut für medizinische Virologie der Uni Zürich ein wissenschaftliches Pilotprojekt zur Wirksamkeit von Schutzkonzepten bei Grossveranstaltungen.

Rainer Sommerhalder
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Eine Studie will aufzeigen, ob Sportgrossanlässe wie Eishockeyspiele trotz hohen Corona-Fallzahlen sicher sind.

Eine Studie will aufzeigen, ob Sportgrossanlässe wie Eishockeyspiele trotz hohen Corona-Fallzahlen sicher sind.

Urs Flueeler / KEYSTONE

1000 Zuschauer sollen an einem Heimspiel des SC Bern eine Speichelprobe abgeben und ein Armband zur Distanzmessung tragen. Die Proben werden anschliessend von der Uni Zürich mittels PCR-Test auf Covid-19 getestet. Sind unter den ausgewählten Probanden positive Coronafälle nachweisbar, wird ein Nachtest eine Woche nach der Veranstaltung aufzeigen, ob und in welchem Umfang sich Personen im Stadion infiziert haben. Das Armband zeichnet zusätzlich auf, wie weit und wie lange Fans den Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten haben.

Matthias Egger, Epidemiologe an der Universität Bern und ehemaliger Leiter der Covid-Taskforce des Bundes, führt die Pilotstudie. Er spricht von einer sehr wichtigen wissenschaftlichen Begleitung zur Überprüfung der Schutzkonzepte. «Im Idealfall kann die Studie aufzeigen, dass es bei Grossveranstaltungen dank den Schutzmassnahmen trotz infizierter Personen zu keinen weiteren Ansteckungen kommt.» Auch die Gesundheitsdirektorenkonferenz hat diese Woche nochmals bekräftigt, dass man derzeit nicht davon ausgehe, dass der Sport ein Treiber für die aktuellen Fallzahlen sei.

Momentan ist die genaue Methode der Pilotstudie in Ausarbeitung. Diese muss noch aus ethischen Gesichtspunkten bewilligt werden. Deshalb rechnet Egger damit, dass erst ein SCB-Heimspiel im Dezember für die Umsetzung in Frage kommt. Um trotz Freiwilligkeit die angepeilte Zahl von 1000 Probanden zu erreichen, arbeitet man mit den Fanclubs des SC Bern zusammen. «Es ist schliesslich im Interesse der Klubs und der Fans zu zeigen, dass die Konzepte wirken und Sportanlässe trotz der aktuellen Entwicklung weiter durchführbar sind», sagt Egger.

Detail am Rande: Bei diesem Projekt wird der Forschungsleiter des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Bern auch wieder mit Daniel Koch dem ehmaligen Corona-Deligierten des Bundes, zusammenarbeiten. Koch berät den SC Bern in Fragen rund um das Virus und die Schutzkonzepte.

Nach erfolgreichem Pilot ist angedacht, die Studie auf mehrere Anlässe im Eishockey und im Fussball auszuweiten. Das Interesse der Vereine zu Teilnahme sei gross. Allerdings gibt es für eine breit angelegte Studie noch einige Fragezeichen, wie Matthias Egger zugibt. Es sei letztlich eine Frage der Kapazität. «Die PCR-Tests sind teuer und aufwändig.» Egger hofft auf die Entwicklung von vereinfachten Testverfahren in den kommenden Wochen oder Monaten, welche auch die Machbarkeit einer breit angelegten Studie klar verbessern würden.

Das allergrösste Fragezeichen jedoch steht hinter dem Zeitpunkt. Wird es die aktuelle Entwicklung überhaupt erlauben, im Dezember 1000 Personen an einem Eishockeyspiel zu testen? Oder ist das Revival von Grossanlässen dannzumal bereits wieder Geschichte? Bevor die Wissenschaft überhaupt die Chance erhält, zu belegen, dass diese nicht das Problem sind.