Pick-up Zwischen Vernunft und Realität

Mal Hand aufs Herz: Wer von Ihnen sitzt heute noch immer so enthusiastisch vor dem Fernsehen und ist immer noch so begeistert von der Ski-WM in Beaver Creek wie vergangene Woche zu Beginn der Titelkämpfe? Sie brauchen sich keineswegs zu schämen, wenn Sie sich als Sportbegeisterter bezeichnen

Stefan Klinger, Beaver Creek
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Mal Hand aufs Herz: Wer von Ihnen sitzt heute noch immer so enthusiastisch vor dem Fernsehen und ist immer noch so begeistert von der Ski-WM in Beaver Creek wie vergangene Woche zu Beginn der Titelkämpfe? Sie brauchen sich keineswegs zu schämen, wenn Sie sich als Sportbegeisterter bezeichnen – Ihnen aber eine Ski-WM trotzdem viel zu langatmig ist. Vielmehr gehören Sie dann zur breiten Masse, denen es ganz ähnlich ergeht.

Zwar ist es nichts Neues, dass eine Ski-WM fast genauso lange geht wie die mit viel mehr Sportarten ausgestatteten und dadurch zig Mal abwechslungsreicheren Olympischen Spiele. Und es wird sich nach menschlichem Ermessen wohl auch nichts an dem in die Länge gezogenen Programm ändern. Schliesslich werden die Strategen des Ski-Weltverbandes nicht leichtfertig Tage mit TV-Präsenz und Marketingeinnahmen hergeben. Das ist nun mal die Realität. Doch ein wenig Träumen sei an dieser Stelle erlaubt.

Zehntägige Wettkämpfe. Es geht Schlag auf Schlag, aber die Athleten haben trotzdem noch mehr Pausen als an einem Weltcupfinal, weil jedes Geschlecht nur jeden zweiten Tag antritt. Der Team-Event wird gestrichen. Dafür wird die Kombination, wie von Männer-Renndirektor Markus Waldner kürzlich angedacht, in einen Teamwettkampf umgewandelt. Ein Abfahrer und ein Slalomspezialist treten gemeinsam an. Das Fazit: Moderne Wettkämpfe in kurzer Zeit.

Ja, wir wissen, mit dieser Ansicht gehören wir zu den Romantikern im Profisport des 21. Jahrhunderts. Doch ein wenig träumen darf ja mal erlaubt sein. Zumindest einen Moment lang haben wir uns in einer heilen, vernünftigen Welt gewähnt.

sport@tagblatt.ch

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