Pick-up Schlange stehen schon im Tal

Es gibt Dinge, die sich ein Besucher angewöhnt, wenn er in den USA unterwegs ist. Etwa den Morgenkaffee mit dem Auto zu holen und sich die zehn Minuten Fussmarsch zu sparen.

Christof Krapf, Beaver Creek
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Es gibt Dinge, die sich ein Besucher angewöhnt, wenn er in den USA unterwegs ist. Etwa den Morgenkaffee mit dem Auto zu holen und sich die zehn Minuten Fussmarsch zu sparen. Oder dass man in diesem Land ausser in Restaurants beinahe überallhin in der Trainerhose gehen kann und damit – modisch gesehen – nicht abfällt.

Der Besucher hört auch schnell auf, sich darüber zu wundern, dass im Supermarkt die Chicken Wings billiger sind als der Beilagensalat. Gewöhnungsbedürftig war zu Beginn das Verhalten der Kellner im Restaurant. Freundlich stellen sie sich mit Namen vor. Sagen Dinge wie: «Hi, I'm Josh, I will be your waiter tonight.» Das ginge ja noch – es wird ja jeder gerne freundlich bedient. Doch kaum hat man fertig gegessen, räumt das Personal den Teller ab – auch wenn die Kollegen am Tisch noch essen. Skurril wird es aus europäischer Sicht, wenn es ums Bezahlen geht. Ist die Mahlzeit beendet, liegt die Rechnung auf dem Tisch. Bestellen, essen, zahlen, gehen – so läuft das hier. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Ungewöhnlich sind für den Schweizer Magen die Portionen. In den ersten Tagen bestellte man noch eine Vorspeise. Danach folgte eine Phase, in der man den «Starter» mit einem Kollegen teilte – mittlerweile schafft man nicht einmal mehr den Hauptgang. An all diese Dinge hat man sich gewöhnt oder hat sie übernommen. Ein Unterschied bleibt: Wie amerikanische Skitouristen würde sich ein Europäer nie verhalten. Ganze Familien stehen im Tal geduldig und warten auf den Bus nach Beaver Creek. Die Schlange dafür ist einen halben Kilometer lang; Wartezeit eineinhalb Stunden. Stören tut das niemanden – Schweizer wären längst nach Hause gefahren.

christof.krapf@tagblatt.ch

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