Pick-up Die Österreicher essen nicht auf

Das kratzt an der Ehre eines Kochs. Wenn man Gäste erwartet, diese aber nicht vollständig erscheinen. Obwohl man sich Mühe gegeben hat, ein schmackhaftes Menu auf die Teller zu zaubern.

Christof Krapf, Beaver Creek
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Das kratzt an der Ehre eines Kochs. Wenn man Gäste erwartet, diese aber nicht vollständig erscheinen. Obwohl man sich Mühe gegeben hat, ein schmackhaftes Menu auf die Teller zu zaubern. Darum ist Aaron genervt: Er ist Koch im Teamhotel der Österreicher und dafür verantwortlich, dass es der 40köpfigen Delegation an nichts mangelt. Wirklich zum Essen kämen jeweils nur 15 bis 20 Leute, sagt der Koch. «A total waste of time and food» – «Verschwendung von Zeit und Essen», nennt Aaron das. Deshalb geniesst er seinen ersten freien Tag während der WM umso mehr. Er sagt: «Die Ski-WM ist stressig. Wir haben nun zwei Wochen durchgearbeitet.»

Deshalb verbringt er seine Freizeit nicht in der Hektik und dem Lärm von Beaver Creek, sondern in der Natur. Der «Sylvan Lake State Park» liegt 50 Autominuten von Vail entfernt. In einem Bergtal verbirgt sich ein kleiner See. Diesen erreicht man nur über einen verschneiten Waldweg. Das Auto schleudert durch die Kurven. Zum Glück ist die Piste genug breit, deshalb macht das Fahren im Schnee besonders viel Spass. Am «Sylvan Lake» empfängt den Besucher die totale Ruhe. Nur der Wind streicht durch die Bäume – das Panorama ist atemberaubend. In die Eisdecke des Sees haben Aaron, seine Ehefrau und ein Arbeitskollege Löcher gebohrt. Für einmal steht nicht Kochen, sondern Eisfischen auf dem Programm. Rasch gerät man mit dem Trio ins Gespräch, schaut beim Angeln zu, plaudert über das Leben und Sport. «Hey, you want a beer?», fragt Aaron. Das Eis ist gebrochen – zum Glück nur im übertragenen Sinn. Fest steht aber: An der amerikanischen Gastfreundschaft kann es nicht liegen, dass sich die Österreicher beim Essen rar machen.

christof.krapf@tagblatt.ch

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