Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Meister der Pflastersteine: Philippe Gilbert gewinnt den Rad-Klassiker Paris – Roubaix

Der belgische «Ardennenkönig» Philippe Gilbert (36) hat seinem Palmarès mit dem Triumph beim Rad-Klassiker Paris – Roubaix ein weiteres Rad-Monument hinzugefügt.
Tom Mustroph, Roubaix
Philippe Gilbert überquert in Roubaix jubelnd die Ziellinie vor dem knapp geschlagenen Nils Politt. (Bild Christophe Ena/AP (Roubaix, 14. April 2019))

Philippe Gilbert überquert in Roubaix jubelnd die Ziellinie vor dem knapp geschlagenen Nils Politt. (Bild Christophe Ena/AP (Roubaix, 14. April 2019))

Philippe Gilbert konnte an diesem Sonntag gar nicht genug haben vom Radfahren. Noch zur Pressekonferenz im neuen Velodrom von Roubaix kam der 36-Jährige mit dem Rad. «Laufen fällt mir ziemlich schwer, da schmerzt alles», erklärte der Belgier die ungewöhnliche Anfahrt.

Dann aber gab er sich ganz seiner Freude hin. «Es war ein Risiko, als ich mich vor drei Jahren entschied, mein Programm von den Ardennenklassikern auf die Rennen in Flandern umzustellen. Aber ich wollte etwas verändern. Natürlich, ich hätte Lüttich – Bastogne – Lüttich ein zweites Mal oder das Amstel Gold Race ein fünftes Mal gewinnen können. Aber ich wollte auch andere Rennen gewinnen.» Die Umstellung habe dann schon dazu geführt, dass er vor zwei Jahren bei der Flandernrundfahrt siegte, sagte der Weltmeister von 2012. «Im letzten Jahr habe ich in Roubaix noch Lehrgeld gezahlt, ich hatte zu wenig getrunken. Aber jetzt hat sich die Erfahrung ausgezahlt.»

Sagan auf den letzten Kilometern distanziert

Gilbert war neben dem Zweitplatzierten Deutschen Nils Politt der bestimmende Mann dieses Rennens. Politt war schon bei der ersten Fluchtgruppe des Tages dabei, zeigte früh seine Ambitionen. «In die Fluchtgruppe zu gehen, war eine gute Entscheidung. Ich musste so nicht um meine Position kämpfen und konnte in Ruhe über die Sektoren fahren. Es war ohne Stress», meinte der Katusha-Profi gegenüber unserer Zeitung. Gilbert hatte diese Gruppe noch verpasst und musste darauf hoffen, dass das Peloton wieder heranfuhr. Dann aber waren er wie auch Politt in jeder der sich an den Pavé-Abschnitten immer wieder neu bildenden Gruppen stets dabei.

In einer Sechser-Gruppe, unter anderem mit Roubaix-Titelverteidiger Peter Sagan, gingen sie in die letzten Kilometer. Erst versuchte Gilbert mehrfach den sprintstarken Slowaken abzuschütteln. Dann gelang Politt mit einer Beschleunigung dessen Distanzierung. Gilbert und Politt strebten gemeinsam dem Ziel entgegen. «Es war eine gute Zusammenarbeit. Ich kannte Politt ja schon von manch anderen Fluchtgruppen in den vergangenen Jahren. Er ist keiner, der kalkuliert, sondern der seinen Anteil an der Führungsarbeit zu 100 Prozent leistet. Deshalb konnten wir auch vorn bleiben», blickte Gilbert auf das Finale zurück.

Gilbert: «Wir hätten beide den Sieg verdient»

Philippe Gilbert unterwegs auf den Pfastersteinen von Paris - Roubaix. (Bild Christophe Petit Tesson/EPA (Roubaix, 14. April 2019))

Philippe Gilbert unterwegs auf den Pfastersteinen von Paris - Roubaix. (Bild Christophe Petit Tesson/EPA (Roubaix, 14. April 2019))

Dort hatte der Profi des Rennstalls Deceuninck Quick Step den besseren Punch. «Wir hätten beide den Sieg verdient, aber einer muss nun mal gewinnen», sagte Gilbert – und war ganz deutlich gar nicht unzufrieden mit dem Ausgang. «Gegen einen Philippe Gilbert zu verlieren ist keine Schande. Er hatte im Finale auch noch den kleinen Vorteil, dass sein Teamkollege Yves Lampaert von hinten näher kam. Ich wollte meinen Sprint eigentlich von hinten fahren, aber Gilbert liess mich nicht in diese Position. Als ich dann meinen Sprint beginnen wollte, war er schon neben mir», schilderte Politt die entscheidenden Momente. Der Deutsche, Jahrgang 1994, hat sich mit diesem Podiumsplatz auf dem historischen Kopfsteinpflaster endgültig in der Weltelite etabliert.

Mailand - San Remo fehlt Gilbert noch zum «Classique Grand Slam»

Gilbert, zwölf Jahre älter, gestaltet seine Erfolge immer vielfältiger. Gegen einen fünften Sieg beim Amstel Gold Race oder einem zweiten Erfolg in Lüttich hätte er natürlich gar nichts einzuwenden. «Ich gehe jetzt gestärkt in die Ardennenklassiker», blickte er auf die nächsten Wochen voraus. Ein ganz grosses Ziel dürfte er sich fürs nächste Jahr aufgehoben haben. Zum Classique Grand Slam, dem Sieg bei allen Monumenten im Radsport, fehlt ihm nun nur noch Mailand – San Remo.

Sehr guter Elfter wurde Stefan Küng. Der 25-jährige Ostschweizer zeigte ein animiertes Rennen und deutete sein Talent für solche Rennen einmal mehr an – auch wenn er schliesslich den entscheidenden Abgang bei Sagans Tempoverschärfung 50 Kilometer vor dem Ziel verpasste.

117. Paris - Roubaix. Compiègne – Roubaix (257 km): 1. Gilbert (BEL) 5:58:02. 2. Politt (GER), gleiche Zeit. 3. Lampaert (BEL) 0:13 zurück. 4. Vanmarcke (BEL) 0:40. 5. Sagan (SVK) 0:42. 6. Sénéchal (FRA) 0:47. 7. Teunissen (NED). 8. Stybar (CZE). 9. Siskevicius (LIT). 10. Langeveld (NED). 11. Stefan Küng (SUI). 12. van Avermaet (BEL). 13. Naesen (BEL), alle gleiche Zeit. – Ferner: 17. Démare (FRA) 1:36. 22. van Aert (BEL) 1:42. 28. Degenkolb (GER) 3:00. 56. Kristoff (NOR) 14:15. 57. Silvan Dillier (SUI). 58. Reto Hollenstein (SUI), beide gleiche Zeit. 80. Michael Schär (SUI) 15:51. – 174 gestartet, 100 klassiert. – Aufgegeben: u.a. Tom Bohli (SUI). – Nicht am Start: Fernando Gaviria (COL/krank).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.