Nach 1:0-Erfolg im Abstiegskampf gegen GC: Peter Zeidler spricht über das Tranquillo-Phänomen

Tranquillo Barnetta führt seinen Club zum wichtigen 1:0-Erfolg im Abstiegskampf bei den Grasshoppers. Trainer Peter Zeidler sagt, er hätte den 33-Jährigen gerne noch länger in seinen Reihen. Und: «Das war Ergebnisfussball pur.»

Patricia Loher
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Tranquillo Barnetta zeigte gegen die Grasshoppers, was ihn ausmacht. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Tranquillo Barnetta zeigte gegen die Grasshoppers, was ihn ausmacht. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Tranquillo Barnetta sei ein Phänomen, sagt Trainer Peter Zeidler am Morgen nach dem Spiel bei den Grasshoppers: «Er hat in dieser einen Situation gezeigt, was ihn ausmacht. Es war gar nicht so einfach, diesen Ball so zu nehmen.» Man habe sich nach dem Spiel kurz umarmt, viele Worte habe es nicht gebraucht, so der Deutsche. Zeidler hat allen Grund, dem 33-jährigen Routinier dankbar zu sein. Nur wegen des Tores von Barnetta ist die Lage der Ostschweizer nicht mehr gar so brenzlig. Weil Xamax gestern in Thun ebenfalls gewann, beträgt der Vorsprung auf den zweitletzten Platz vier Runden vor dem Saisonende weiterhin drei Punkte.

Deshalb sind sie sich beim FC St.Gallen bewusst, dass sie am nächsten Sonntag zu Hause gegen Sion nach zuletzt zwei Heimniederlagen nachlegen müssen, um das Barrage-Gespenst weiter zu vertreiben. Und weil Zeidler auch gegen die Walliser auf Barnetta angewiesen ist, nahm er ihn am Samstag in der 70. Minute vom Feld. «Wir brauchen ihn in allen vier Partien bis zum Saisonende. Und ich würde ihn gerne noch länger in unseren Reihen haben.»

Dejan Stojanovic: Note 4,5. In der ersten Halbzeit mit zwei Unsicherheiten beim Herauslaufen. Danach aber bleibt er ohne Fehler.
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Nicolas Lüchinger: Note 4,5. Defensiv hält er bis auf eine Ausnahme in der zweiten Halbzeit gut dagegen. Offensiv aber weiterhin mit Steigerungspotenzial.
Milan Vilotic: Note 5. Bekundet zu Beginn Mühe mit Julien Ngoy. Steigert sich und ist vor allem dank seiner Ruhe wertvoll.
Leonidas Stergiou: Note 5. Muss sich einmal überlaufen lassen, sonst ist der 17-Jährige aber meist auf seinem Posten.
Andreas Wittwer: Note 4,5. Geht weniger in die Offensive als auch schon. Defensiv aber, wie immer, solid.
Jordi Quintillà: Note 4. Der Spanier erläuft den Ball, der zum 1:0 führt. Strahlt aber weniger Präsenz aus als früher.
Vincent Sierro: Note 3,5. Der Walliser kann dem Spiel keine Impulse verleihen. Vergibt nach wenigen Sekunden eine Chance.
Majeed Ashimeru: Note 4. Vergibt eine gute Kontermöglichkeit. Der Ghanaer ist immer anspielbar, bleibt aber ungefährlich.
Tranquillo Barnetta: Note 5,5. In der 60. Minute erzielt er sein siebtes Saisontor – möglicherweise war es sein wichtigstes seit seiner Rückkehr.
Simone Rapp: Note 3,5. Legt zu Beginn schön mit dem Kopf für Sierro auf, danach aber gelingt ihm fast nichts mehr.
Axel Bakayoko: Note 4. Einige gute Vorstösse, die er aber oft zu schnell abbricht. Bereitet die Führung mit einer Flanke vor.
Dereck Kutesa: Note 4. Wird für Barnetta eingewechselt. Setzt mit seiner Schnelligkeit den einen oder anderen Nadelstich.
Musah Nuhu: Note 4. Kommt für Rapp. Lässt sich nichts zuschulden kommen.
Leonel Mosevich: Kein Note. Kommt in der 87. Minute für Wittwer. Der Einsatz ist zu kurz für eine Bewertung.

Dejan Stojanovic: Note 4,5. In der ersten Halbzeit mit zwei Unsicherheiten beim Herauslaufen. Danach aber bleibt er ohne Fehler.

Barnetta hat sich den zweiten Frühling erkämpft

Aber Barnetta wird nach dieser Saison aufhören. Egal, wie die nächsten Partien für St.Gallen noch verlaufen: Er darf seine Karriere erhobenen Hauptes beenden. Barnetta hat sich in einen zweiten Frühling gekämpft. Nach einem schwierigen Start unter Zeidler, als der St.Galler lange nicht zum Zug kam, ist er nun zweitbester Torschütze der Ostschweizer. Vor allem die Grasshoppers liegen dem Mann, der einst im Espenmoos selber in der Fankurve stand, ehe er in der Bundesliga und der Nationalmannschaft eine gute Karriere machte. Vier seiner sieben Saisontore gelangen Barnetta gegen die Zürcher. Am Samstag sagte er: «Dieser Sieg war enorm wichtig. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wer das Tor erzielte.»

In der Tat hätte ein Punkt St.Gallen nicht wirklich geholfen in diesem Abstiegskampf. Zeidler sagt, seine Mannschaft habe den Charaktertest bestanden, obwohl sie nicht so Fussball gespielt habe, wie er sich das vorstelle. «Es gelang uns nicht, die Partie spielerisch auf unsere Seite zu ziehen.» Zuletzt musste sich der Coach dann und wann der Kritik stellen, kaum abrücken zu wollen von seiner Taktik des Angriffsfussballs. «Man warf mir vor, keinen Plan B zu haben. Dabei war das am Samstag Ergebnisfussball pur. Wie übrigens schon auswärts gegen Xamax.» In der aktuellen Situation habe man nicht glauben können, man fege den letztklassierten Gegner weg.

In der 60. Minute geht für einmal alles auf

St.Gallen ging die Partie im Letzigrund pragmatischer an. Das wurde schon beim Anpfiff ersichtlich, als die Gäste den Ball zuerst in die eigene Hälfte zurückspielten. Die Ostschweizer schlossen ihre Reihen besser als auch schon, es wurde dem Gegner im Vergleich mit vergangenen Partien schwerer gemacht, gefährlich vor das Tor von Dejan Stojanovic zu kommen. Natürlich profitierte St.Gallen davon, dass die Grasshoppers im Abschluss harmlos auftraten. Das Problem der Mannschaft von Zeidler war es aber auch in Zürich, dass aus dem Mittelfeld lange zu wenig Impulse kamen. «Es fehlte an der Passqualität. Wir schalteten zu wenig schnell um, was aber durchaus verständlich war, denn es stand viel auf dem Spiel», so der Trainer. Einmal aber ging doch alles bestens auf für die St. Galler. Es war eine Aktion, die Zeidler gefiel. Als sich die Grasshoppers in der Vorwärtsbewegung befanden, fing Jordi Quintillà den Ball der Zürcher ab, setzte sofort Axel Bakayoko ein, der schliesslich für Barnetta auflegte. Möglicherweise war es das wichtigste Tor des St. Gallers seit seiner Rückkehr zu seinem Stammclub vor zweieinhalb Jahren.