PFLICHTSIEG: Federer und das Lampenfieber

Roger Federer startet zwar ungewohnt fehlerhaft in seine Zweitrunden-Partie in Wimbledon. Dennoch gewinnt er gegen den Serben Dusan Lajovic am Ende souverän mit 7:6, 6:3, 6:2.

Jörg Allmeroth, London
Drucken
Teilen
Roger Federer stand in diesem Jahr noch nicht lange auf dem Rasen von Wimbledon. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Roger Federer stand in diesem Jahr noch nicht lange auf dem Rasen von Wimbledon. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Jörg Allmeroth, London

Auch nach all den Jahren, auch nach all den Siegen kann einen grossen Meister wie Roger Federer noch das heftige Lampenfieber packen. Es passierte ihm gestern Abend, in einem scheinbar unspektakulären Zweitrunden-Match gegen den Serben Dusan Lajovic in Wimbledon.

«Ich war extrem nervös. Ich fand nur schwer ins Spiel, in einen guten Rhythmus hinein», sagte Federer, als er später noch vergleichsweise geräuschlos seine Aufgabe mit einem 7:6- (7:0), 6:3- und 6:2-Sieg in 90 Minuten bewältigt hatte. «Tennis kann eine komische Sache sein. Manchmal gehst du locker in ein Finale rein. Und manchmal hast du diese Probleme in einer frühen Turnierrunde.» Fakt allerdings war: Mit seinem nunmehr 86. Sieg in Wimbledon rückte der 35-jährige Rekordchampion des berühmtesten Turniers der Welt zum 15. Mal in die dritte Runde vor. Dort trifft er morgen auf den Deutschen Mischa Zverev, den er vor rund zwei Wochen im Achtelfinal in Halle besiegt hatte. Federer verfügt über eine makellose Bilanz gegen Mischa Zverev (29), alle vier bisherigen Partien hat er gewonnen, auch die andere in diesem Jahr, im Viertelfinal der Australian Open. «Ich mag Mischas Spiel gerne. Er ist einer, der mit grossen Variationen agiert und den Weg ans Netz sucht, wann immer es geht.» Gestern erlebte Zverev eine regelrechte Tennis-Achterbahnfahrt, bei seinem 6:1-, 6:2-, 2:6-, 3:6- und 6:4-Sieg über den Russen Michail Kukuschkin.

Federer zu Beginn mit Fehlern

Auch Federer drohte am Anfang der Partie gegen Lajovic erstaunliches Ungemach. Denn er erwischte keinen guten Start, lag schnell mit 0:2 zurück und wirkte ganz offensichtlich angespannt. Sogar ein wenig verkrampft. Ein ums andere Mal war ein leichter Fehler in seiner Bilanz zu notieren. «Auf Rasen ist es nicht so leicht, seine Probleme in den Griff zu kriegen», sagte er später. Bis zum 6:6-Gleichstand blieb der Match auch hart umkämpft, Federer hatte bis dahin 30 Punkte gewonnen, Lajovic 29. Erst im Tiebreak zeigte Federer erstmals an, dass er der Hausherr auf diesem besonderen Spielplatz ist. Er gewann ihn zu Null, eher überraschend nach dem Spielverlauf.

Den Rest des Abends konnten alle im Federer-Lager entspannter geniessen. Der Maestro selbst, seine Ehefrau Mirka und die Coaches Ivan Ljubicic und Severin Lüthi in der Spielerloge. Und auch seine Eltern Robert und Lynette Federer in der Royal Box. Nach einer halben Stunde hatte Federer die 2:0-Führung festgeschrieben. Noch schneller ging’s dann im dritten Satz für den Schweizer, nach 24 weiteren Einsatzminuten war der doch noch deutliche Erfolg perfekt. Das Motto für den freien Tag heute gab Federer schon vor: «Ich werde auf der Couch liegen und ausspannen, ein wenig trainieren vielleicht und ansonsten einfach Kräfte sammeln.»