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Und immer wieder diese Deutschen

Die tägliche Kolumne von den European Championships in München handelt vom Sportlerleben am grössten Multisportanlass Europas neben Medaillen und Rekorden.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Drei Sprinterinnen innerhalb einiger Tausendstelsekunden. Gina Lückenkemper (links) macht den längsten Hals.

Drei Sprinterinnen innerhalb einiger Tausendstelsekunden. Gina Lückenkemper (links) macht den längsten Hals.

Martin Meissner / AP

Im Sport weiss man: Deutschland ist erst geschlagen, wenn die Lichter im Stadion löschen. Das ist im Fussball so, das ist im Eishockey so und das ist seit neustem auch in der Leichtathletik so. Die Schweizer Sportwelt hat diese Feststellung bei mancherlei Aufeinandertreffen mit dem grossen Nachbarn anschaulich erklärt bekommen.

Fünf Tausendstelsekunden vor Mujinga Kambundji überquerte die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper nach 100 Metern die Ziellinie. Dabei lag unsere Berner Strahlefrau in diesem Rennen gefühlte 99,95 Meter in Front. Doch dann warf ihre Konkurrentin den Kopf mit der ganzen Entschlossenheit des deutschen Sportcharakters nach vorne. Und offensichtlich ist Lückenkempers Hals einige wenige Zentimeter länger als jener von Kambundji.

Zuvor sah sich bereits unser Zehnkampf-Supertalent Simon Ehammer bei letzter Gelegenheit vom Deutschen Niklas Kaul vom Thron der Leichtathletik gestossen. Mit der Nummer 1 ging der Appenzeller Rockstar ins abschliessende Rennen über 1500 m. Und während man Ehammer unterwegs auf jedem Meter ansah, wieso diese Ausdauerleistung der Feind der meisten Mehrkämpfer ist, flog Kaul wie auf Wolken zu einer unglaublichen neuen Bestzeit und zu Gold.

Anschliessend sangen 40 000 Zuschauer im Münchner Olympiastadion «Oh, wie ist das schön!». Uns Schweizer hat niemand nach unserer Meinung gefragt.