Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Petkovics Wunsch: Brasilien besiegen

Die Schweiz beginnt heute ab 20 Uhr in Rostow am Don gegen Brasilien und Neymar die WM. Gegen den Titelfavoriten ist die Mannschaft von Vladimir Petkovic zwar Aussenseiter, doch sie will sich nicht ihrem Schicksal ergeben, sondern drei Punkte.
Christian Brägger, Rostow am Don
Letzte Ballberührungen vor dem grossen Auftritt (von links): Seferovic, Behrami, Shaqiri und Rodriguez (rechts). (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone (Rostow am Don, 16. Juni 2018))

Letzte Ballberührungen vor dem grossen Auftritt (von links): Seferovic, Behrami, Shaqiri und Rodriguez (rechts). (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone (Rostow am Don, 16. Juni 2018))

«Brasilien wird versuchen, viel Ballbesitz zu haben. Wir wollen dagegenhalten», sagt Xherdan Shaqiri. «Wir wollen als Schweiz einfach ein gutes erstes Gruppenspiel machen», sagt Yann Sommer. Und meint: Mit Selbstvertrauen spielen, mutig sein, sich etwas zutrauen. Oder dann Ricardo Rodriguez: «Brasilien ist nicht nur Neymar, alle elf Startspieler sind gut, wir müssen alle stoppen.» Und geht es nach Gelson Fernandes, wird es ein offenes Spiel. Die Voten waren im Vorfeld des WM-Auftakts gegen Brasilien unter den Schweizer Spielern in etwa dieselben – und waren getragen von Zuversicht.

Die Schweizer nehmen das Selbstvertrauen der guten Vorbereitung mit, insbesondere das 1:1 im vorletzten Test gegen Spanien lässt sie nun auf einen positiven Ausgang gegen den fünffachen Weltmeister hoffen, die Nummer zwei der Welt, der in der ewigen WM-Rangliste allein auf weiter Flur ist. Trainer Vladimir Petkovic hat die Begegnung gegen Brasilien lange beiseitegeschoben, weil er immer Schritt für Schritt und Tag für Tag nimmt. So hat er im Vorfeld dem Widersacher wenig Beachtung geschenkt, sich auch nicht über Gebühr mit Neymar beschäftigt, dem Superstar. Das komme vielleicht ein, zwei Tage vor dem Spiel, hat er vor fast einem Monat in Feusisberg einmal gesagt.

Und nun ist er also da, dieser Tag X, den man unmittelbar nach der WM-Auslosung irgendwie so kaum hat erwarten können. Es wird ein erster Tag oder vielmehr Abend der Wahrheit in Rostow am Don, wo die Partie um 20 Uhr beginnt.

Petkovic: «Ich beschäftige mich mehr mit meiner Mannschaft»

Am Samstagnachmittag sind die Wortmeldungen an der Pressekonferenz für das Schweizer Startspiel noch immer dieselben, als Petkovic und Captain Stephan Lichtsteiner sich selbstbewusst den Medien stellen. Brasilien sei eine gute Mannschaft und habe zuletzt eine positive Entwicklung gemacht, man wolle dem Gegner mit Respekt begegnen, sagt Petkovic. Aber er sagt auch immer noch Selbiges wie in den Monaten zuvor: «Ich beschäftige mich mehr mit unserer Mannschaft.» Und dann spricht er die Worte, die man sich gegen diesen scheinbar überirdischen Konkurrenten irgendwie nicht zu hören traut: «Wir wollen gegen jeden Gegner gewinnen, dafür sind wir da.» Eigentlich kennt man solche Sätze vom Coach der Schweizer, sie lauten ja nie anders, weil sie seiner Mentalität und jener des Teams entsprechen.

Gegen Brasilien gewinnen also, nicht mehr, nicht weniger. Für dieses Unterfangen hat Petkovic sein Team mehrheitlich im Kopf, es ist eine eigentliche Stammformation, die zuletzt wenige Modifikationen erfahren hat. Vor allem ist es ein Team, das den Coach auswärts in Portugal nur ein einziges Mal in den vergangenen zwei Jahren enttäuscht hat. Ansonsten aber den Ballbesitzfussball, der mutig sein soll und mit vielen Abschlüssen, zeigt. Offen für die Begegnung gegen Brasilien ist einzig, ob es, wie allgemeinhin erwartet, Steven Zuber und nicht doch Breel Embolo im linken Mittelfeld in die Startaufstellung schafft. Petkovic hält sich bedeckt, wie er diesen Sieg erreichen will – und Lichtsteiner sagt: «Wir werden natürlich nicht mit elf Spielern angreifen.»

Der Trainer will, dass seine Spieler «das Glück provozieren», sich erarbeiten. Dafür müssten sie klar sein im Kopf, sagt er. «Und wir müssen natürlich das eine oder andere Tor erzielen, um das Spiel zu gewinnen.» Wer nun aber denkt wie einer der brasilianischen Journalisten, die in Rostow in Unmengen herumlaufen, eine Punkteteilung zum Start sollte für die Schweizer doch ebenfalls ein gutes Resultat sein, der kennt die Denkweise Petkovics nicht. «Ein Unentschieden ist ein Halbresultat. Wir wollen das Maximum herausholen.» Das Maximum gegen eine Mannschaft, die nach ihrem ersten WM-Auftritt seit dem 1:7-Heimdebakel gegen Deutschland danach lechzt, diesen tiefen Stachel endlich aus dem Körper herauszuziehen; in den vergangenen zwei Jahren haben die Brasilianer unter dem neuen Trainer Tite erfolgreich darauf hingearbeitet.

Es wird heiss heute in Rostow am Don, im wahrsten Sinne des Wortes; das Thermometer klettert diese Tage auf 34 Grad Celsius, in Sotschi, wo die Brasilianer ihre Teambasis haben, sind sie sich diese klimatischen Bedingungen gewohnt. Doch am kühleren Abend werden die Temperaturen nicht für Ausreden herhalten können, sagt Lichtsteiner. Und spricht von der Siegermentalität, die man sich aufgebaut habe.

Neymar hier, Neymar da, Neymar überall

Und dennoch wird es gegen Brasilien eben doch auch um diesen einen Namen gehen, wie er gelaunt ist, was er mit dem Ball macht – auch wenn er noch nicht bei hundert Prozent ist nach seiner Verletzung. Bereits im Vorfeld drehte sich jede erdenkliche Frage um Neymar. Neymar hier, Neymar da, Neymar überall. So stellten die südamerikanischen Journalisten oft die Frage, wie die Schweizer den Starstürmer zu stoppen gedenken. Unterschwellig suggerierte sie: Es wird nicht möglich sein.

Johan Djourou hat vor zwei Wochen gesagt: «Ob Brasilien für das Startspiel ein guter Gegner war, sage ich nach der Partie.» Dann werden die Schweizer auch wissen, ob es gut war, sich nicht zu sehr mit Neymar beschäftigt zu haben. Vielleicht haben sich es ja doch getan.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.