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Peter Sauber - eine Motorsportlegende ohne Benzin im Blut

Peter Sauber dachte nie an eine Karriere im Rennsport. Dennoch hat er den Motorsport in der Schweiz über Jahrzehnte geprägt. Am Samstag wird er 75 Jahre alt.
Cyril Aregger
Peter Sauber umarmt seinen Fahrer Felipe Massa, nachdem dieser beim GP von Monaco 2004 den fünfen Platz erreicht hat. (Bild: Jimmy Froidevaux/Keystone (Monaco, 23. Mai 2004))

Peter Sauber umarmt seinen Fahrer Felipe Massa, nachdem dieser beim GP von Monaco 2004 den fünfen Platz erreicht hat. (Bild: Jimmy Froidevaux/Keystone (Monaco, 23. Mai 2004))

Motorsport – und insbesondere die Formel 1 – ist etwas höchst Unvernünftiges. Rennställe geben hunderte von Millionen Franken aus, um im Kampf um Hundertstel- und Tausendstelsekunden die Nase vorne zu haben. Peter Sauber war jahrzehntelang mittendrin in diesem Zirkus – von 1993 bis 2016 als Teamchef seines Formel-1-Rennstalls. Und doch schien er mit seiner ruhigen, sachlichen Art eigentlich fehl am Platz in einem Business, in dem Lautstärke – nicht nur bei den Motoren – zum guten Ton gehört.

Er habe trotz seines Werdegangs «weder Benzin im Blut noch verfüge ich über einen Autobazillus», sagte Peter Sauber vor einigen Jahren in einem Interview. Für ihn sei ein Auto in erster Linie ein Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen.

Die Karriere schien vorgespurt

Der gelernte Elektromonteur, dessen Vater in Hinwil ein Unternehmen für elektrotechnische Anlagen besass, dachte deshalb nie an ein Leben im Rennsport. Seine Karriere im elterlichen Betrieb schien vorgespurt. Bis er, animiert durch einen Freund, begann, an seinen VW Käfer herumzubasteln und mit diesem sein erstes Rennen bestritt. Damals war er 23 Jahre alt.

Drei Jahre später baute er den C1, seinen ersten eigenen Rennwagen, mit dem er Schweizer Sportwagen-Meister wurde. Danach hängte Sauber den Rennfahrerhelm an den Nagel und entschied sich, künftig vom Rennwagenbau zu leben – eine höchst unvernünftige Entscheidung, wie er rückblickend selbst meinte. Das «C» in C1 stand für Christiane, den Vornamen seiner Ehefrau, mit der er seit 1965 verheiratet ist und zwei erwachsene Söhne hat. Seitdem tragen alle Sauber-Rennwagen das C auf die Rennstrecke.

Die Anfänge als Rennwagen-Bauer und Konstrukteur waren hart, das Geld knapp. Doch die Ausdauer, die Peter Sauber und sein kleines Team an den Tag legten, lohnte sich. Erste Erfolge stellten sich ein, die Firma Sauber aus Hinwil im Zürcher Oberland begann stetig zu wachsen: 1989 und 1990 gewann Sauber als Mercedes-Werksteam in der Sportwagen-Weltmeisterschaft sowohl die WM-Titel sowohl bei den Fahrern wie auch bei den Konstrukteuren. Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger absolvierten bei Sauber Ausbildungsjahre.

Mit Sauber kehrte Mercedes in die Formel 1 zurück

Mit dem Formel-1-Début von Sauber kam 1993 auch Mercedes nach fast 40 Jahren Unterbruch wieder zurück in die Königsklasse des Motorsports. Ein Schweizer Rennstall in der von britischen Teams und Ferrari dominierten Formel 1 – diesem Vorhaben gaben anfangs nur wenige Leute Kredit. Peter Sauber, der Niederlagen nicht akzeptieren kann, glaubte aber an den Standort Schweiz – und hielt den Sprung in die Formel 1 nach den Erfolgen im Sportwagenbereich nur für einen kleinen Schritt.

Tatsächlich waren Saubers Boliden von Beginn an konkurrenzfähig. 2001 erreichte das Privatteam mit der Fahrerpaarung Nick Heidfeld und Kimi Räikkönen gar den vierten Rang der Konstrukteurswertung. 2004 wurde in Hinwil ein Windkanal eröffnet – damals der modernste seiner Art in der Formel 1. Mit der 70-Millionen-Anlage wollte Sauber die Basis für weitere sportliche Erfolge legen – aber auch den Standort Hinwil sichern. Er war auch in der glitzernden Formel-1-Welt eher der rationale Unternehmer, nicht der risikobereite Hasardeur. Skandale um ihn gab es nicht – ein Glas Wein oder eine Zigarre waren die einzigen «Exzesse», die er sich zwischendurch zu leisten schien. Eddie Jordan, ehemals ebenfalls Rennstall-Besitzer und bunter Hund in der Szene, sagt über Peter Sauber: «Ich habe Sauber immer die Daumen gedrückt. Er ist der ehrlichste Typ in der Boxengasse.»

Auf die grossen Erfolge folgte die grösste Krise

2006 Übernahm BMW die Mehrheit an Saubers Rennstall. Peter Sauber, «Schweizer des Jahres 2005», fungierte als Berater. Die Zukunft schien gesichert, die sportlichen Perspektiven rosig: 2007 Rang zwei in der Konstrukteurs-WM, 2008 erster Grand-Prix-Sieg eines Sauber-Rennwagens durch Robert Kubica. Doch Ende 2009 beschloss BMW überraschend den Formel-1-Ausstieg. Peter Sauber das Team zurück.

Für Peter Sauber war das ein untypischer, weil unvernünftiger Entscheid. Und trotzdem war er nachvollziehbar. Sauber fühlte sich dem Team verpflichtet. «Vor die Mannschaft zu treten und zu sagen: ‹Wir müssen schliessen, das Risiko ist zu gross›, das hätte ich nicht übers Herz gebracht», sagte Sauber gegenüber der NZZ. Nach der Übernahme begann der Überlebenskampf in Hinwil. Die sportlichen Erfolge wurden weniger, die finanziellen Sorgen grösser. Daran änderte sich auch nichts, als sich Peter Sauber 2012 aus dem Tagesgeschäft zurückzog. Im Juli 2016 übernahm die Investmentgesellschaft Longbow Finance das Unternehmen, Peter Saubers Lebenswerk scheint gerettet.

Die «Mission Impossible» erfüllt

Für Peter Sauber hingegen endete damit nach gut 40 Jahren das Kapitel Motorsport. Er lebe nun ein anderes Leben, ein Leben ohne Druck, sagte er kürzlich in einem Interview. Die Umstellung war nicht leicht. Auch heute noch habe er in der Startphase einen «unwesentlich erhöhten Puls», wenn er Formel 1 schaue – wie damals an der Rennstrecke. Die Formel-1-Rennen schaut er sich heute auch mal zeitversetzt an, es gebe manchmal andere Dinge, die Vorrang hätten. Dennoch vermisst Peter Sauber manchmal die Formel 1. Die Leute, den Zirkus und die Reisen rund um die Welt.

Geblieben ist der Stolz auf seinen Rennstall. Seit dem Einstieg in die Formel 1 sind über 20 Teams von der Bildfläche verschwunden. Sauber aus Hinwil gibt es noch immer. «Als Schweizer Team 25 Jahre in der Formel 1 zu überleben, ist eigentlich eine ‹Mission Impossible›», sagte Sauber Anfang Jahr im NZZ-Interview. «Aber wir haben es geschafft, und das ist eine fantastische Leistung.»

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