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Nach Whatsapp-Fauxpas:
Frauen-Sportchef des FC St.Gallen-Staad gibt sein Amt ab

Jost Leuzinger, Sportchef des NLA-Teams St.Gallen-Staad, tritt ab. Er war zuletzt in Kritik geraten, als er zwei Spielerinnen per Kurzmitteilung abserviert hatte.
Ralf Streule
Nicht mehr im Amt: Jost Leuzinger. (Bild: pd)

Nicht mehr im Amt: Jost Leuzinger. (Bild: pd)

Die Geschichte hatte die Gemüter im Ostschweizer Frauenfussball bewegt: Kurz vor einem Abendtraining des NLA-Teams St.Gallen-Staad hatte Sportchef Jost Leuzinger den zwei langjährigen und verdienten Spielerinnen Claudia Stilz und Bettina Peter per Whatsapp-Nachricht mitgeteilt, dass sie nicht mehr zum Team gehören.

Vor fünf Wochen war das gewesen, Unstimmigkeiten zwischen einer jungen Spielerin und den routinierten Fussballerinnen sollen ein Grund für die Freistellung gewesen sein. Dazu kam «eine lange Vorgeschichte», wie Leuzinger damals erklärte. Er sprach davon, dass junge Spielerinnen regelrecht Angst hatten vor den Routiniers. Andere sprachen von einem bewussten Schritt Leuzingers, um zwei unbequeme Spielerinnen loszuwerden.

Unterdessen hat sich der 67-jährige Leuzinger entschieden, sein Amt als Frauensportchef abzugeben. Im Nachgang der Whatsapp-Geschichte hatte er intern Kritik an seiner Kommunikation einstecken müssen. Laut Alain Sutter, der in seiner Funktion als Sportchef des FC St.Gallen nebst dem Nachwuchsprojekt auch dem Frauenteam vorsteht, ist Leuzingers Rückzug freiwillig.

Alain Sutter, Sportchef FC St.Gallen. (Bild: Keystone)

Alain Sutter, Sportchef FC St.Gallen. (Bild: Keystone)

Man habe ihm natürlich ein Feedback gegeben und die Kommunikation, die nicht den Gepflogenheiten des FC St.Gallen entspreche, besprochen. Es sei aber ein einmaliger Fehltritt Leuzingers gewesen, der Frauen-Sportchef habe sich einsichtig gezeigt. Und, eben: «Leuzinger trat von sich aus zurück.» Gestern war Leuzinger für eine Auskunft nicht erreichbar.

FC Staad kämpft für bessere Kooperation

Besonders beim FC Staad hatte die Entlassung von Stilz und Peter enttäuscht. Die beiden Spielerinnen haben langjährige Verdienste im Club. In Staad war man überrascht, nicht in den Entscheid involviert worden zu sein. Auch hier spielte die Vorgeschichte eine Rolle: Als Staad und St.Gallen vor zwei Jahren fusionierten, war Staad sportlich erfolgreicher. Dass die Mitbestimmung nach dem Zusammenschluss schwand, stiess der Clubführung in Staad sauer auf. Der Rauswurf der zwei Spielerinnen brachte das Fass zum Überlaufen.

Um diese beiden Spielerinnen drehte sich der Zwist: Bettina Peter (links) und Claudia Stilz,

Um diese beiden Spielerinnen drehte sich der Zwist: Bettina Peter (links) und Claudia Stilz,

FC-Staad-Präsident Cornel Rüst erklärt, dass er sich schon länger stark gemacht habe, in der Kooperation künftig mehr eingebunden zu werden. Unter anderem möchte er klar fixieren, dass das Team auch künftig regelmässig im Bützel in Staad trainiert und spielt – und nicht öfter im Espenmoos. «Die Kooperation muss gelebt werden.»

Cornel Rüst, Präsident FC Staad.

Cornel Rüst, Präsident FC Staad.

Die Gespräche mit der sportlichen Leitung St.Gallens seien gut, von der Nachwuchsarbeit St.Gallens sei er ebenfalls überzeugt. Seine Aussage zu Leuzingers Abgang ist aber deutlich: In der Fusionierung der Clubs habe der Sportchef zwar grosse Verdienste – danach habe er aber vermehrt im Sinne des FC St.Gallen und nicht in jenem des FC Staad entschieden. Der Rücktritt Leuzingers ermögliche es, mit dem FC St. Gallen einen konstruktiven Weg zu gehen.

Hatte Staad beim FC St.Gallen etwa Druck gemacht, um Leuzinger zum Abgang zu drängen? Rüst äussert sich zu dieser Vermutung nicht.

Leuzingers Verdienste im Ostschweizer Fussball

Für den 67-Jährigen Leuzinger dürfte damit ein langjähriger Einsatz im Ostschweizer Fussball zu Ende zu gehen. Der ehemalige Fussballer, der in den 1970er-Jahren beim FC St.Gallen und bei den Young Boys spielte, hatte früh alle Trainerdiplome erworben und war als Technischer Leiter und Ausbildungschef über Jahre im Ostschweizer Fussballverband tätig. Er wurde 2016, ein Jahr vor der Fusion, technischer Leiter der Staader Frauen.

Marco Zwyssig, Trainer. (Bild: Benjamin Manser)

Marco Zwyssig, Trainer. (Bild: Benjamin Manser)

Gemäss Marco Zwyssig, dem Trainer der NLA-Frauen, ist das Amt des Sportchefs bei den Frauen vorerst vakant. Er geht davon aus, dass der Rücktritt von Leuzinger nichts am Entscheid ändern wird, auf Peter und Stilz zu verzichten. Dies, obschon das Kader des Frauenteams derzeit dünn besetzt ist und sich zudem Captain Ronya Böni am Knie verletzte. Teils kann Zwyssig auf Spielerinnen aus der U19 zurückgreifen. Chancenlos scheint sein Team in der NLA trotz allem nicht zu sein. Zwar ist, nach einem 0:0 gegen Lugano, erst ein Punkt auf dem Konto seines jungen Teams. Bei den Niederlagen gegen YB und Basel hielten die Ostschweizerinnen aber mit. Zwyssig formuliert es so: «Wir können im Lauf der Saison noch konkurrenzfähiger werden.» Und den Ligaerhalt schaffen.

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