Pendel schlägt nach Oerlikon aus

Die ZSC Lions gewinnen auch das zweite Spiel des Playoff-Finals gegen Kloten. Mit 2:1 endet die Partie wie schon beim 1:0 am Samstag äusserst knapp. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass es eine kurze Finalserie werden könnte.

Matthias Hafen/Kloten
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Der im Thurgau ausgebildete Lette Ronalds Kenins erzielt gegen Klotens Goalie Martin Gerber den wichtigen 1:1-Ausgleichstreffer für die ZSC Lions. (Bild: Patrick B. Kraemer)

Der im Thurgau ausgebildete Lette Ronalds Kenins erzielt gegen Klotens Goalie Martin Gerber den wichtigen 1:1-Ausgleichstreffer für die ZSC Lions. (Bild: Patrick B. Kraemer)

EISHOCKEY. Es ist, als spielen ZSC Lions und Kloten fürs Schweizer Eishockey-Lehrmittel. Das erste Spiel des diesjährigen Playoff-Finals am Samstag stand unter dem Motto, wie man sich eine Defensive mauert, die keinen Treffer zulässt. Gestern, in Lektion zwei, gingen die Teams in die Offensive über.

Nicht, dass es dadurch viel mehr Tore gab. Doch die 7624 Zuschauer in der ausverkauften Kolping-Arena und alle zu Hause vor dem Bildschirm kamen diesmal in den Genuss einer animierten Partie, in der sowohl das Heimteam wie auch die Gäste vor allem zu Beginn zu zahlreichen Chancen kamen und auch die Entscheidung suchten. Es waren die Stadtzürcher, die sie schliesslich auch fanden.

Keller trifft zur Entscheidung

Mitten in einer Phase des offensiven Wahnsinns tauchte in der 48. Minute plötzlich Ryan Keller alleine vor Klotens Goalie Martin Gerber auf. Der Stürmer der ZSC Lions hatte zuerst alle Mühe, den Puck unter Kontrolle zu bringen, bevor er hinter die Torlinie rutschte und der Angriff als unerlaubter Befreiungsschlag abgepfiffen worden wäre. Doch Keller hielt den Puck akrobatisch im Spiel und hatte sogar noch die Nerven, Goalie Gerber im Stil eines Fussballers zu umdribbeln. Sein Treffer zum 2:1 sollte die Entscheidung sein. Dass Kloten durch einen Sturmlauf von Eric Blum nur Sekunden zuvor fast selber das 2:1 gelungen wäre, zeigt, wie ausgeglichen dieser Playoff-Final ist.

Dass die Lions ihre Chance einmal mehr nutzten und die Klotener zum zweitenmal als unglückliche Verlierer vom Eis mussten, zeigt aber auch, dass das Pendel in der Meisterschaftsentscheidung nach Oerlikon ausschlägt. Die Stadtzürcher machen in der Best-of-7-Serie gegen Kloten alles richtig. Sie spielen einfach statt spektakulär, beenden jede Aktion mit einem handfesten Zweikampf und geben den Partien damit auch den physischen Takt vor. Vor allem aber neutralisieren sie mit einer beeindruckenden Defensivleistung Klotens Taktik, welche das Team von Felix Hollenstein bis in den Final brachte. Die Zürcher Unterländer, die im bisherigen Playoff-Verlauf oft in Führung gingen und dann den Vorsprung geschickt verwalteten, gerieten gegen die ZSC Lions nun in zwei Versuchen zweimal in Rückstand – und schafften es nicht, diesen wieder aufzuholen.

Ein Meister braucht auch Tore

So fragt man sich schon, wie Kloten in die Serie zurückfinden will. Vielleicht wird Hollenstein nun ein altes Eishockey-Lehrmittel hervorholen. Dort wird es eine Lektion geben, wie man Tore erzielt. Diese muss Klotens Trainer morgen in Zürich zum Programm machen.

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