Patrick Wiesers starkes Signal

Der 36jährige Aadorfer Patrick Wieser überzeugte am Jungfrau-Marathon: Er lief als Vierter ins Ziel, wurde bester Schweizer und konnte den prestigeträchtigen Wettkampf bei allen Strapazen auch geniessen.

Peter Birrer
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Patrick Wieser nach dem Jungfrau-Marathon. (Bild: Patrick Birrer)

Patrick Wieser nach dem Jungfrau-Marathon. (Bild: Patrick Birrer)

MARATHON. Als er Kilometer 37 passierte, schoss Patrick Wieser der Gedanke durch den Kopf: Heute ist alles möglich. Aber es kam noch ein letztes Teilstück, ein steiles, das keine Gnade kennt mit den Teilnehmern. Und Wieser musste hinterher sagen: «Dieser Abschnitt ist nicht mein bevorzugtes Terrain, es war etwas gar steil.»

«Glücklich und zufrieden»

Das erklärte, warum er nicht zum Bulgaren Shaban Mustafa und Birhanu Mekonnen aus Äthiopien aufschliessen konnte. Und drei Kilometer vor dem Ziel zog der italienische Berglauf-Weltmeister Tommaso Vaccina, der Sieger in Zermatt, an ihm vorbei. Wieser blieb am Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau Platz 4. Das verpasste Podest ärgerte den 36jährigen Kantonspolizisten aus Aadorf nur kurz. Schnell überwog die Freude und der Stolz, etwas Grosses erreicht zu haben: «Ich bin glücklich und zufrieden mit meiner Leistung.» 4500 Läuferinnen und Läuferin aus fast 60 Nationen hatten sich an der 23. Austragung dieses Wettkampfs aufgemacht, möglichst schnell von Interlaken auf die Kleine Scheidegg zu gelangen – Wieser gelang es in 3:06.11,1 Stunden, war damit der schnellste Schweizer und erhielt entsprechenden Applaus dafür.

Keine Spur von Strapazen

Zum siebtenmal hatte er den Jungfrau-Marathon bestritten, einen seiner erklärten Lieblingsläufe. Das Rennen in Zermatt war ihm noch missraten, danach verlief die Vorbereitung nicht eben einwandfrei. Wieser machte die enorme Hitze zu schaffen. Am Samstag aber signalisierte er der Konkurrenz, dass mit ihm stets zu rechnen ist. Auf der Strecke nach Wengen erlaubte es ihm seine Verfassung gar, zuzulegen. Und oben meldete er: «Mir geht es sehr gut.» Von Strapazen also keine Spur.

Next Stop: Rio 2016

Im Oktober wird Patrick Wieser mit der Tour de Tirol, einem dreitägigen Wettkampf (10 km, Marathon und 23 km Trail), seine Saison zwar beenden. Einen Traum hat er: Rio 2016. Einen Anlauf nimmt er im Frühling, um die Limite von 2:14 Stunden für die Olympischen Spiele zu schaffen. «Es ist sehr schwierig», sagt er und meint lächelnd: «Aber versuchen kann ich es ja.»