Gut gegen Böse in der Super Bowl

Präsident Donald Trump spaltet nicht nur die USA, sondern auch den Final der National Football League. New Englands Star Tom Brady zählt zu Trumps Freunden.

Christof Krapf
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Christof Krapf

An der Super Bowl feiern sich die USA selbst. Bei keinem anderen Anlass als dem Final der National Football League (NFL) kommt so stark zum Ausdruck, dass viele Amerikaner ihr Land als das «beste der Welt» sehen. Um dies zu zementieren, fahren die Organisatoren jeweils das volle Programm auf: Nationalhymne, riesige Sternenbanner, Kriegsveteranen, die vom Publikum für ihre Heldentaten gefeiert werden, und der obligate Überflug einer Kampfjetstaffel. Das wird auch um 0.30 Uhr in der Nacht auf Montag nicht anders sein.

«Nichts verbindet unsere Nation so sehr wie die Super Bowl, nirgends atmen wir so sehr ein, was wir an unserem Land lieben», sagte der Soziologe Dennis Deninger im Sportsender ESPN. Dass viele Amerikaner so denken, ist nicht erst der Fall, seit im Weissen Haus einer sitzt, der bei jeder Gelegenheit «Make America Great Again» proklamiert.

Keine politischen Statements aus Atlanta

Der Graben, der das Land seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump spaltet, macht vor der Super Bowl nicht halt. Angesichts des polarisierenden Präsidenten verkommt das Spiel zwischen den Atlanta Falcons und den New England Patriots zu einem Vergleich zwischen Gut und Böse. Die Guten, das sind in diesem Fall die Falcons. Die Mannschaft aus Georgia hat in ihrer 52-jährigen Clubgeschichte noch nie eine Super Bowl gewonnen – nur 1999 qualifizierte sie sich für den Final, verlor aber gegen die Denver Broncos. Noch wichtiger als das Image des Aussenseiters ist aber, dass sich in diesen turbulenten Zeiten kein Atlanta-Spieler mit politischen Äusserungen auf die Äste hinausgewagt hat. Das wird in den USA von Footballern erwartet: Sie haben die Klappe zu halten und sich auf den Sport zu konzentrieren.

Etwas anders sieht es bei den New England Patriots aus – in dieser Super Bowl sind sie die Bösen. Das Team aus Boston, Massachusetts, war in den vergangenen Jahren fast schon unanständig erfolgreich. Viermal hat es die Super Bowl im neuen Jahrtausend gewonnen. Die Patriots sind das Bayern München des American Footballs. Und Clubs, die zu erfolgreich sind, mag ausser den eigenen Anhängern niemand. Zudem geriet New England vergangene Saison in Negativschlagzeilen, weil Quarterback Tom Brady mit Helfern dafür gesorgt haben soll, dass die Spielbälle zu wenig aufgepumpt waren. Der 39-jährige Brady – er könnte in der Nacht auf Montag mit dem fünften persönlichen Super-Bowl-Gewinn Rekordsieger werden – wurde von der Liga für vier Spiele gesperrt. Ein anderer Skandal, der das schlechte Image der Patriots zementiert, liegt neun Jahre zurück. 2007 filmten Club­vertreter im Training des Ligakonkurrenten New York Jets die Handzeichen, welche die Trainer ihren Verteidigern gaben. Cheftrainer Bill Belichick wurde damals mit 500000 Dollar gebüsst und gilt seither als Buhmann unter den NFL-Coaches. Erfolgreich sein und dann auch noch betrügen – das geht gar nicht.

Trumps Kappe hängt an Bradys Spind

Viel Kredit haben die Patriots zuletzt aber eingebüsst, weil gleich drei ihrer Aushängeschilder offen Trump unterstützen. Damit brachen sie das ungeschriebene Gesetz, dass sich US-Sportler nicht zu politischen Themen äussern – vor allem nicht vor einem so wichtigen Spiel wie der Super Bowl. Quarterback Brady macht kein Geheimnis daraus, dass er ein enger Freund des neuen US-Präsidenten ist, und dekorierte seinen Garderobenspind bereits 2015 mit einer roten «Make America Great Again»-Mütze. «Donald ist ein guter Freund von mir», sagte Brady. Gleich nach der Wahl soll New Englands Spielmacher dem neuen Präsidenten gratuliert haben. Trump sagte dazu: «Ich liebe es, wenn ich Champions unter meinen Unterstützern habe.»

Auch Cheftrainer Belichick machte während des Wahlkampfes keinen Hehl daraus, wem seine Unterstützung gilt. Am Vorabend der Wahl verlas Trump gar einen Brief des Coaches. Darin stand: «Hoffentlich wird der morgige Tag dazu führen, dass ‹America great again› wird.» Und Robert Kraft, der Besitzer der Patriots, eilte am Wahltag sogleich ins New Yorker Trump-Hochhaus, um einen Job in der neuen Regierung zu ergattern – bekommen hat den angepeilten Botschafterposten in London allerdings ein anderer.

Boykott an Heimspielen

An den Patriots ist die Unterstützung für Trump nicht spurlos vorbeigegangen. Massachusetts ist ein Demokratenstaat – zwei Drittel wählten dort Hillary Clinton. Einigen Anhängern der New England Patriots wurde es deshalb zu bunt: Sie verschenkten ihr Trikot und boykottierten die Spiele der Mannschaft.

Die Unterstützung der Patriots-Vertreter für Trump ist zwar diskreter geworden. Doch nur einer aus der Mannschaft wagt es auch, Trump zu kritisieren. Martellus Bennett kündigte an, im Fall eines Super-Bowl-Siegs den Empfang in Washington zu boykottieren. «Ich werde nicht hingehen, weil ich den Typen, der dort regiert, nicht ausstehen kann», sagt Bennett. Mit dieser Äusserung gewinnt der Spieler zwar Sympathie. Sie ändert jedoch nichts daran, dass die meisten neutralen Zuschauer Atlanta unterstützen werden. Denn für die Amerikaner entspricht der Sieg eines Aussenseiters mehr dem amerikanischen Traum als eine Phrase wie «Make America Great Again».