Roger Federer

Papa: «Verdammt, schlag die Rückhand richtig»

Dass aus dem Schwachpunkt Rückhand plötzlich eine Stärke wird, hat Roger Federer auch seinem Vater Robert zu verdanken.

Simon Häring
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Roger Federers Eltern ermunterten ihn stets, Neues zu wagen.

Roger Federers Eltern ermunterten ihn stets, Neues zu wagen.

EPA

Auf dem Platz hat der Roger Federer von vor zehn Jahren nicht mehr viel mit jenem von heute zu tun. Klar, da ist immer noch seine präzise Vorhand und der variable Aufschlag. Noch immer bewegt er sich leichtfüssig, spielt kreativ und verlässt sich bei der Schlagwahl oft auf seine Intuition. Unverkennbar ist aber auch die Evolution, die sein Spiel erfahren hat.

Nirgendwo ist das offensichtlicher als auf der Rückhandseite, die immer als seine Achillesferse galt. Gegen keinen Gegner war dieser Schwachpunkt augenscheinlicher als gegen Linkshänder Rafael Nadal, dessen Erfolgsrezept gegen Federer immer dem gleichen Muster folgte: Mit möglichst viel Spin auf die Rückhand des Schweizers. Egal wo, egal wann.

Das funktionierte, weil Federer meist auf den Slice setzte. Das war einmal. Ab 2013 unter der Ägide von Paul Annacone und mit neuem, grösserem Racket ausgestattet, spielte Federer die Rückhand vermehrt mit Topspin. Eine Entwicklung, die sich im Jahr darauf fortsetzte, als Stefan Edberg ihn ermutigte, noch offensiver zu agieren und die Bälle noch früher zu nehmen.

Offensichtlich hat Federer damit nach über 13 Jahren ein probates Erfolgsrezept gegen Nadal gefunden. Mit Basel 2015, dem Final der Australian Open vor anderthalb Monaten und nun im Achtelfinal von Indian Wells, hat er den Spanier erstmals überhaupt drei Mal in Folge bezwingen können. Beim 6:2, 6:3-Erfolg zeigte sich der Baselbieter in beneidenswerter Form.

Nach dem Erfolg erklärte Federer, dass sein Vater Robert am Ursprung der wichtigsten Neuerung in seinem Spiel steht. «Schlag die Rückhand richtig, verdammt. Lass dich nicht zurückfallen und die ganze Zeit zum Slice verleiten», hat er mein Vater mir einmal gesagt, erzählt Federer nach dem Sieg gegen Nadal, bei dem er primär mit der Rückhand brillierte.

Robert Federer und Lynette Federer Roger Federers Eltern Lynette und Robert. 

Robert Federer und Lynette Federer Roger Federers Eltern Lynette und Robert. 

Keystone

Alle seine Coaches hätten ihn dazu motivieren wollen, bei der Rückhand mehr Risiken einzugehen. Dabei seien ihm aber immer viele Fehler unterlaufen. «Tief in mir drin habe ich nie wirklich geglaubt, dass ich in den wichtigsten Momenten mit der Rückhand punkten kann», gesteht Federer. Das ändere sich nun. «Stück für Stück und das macht mich glücklich.»

Seine Eltern hätten ihn immer darzu ermutigt, mutig zu sein. «Trau dich was!», hätten sie ihm eingetrichtert. Diese Denkweise habe auf seine DNA abgefärbt. «Grossartiger Match. Grossartige Rückhand», habe Vater Robert nach Federers Sieg gegen Nadal nur gesagt. Ob mit einem Grinsen im Gesicht, ist nicht überliefert. Aber zumindest denkbar.