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Ursin Broger, Student Vergiss den fetten Dienstag Heute ist ein fetter Tag, der fette Dienstag. In Zürich auch als Schüblig- und in England als Pfannkuchendienstag bekannt, markiert er das Ende der Fasnacht sowie den Beginn der Fastenzeit.

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Ursin Broger, Student

Vergiss den fetten Dienstag

Heute ist ein fetter Tag, der fette Dienstag. In Zürich auch als Schüblig- und in England als Pfannkuchendienstag bekannt, markiert er das Ende der Fasnacht sowie den Beginn der Fastenzeit. Obschon heute weltweit Unmengen von Schüblig und anderen fettigen Speisen gegessen werden, wird auf das anschliessende Fasten grosszügig verzichtet. Dies rührt daher, dass die meisten keine Lust dazu haben oder aber gar nichts von der Fastenzeit wissen. Beim christlichen Fasten geht es vereinfacht gesagt um das Gedenken an Jesus, der fastend und betend in der Wüste weilte, bevor er gekreuzigt wurde.

Ein anderer Brauch, der zunehmend in Vergessenheit gerät und eng mit der Fasnacht verknüpft ist, stellt das Bitten um Gaben dar. Noch vor wenigen Jahren in der Schweiz weit verbreitet, kommt es immer seltener vor, dass verkleidete und maskierte Kinder von Haustüre zu Haustüre ziehen, um als Gegenleistung für ein kurzes Gedicht milde Gaben zu ergattern. Was noch Wenigere wissen, dieser Brauch ist eng mit der Missionierung Afrikas verbunden. Um Mittel für die Bekehrung der «Wilden» zu sammeln, motivierten Schweizer Pfarreien die Kinder zum Spendensammeln. Damit die Botschaft auch ankommt, verkleiden sich die Kinder dazu als rückständige Afrikaner und schminken sich die Gesichter schwarz.

Ich staunte deshalb sehr, als ich am letztjährigen fetten Dienstag von drei angemalten Kindern mit Baströcken und Kruselhaarperücken überrascht wurde. Um mir eine milde Gabe zu entlocken, reimten sie: «Mir sind die chline Neger us Afrika, mer gseht das jo scho a de Huutfarb aa. Mit eurer Spend chönd ihr helfe dezue, üs z taufe und z lupfe in Himmel ue.»

Vergessen ist manchmal gar nicht so schlecht. Die Frage ist, was man vergessen sollte. Der Brauch des «Fastnachtsnegerlen» darf gerne vergessen werden, dass rassistische Stereotypen unseren Alltag prägen hingegen nicht.

Ursin Broger (25) ist in Arbon aufgewachsen und studiert und lebt in Zürich.