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Ordnung aus der Wiederholung

FRAUENFELD. Der ehemalige Experimentierraum Shed im Eisenwerk wirkt eher museal mit den zehn Positionen der Werkschau TG, dafür wird die Methode der seriellen Kunst fortgeführt – Motive und Themen offen aneinanderzureihen.
Barbara Fatzer
Der Neue Shed im Eisenwerk Frauenfeld ist einer der fünf Ausstellungsräume für die erste Werkschau Thurgau. (Bild: Barbara Fatzer)

Der Neue Shed im Eisenwerk Frauenfeld ist einer der fünf Ausstellungsräume für die erste Werkschau Thurgau. (Bild: Barbara Fatzer)

Zurückhaltend und ruhig wirken Bilder wie Installatives auf den ersten Blick in diesem weissen Raum mit wohltuendem Oberlicht. Das Zentrum blieb frei, so dass man von dort jede Position an den Wänden oder im Raum ins Auge fassen kann. So fällt bald einmal auf, dass hier eine Kunstrichtung der Moderne die Methodik der Ausstellung bestimmt hat – wenn das denn die Absicht der Kuratorin Rebekka Ray gewesen ist. Es ist die Aneinanderreihung von Motiven oder Themen in einer sehr offenen und weiterführenden Art, als dies einst die serielle Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorhatte.

Aus bäuerlichem Boden

Aus dieser Aufreihung der Varietäten möchte ich zwei Positionen herausheben, die mich persönlich stark beeindrucken. Zuerst kaum beachtet, da in einer Ecke installiert und mit ihrem Weiss beinahe in der Wand verschwindend, sind zwei Arbeiten von Nadja Wüthrich zu einer neuen, hintersinnigen Installation zusammengefügt, die als Gesamtbild kurios scheint.

Da sind Kuhzungen auf einem waagrechten Zylinder montiert, dahinter jeweils vier Kälber-Saugnäpfe auf Sockeln vertikal an die Wand geschlagen, die erst bei genauerem Hinsehen zu künstlichen Zitzen auf Milchpackungen* werden. Und darüber hängt wie eine Jagdtrophäe ein Hasenkopf mit aufgerichteten Löffeln als stumm gewordener Zeuge dieses Arrangements.

Bilder einer vergangenen Kultur

Die Künstlerin schöpft für diese Arbeit ihre Bildformen aus dem Urgrund, was Kultur einmal für die Menschheit bedeutete: die bäuerliche Nahrungsmittelproduktion, die bis heute nicht hat ersetzt werden können, aber heute unter anderen Bedingungen geschieht, die auch die Grundlagen unserer Existenz bedrohen, so, wie der Wildhase seinen Lebensraum verliert.

Nadja Wüthrich gehört zu den neuen Entdeckungen in der Thurgauer Szene, obwohl sie bereits 2012 mit ihrer «Knochenarbeit (10 000 Stunden)» im Kunstmuseum aufgefallen war.

Genau hinsehen bei Konflikten

Auch die titellose Installation von Meinrad Schade könnte man übersehen. Wer schreibt denn heute noch Postkarten? Erst recht, wenn sie unübersichtlich auf einem Drehständer aufgereiht sind, ohne dass man sieht, was sie genau darstellen. Es scheinen unspektakuläre Alltagssituationen zu sein, banale Städteansichten, Leute, die Feste feiern. Doch dann bemerkt man, dass die scheinbar friedlichen Szenen auch Bedrohliches beinhalten. Meterhohe Absperrungen, Zerstörungen, Soldaten mit dem Gewehr im Anschlag sind mit im Bild. Zwei miteinander verfeindete Gesellschaften müssen zusammenleben, aber die Angst voreinander bestimmt ihren Alltag – das wird auf diesen Bildern mehr als deutlich. Die Serie «Palästina-Israel» ist ein neues Langzeitprojekt des aus Kreuzlingen stammenden Fotografen, die er «Vor, nach und neben dem Krieg – Spurensuche an den Rändern der Konflikte» nennt. Dabei nimmt Schade nicht Partei; er stellt dar, was Menschen, welcher Herkunft auch immer, täglich erleben. Auf der Rückseite der 25 Postkarten vermerkt er auf einer politischen Karte, wo, wann und warum sich die jeweils dargestellte Situation abgespielt hat: emotionslos und rein informativ. Diese subtile Berichterstattung geht unter die Haut und macht deutlich, wie wir mit menschlichen Konflikten umgehen. Meinrad Schades Bilder sind übrigens auch im neuen Jahresbericht der Thurgauer Kulturstiftung zu sehen.

*In den Siebzigern antworteten Stadtkinder auf die Frage «Woher kommt die Milch?» mit «Aus dem Tetra Pak.»

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