Operation statt WM-Medaillen

Voller Hoffnung startet Thomas Litscher in die Saison. Die Resultate sind zu Beginn sehr ansehnlich. Aber plötzlich hat der 24jährige Rheintaler wieder Probleme mit dem Gesäss. Vor der heute beginnenden WM muss er die Saison abbrechen.

Daniel Good
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Rekonvaleszenz während der WM: Thomas Litscher daheim in Thal mit seiner Medaillensammlung von WM, EM und Schweizer Meisterschaft. (Bild: Hanspeter Schiess)

Rekonvaleszenz während der WM: Thomas Litscher daheim in Thal mit seiner Medaillensammlung von WM, EM und Schweizer Meisterschaft. (Bild: Hanspeter Schiess)

MOUNTAINBIKE. Das Sitzen bereitet Thomas Litscher eine Woche nach der Operation am Gesäss Mühe. Aber noch stärker beschäftigt den talentiertesten Schweizer Mountainbikefahrer, dass er zum zweitenmal in Folge nicht an der WM starten kann. Die WM beginnt heute im südafrikanischen Pietermaritzburg mit der Staffel. Litscher, der U23-Weltmeister 2011 und Juniorenweltmeister von 2007 hatte reelle Chancen, in der Schweizer Staffel, die fast immer eine Medaille gewinnt, mitzufahren.

Aber es kommt anders. Im Sommer verspürte der 24jährige Litscher im Trainingslager im Engadin wie im Vorjahr starke Schmerzen im Gesäss. Die Saison hatte sehr gut begonnen mit einem vierten Platz im Weltcup der Elite; nun aber stand der St. Galler wie im Jahr zuvor vor einschneidenden gesundheitlichen Problemen. Litscher versuchte sich zwar noch an den Weltcups in Andorra und Kanada, aber die Schmerzen wurden unerträglich. Wegen einer neuen Sattelposition, die das malträtierte Gesäss schonen sollte, stellten sich zusätzlich muskuläre Verspannungen ein. Litscher beschloss deshalb im August schweren Herzens, die Saison zu beenden. Die Ärzte rieten zu einer neuerlichen Operation, die am 20. August in Teufen in der Berit Klinik durchgeführt wurde.

Chronische Entzündung

«Es ist schon sehr ärgerlich, dass ich nicht fahren kann. Am besten denke ich nicht daran, dass jetzt die WM stattfindet», sagt Litscher. Wichtiger ist für Litscher freilich, dass er die Probleme mit dem Gesäss beheben kann. Denn das Gesäss ist etwas vom Wichtigsten für einen Velorennfahrer. «Jeder kann damit Schwierigkeiten bekommen. Mich hat es nun einfach ganz hart getroffen», sagt Litscher. «Als bekannt wurde, dass ich dieses Problem habe, sind viele auf mich zugekommen und haben mir gesagt, dass sie ebenfalls häufig Beschwerden am Gesäss haben.» Es sei schwierig zu sagen, weshalb die chronische Entzündung aufgetreten sei. «Es kann viele Gründe haben», sagt Litscher. Das Ziel eines Athleten bestehe unter anderem darin, möglichst wenig Fett zu haben. «Und dann fehlt das Polster.» Fit hält er sich nun mit alternativem Training wie Joggen und dem Laufen auf Rollski. Ende Oktober sollte Litscher wieder Velo fahren können. «Dann beginnt auch das Grundlagentraining für die kommende Saison.» Deshalb hält sich der Schaden für Litscher in Grenzen. Er tut alles, was in seinen Kräften steht, um die Leidensgeschichte zu beenden, «damit man 2014 wieder den richtigen Litscher zu sehen bekommt».

19 Medaillen im Nachwuchs

Das Team lässt ihm Zeit, schliesslich wurde Litscher Anfang Saison geholt, um dereinst in die Fussstapfen des ehemaligen spanischen Elite-Weltmeisters José Antonio Hermida zu treten. Insgesamt 19 Medaillen gewann Litscher auf der Nachwuchsstufe an WM, EM und der Schweizer Meisterschaft. So viel Edelmetall deutet auf reichlich Talent hin. Einen echten Wert haben aber nur die in der Elitekategorie gewonnenen Medaillen. Das sieht auch Litscher so.