ON Y VA - DIE EM-KOLUMNE: Schottland ist Meister der Abwesenden

In alten Wunden wühlt man nicht. Eigentlich. Im Falle Hollands, dem prominenten Abwesenden der EM, machen wir eine Ausnahme. Denn der Blick auf die Mannschaften, die in der EM-Gruppenphase bereits gescheitert sind, wertet die verpatzte Qualifikation der Holländer nicht auf – im Gegenteil.

Ralf Streule
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Allez les Bleus: Dieser Fan ist vollends auf Frankreich eingestellt. (Bild: IAN LANGSDON (EPA))

Allez les Bleus: Dieser Fan ist vollends auf Frankreich eingestellt. (Bild: IAN LANGSDON (EPA))

In alten Wunden wühlt man nicht. Eigentlich. Im Falle Hollands, dem prominenten Abwesenden der EM, machen wir eine Ausnahme. Denn der Blick auf die Mannschaften, die in der EM-Gruppenphase bereits gescheitert sind, wertet die verpatzte Qualifikation der Holländer nicht auf – im Gegenteil. Die Türken und Tschechen, zwei von drei Teams, die Holland in der Qualifikation hinter sich gelassen haben, mussten an der Euro nach der Vorrunde bereits die Heimreise antreten. Sneijder, Robben und Co. können sich also nicht damit trösten, dass sie immerhin gegen die Stärksten Europas den kürzeren gezogen haben. Nur ein Team, das in der Qualifikation vor Holland stand, ist an der EM noch im Rennen: Island.

In einem anderen Licht erscheint mit einem Blick zurück auch die Leistung der Österreicher. Als souveräner Sieger der Gruppe mit Schweden und Russland noch gefeiert, stellt man nach der EM-Vorrunde verblüfft fest: Alle drei Teams sind ausgeschieden, gemeinsam holten sie gerade mal zwei Punkte und erzielten zwei Tore. Diese Sichtweise entzaubert Kollers Österreich-Wunder.

Ein anderes Nationalteam darf dafür im nachhinein stolz sein auf seine Leistungen: Schottland. Die Mannschaft schied im Herbst 2015 als Vierte in der EM-Qualifikation aus. Die drei Teams, die den Schotten vor der Sonne standen, stehen nun an der Euro aber in den Achtelfinals: Deutschland, Polen und Irland.

Natürlich funktionieren solche Quervergleiche nicht mathematisch zuverlässig, geben aber immerhin einen Hinweis. Und sollten Deutschland, Polen und Irland noch lange im Turnier bleiben, wird man vielleicht auch in Schottland mitfeiern.

ralf.streule@tagblatt.ch