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OLYMPISCHE SPIELE/WELTCUP: Mit Sommerreifen auf dem Eis

Die Bobpilotin Sabina Hafner musste nach ihrem Comeback Lehrgeld bezahlen. Doch nun steht die 33-Jährige vor der Olympiaqualifikation. Am Wochenende startet sie in St. Moritz.
Raya Badraun
Sabina Hafner freut sich nach ihrem siebten Rang auf der Bahn in Altenberg. (Bild: Filip Singer/EPA)

Sabina Hafner freut sich nach ihrem siebten Rang auf der Bahn in Altenberg. (Bild: Filip Singer/EPA)

Raya Badraun

Vier Jahre lang überliess Sabina Hafner den Eiskanal anderen. Dann kehrte sie an die Steuerseile zurück. Geplant war das eigentlich nicht. Doch die Baselbieterin fand es schade, dass es vor bald zwei Jahren keine Schweizer Pilotin mehr gab. Und sie hatte Glück; ihr Projekt wurde von einem grosszügigen Frauenfelder Gönner unterstützt. Das war jedoch nicht der einzige Grund. Auch das Abenteuer und die Heraus­forderung lockten sie. Im Bob hat sie beides gefunden. Seit ihrem Rückzug aus dem Leistungssport hat sich vieles verändert. Während die 33-Jährige in Winterthur Elektrotechnik studierte, rüstete die Bobelite auf. Heute werden Kufen an den Schlitten montiert, die eine deutlich grössere Auflage haben. Dadurch hat sich das Gefühl im Bob verändert. «Es ist fast so, als würde man mit Sommerreifen auf Eis fahren», sagt Hafner, die für den Bobclub Frauenfeld startet.

Jagen die Pilotinnen heute durch den Eiskanal, haben sie viel weniger Kontrolle über den Schlitten. Richtungswechsel sind also nur noch schwer möglich. «Man kann den Bob nicht mehr einfach in seine Spur zwingen», sagt Hafner. Das sehen die Zuschauer nicht nur dem Fahrstil an. Es gibt bei den Frauen-Rennen auch mehr Stürze als früher. Das alte Material ist dennoch keine Option. Einmal hat Hafner den Versuch gewagt – zumindest für eine Trainingsfahrt. Gegen die Konkurrenz hatte ihr Team jedoch keine Chance und musste sich auf den hinteren Plätzen einreihen. «Mit den neuen Kufen sind wir deutlich schneller», sagt Hafner.

Auf das Bauchgefühl hören

Von den Pilotinnen fordert das neue Material jedoch viel – vor allem im mentalen Bereich. «Man muss Vertrauen haben, auch in schwierigen Situationen ruhig bleiben», sagt Hafner. In den ersten Rennen gelang ihr das nicht immer. Sie hatte zudem Mühe, den Tritt zu finden. Denn zur fehlenden Routine kam manchmal auch noch Pech dazu. So verpasste sie im vergangenen November im kanadischen Whistler nach einem kleinen Fahrfehler einen Platz unter den ersten acht um lediglich zehn Hundertstelsekunden. Ein anderes Mal war ihre Startspur voller Schnee; noch bevor das Rennen richtig angefangen hatte, wurde der Zweierschlitten ausgebremst. «Das hat mich damals schon gefuchst», sagt Hafner. Doch nervös wurde sie nicht. Sie wusste, dass nur wenig fehlt. Und mit jedem Rennen wurde das Selbstvertrauen grösser und die Fahrten besser.

Hafner lernte, dem Bauchgefühl zu folgen und den Schlitten einfach «laufen zu lassen». Und mittlerweile sucht sie auch wieder das Limit, lotet Grenzen aus. Dabei zahlt sich auch ihre langjährige Erfahrung als Pilotin aus. Seit ihrer Rückkehr in den Eiskanal hat sie jede Bahn ohne Sturz überstanden. Selbst in Altenberg, wo am vergangenen Sonntag der Schweizer Hoffnungsträger Rico Peter mit seinem Team schwer gestürzt war, blieb sie schadlos. Beim Weltcup-Rennen in Sachsen belegte Hafner mit ihrer Anschieberin Rahel Rebsamen den guten siebten Rang. Es ist ihr bisher bestes Ergebnis seit dem Comeback – und ein wichtiger Schritt Richtung Olympische Spiele in Pyeongchang.

Dank dem Top-8-Platz hat sie nun die Hälfte der A-Limite von Swiss Olympic geschafft. Die B-Limite, die zwei Top-12-Resultate fordert, hat ihr Team zudem bereits übertroffen. Hafner ist deshalb zuversichtlich, dass sie mit ihren Anschieberinnen im Februar nach Südkorea reisen darf. Für sie wären es nach Turin 2006 und Vancouver 2010 bereits die dritten Winterspiele als Pilotin – und die letzten. Danach wird sie sich erneut aus dem Leistungssport zurückziehen.

Gas geben auf der Heimbahn

Zuerst folgt am kommenden Samstag jedoch das Weltcup-Rennen in St. Moritz. Für die Schweizer Bobfahrer ist es der letzte Wettkampf, um sich für die Winterspiele zu empfehlen. Einfach wird es jedoch nicht. Denn der Heimvorteil im Engadin nützt Hafner und ihren Kollegen kaum etwas. Die einzige Natureisbahn der Welt ist relativ einfach zu fahren. Unterwegs können die Fahrerinnen deshalb nicht viel Zeit verlieren. «Wir werden Gas geben», sagt Hafner. «Das tun wir immer.»

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