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OLYMPISCHE SPIELE: Wie im sibirischen Sizilien

Der Wetterforscher Fabian Wolfsperger spielt für die Schweizer Athleten eine wichtige Rolle, wenn es um die Vorhersage der Schneetemperatur geht. Kalte Winde und die starke Sonne fordern ihn heraus.
Andreas Eisenring, Pyeongchang
Fabian Wolfsperger misst die Schneetemperatur neben einer seiner Messstationen. (Bild: Andreas Eisenring)

Fabian Wolfsperger misst die Schneetemperatur neben einer seiner Messstationen. (Bild: Andreas Eisenring)

Interview: Andreas Eisenring, Pyeongchang

«Super Material, super Beine», dies ist die Kürzest-Erfolgsformel des vierfachen Olympiasiegers Dario Cologna nach dem souveränen Goldrennen über 15 km. Darin ist auch ein indirektes Kompliment an Fabian Wolfs­perger versteckt. Der 38-jährige Deutsche ist gelernter Sportin­genieur und Mitglied der Forschungsgruppe Schneesport am SLF in Davos. Seit zwei Wochen erstellt er in Pyeongchang mit Hilfe von mobilen Wetterstationen Prognosen zu Wetter und Schneetemperatur. Nebst den Langläufern profitieren auch die Biathleten, die Skicrosser und die Snowboardcrosser davon.

Fabian Wolfsperger, wie sieht Ihr Tag in Pyeongchang aus?

Ich kontrolliere täglich meine Messstationen und füttere mein Computermodell mit Daten, um so eine möglichst genaue Wetter- und Schneetemperaturvorher­sage zu erstellen. Später gebe ich meine Erkenntnisse den Serviceleuten weiter, damit sie diese für ihre Wachsentscheide berücksichtigen können.

Arbeiten Sie ausschliesslich mit den eigenen Messungen?

Nein, ich ziehe alle möglichen zusätzlichen Quellen heran. So werde ich täglich auch von einem Schweizer Wetterdienstleister bedient. Und ich vergleiche meine Erkenntnisse mit Internetseiten, die sich aber manchmal widersprechen, zum Beispiel was die Temperatur betrifft. Die grosse Herausforderung ist es, die richtigen Schlüsse zu ziehen – dabei sind meine Messungen und meine Erfahrung sehr wichtig.

Haben die Serviceleute keine Vorbehalte? Gewissermassen reden Sie den Fachleuten rein.

Es gibt ein Vertrauensverhältnis. Man kennt sich, Swiss Ski schickt die Serviceleute an Kurse ans SLF, da kennt man sich schon. Und es geht ja überhaupt nicht darum, ihnen irgendetwas vorzuschreiben. Sie haben ja selber sehr viel Erfahrung und ich stelle ihnen einfach ein weiteres Hilfsmittel zur Verfügung. Diese Zusatzinformationen sollen ihre Arbeit erleichtern, damit sie sich nicht dauernd selber mit der Wetterfrage stressen müssen.

Was macht eine Vorhersage der Schneetemperatur schwierig?

Die Sonne ist hier vom Sonnenstand und Einstrahlwinkel her so intensiv wie in Sizilien. Gleichzeitig haben wir eine superkalte Luftströmung aus Sibirien. Es ist schwierig, diese konträren Grössen in einem Modell korrekt abzubilden mit all ihren Auswirkungen auf den Schnee. Ich versuche den Wärmeaustausch zu berechnen, also wie viel Energie der Schnee aufnimmt oder abgibt – ob dies im Gleichgewicht ist oder nicht. Nehmen wir einmal an, die Schneetemperatur beträgt minus 5 Grad. Wenn die Luft kälter ist, dann kühlt sie den Schnee. Wenn aber die Lufttemperatur wärmer als minus 5°C ist, dann erwärmt sie den Schnee sehr schnell.

Der Wind ist seit Beginn

der Spiele ein grosses Thema. Welchen Einfluss hat er auf die Temperaturbildung?

Er ist ein wichtiger Faktor. Starker Wind verhält sich wie ein Verstärker. In den Alpen zeigt sich dieser Effekt, wenn der Schnee bei Föhnlagen sehr schnell schmilzt. Der Wind ist nur dann Nebensache, wenn Luft- und Schneetemperatur genau gleich sind, dann findet kein Energieaustausch statt. Das lässt sich auch beim Menschen erklären. Der Körper will die Hauttemperatur von rund 35 Grad erhalten und legt deshalb immer wieder Wärme nach. Wind transportiert diese Wärme dauernd weg und deshalb fühlt sich dies so kalt an. Wenn es aber windstill ist, dann bilden sich knapp über der Haut warme Luftschichten, die wie eine Isolation wirken. Das ist beim Schnee ganz ähnlich.

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