Olympische Spiele
Tankstopp in Dubai, Wärmebildkameras und Kühltruhe: Was Martin Fuchs und Steve Guerdat alles für Olympia-Gold tun

Steve Guerdat, Martin Fuchs und die Schweizer Equipe greifen bei den Olympischen Spielen in Tokio nach Gold. Die Vorbereitungen waren kompliziert. Auch vor Ort sind die Bedingungen für Pferd und Reiter eine Herausforderung. Was Sie zum Springreiten wissen müssen.

Simon Häring, Tokio
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Wie kompliziert waren die Vorbereitungen?

Wärmebild eines Pferdes.

Wärmebild eines Pferdes.

zVg

Bereits Mitte Juli mussten die Pferde in der Schweiz in Quarantäne, an einem geheimen Ort, um Besucher und Zuschauer und damit mögliche Ansteckungen zu verhindern. Von dort wurden die Pferde nach Lüttich, Belgien, gebracht. Der Flug nach Tokio dauerte 18 Stunden, in Dubai wurde ein Tankstopp eingelegt. Bereits vor der Abreise wurden die Tierfe mittels Bluttest auf Piroplasmose (Infektion der roten Blutkörperchen mit kleinen parasitären Erregern) und Coggins (ansteckende Blutarmut) getestet und mit einem Stäbchentest in den Nüstern auf Influenza (Virus-Erkrankung des gesamten Atmungsapparates). Nachdem im Februar ein tödliches Herpes-Virus ausgebrochen ist, wurde ein strenges Testregime verordnet: ab zehn Tagen vor und während der Quarantäne wurde zwei Mal pro Tag Fieber gemessen. Ausserdem mit im Gepäck: 38 Ballen à 20 bis 22 Kilogramm Heu, eingeflogen aus den USA, etwa 150 Kilogramm Kraftfutter pro Pferd und Material, das pro Pferd maximal 250 Kilogramm wiegen darf: Reitutensilien wie Sattel, Zäume, Decken, Reserve-Hufeisen. Alleine die Schmiedekiste des Delegations-Hufschmieds wiegt 40 Kilo.

Wie sind die Bedingungen vor Ort?

Auf dieser Anlage findet das Springreiten statt.

Auf dieser Anlage findet das Springreiten statt.

Christian Bruna / EPA

Untergebracht sind die Tiere in klimatisierten Ställen. Zudem stehen Schattenzelte, Sprühvernebler, mobile Kühleinheiten und uneingeschränkt Eis und Wasser zur Verfügung. Die Schweizer Delegation hat einen Tiefkühler einfliegen lassen, um jederzeit Kühlgamaschen griffbereit zu haben. Um das Tierwohl sicherzustellen, werden die Pferde mit Wärmebildkameras überwacht, aus 5 bis 10 Metern Distanz. Weil Pferde aufgrund ihrer grösseren Muskelmasse schneller erhitzen als Menschen, sollten die Pferde nach ihren Einsätzen mit Kaltwasser gekühlt werden.

Wie läuft das Einzelspringen ab?

Beat Mändli erhielt im Einzel den Vorzug vor Bryan Balsiger.

Beat Mändli erhielt im Einzel den Vorzug vor Bryan Balsiger.

Thomas Reiner / www.imago-images.de

Am Dienstag kämpfen 75 Pferde und ihre Reiter in nur einem einzigen Umgang um 30 Plätze im Einzelfinal vom Mittwoch. Es handelt sich um eine Springprüfung nach Fehlern, nicht gegen die Zeit. Diese spielt nur dann eine Rolle, wenn es auf Platz 30 zu einem Gleichstand kommt. Im Final vom Mittwoch zählen die Resultate aus der Qualifikation nicht mehr. Bei Punktgleichheit auf den Medaillenrängen kommt es zu einem Stechen auf Zeit. Beide Springen beginnen jeweils um 12:00 Uhr Schweizer Zeit.

Und das Mannschaftsspringen?

Der Schweizer Equipenchef Michel Sorg rechnet mit Medaillen.

Der Schweizer Equipenchef Michel Sorg rechnet mit Medaillen.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Am Freitag geht die Qualifikation über die Bühne, wo sich 20 Nationen à je 3 Reiterinnen und Reiter um 10 Plätze im Final vom Samstag bewerben. Ein Streichergebnis gibt es nicht. Muss ein Reiter aufgeben, ausscheiden oder disqualifiziert werden, hat die gesamte Equipe kein vollständiges Ergebnis und scheidet aus. Die Ergebnisse aus der Qualifikation zählen im Final nicht. Um die Spannung zu erhöhen, starten die ersten beiden Reiter jeder Nation in umgekehrter Reihenfolge der Mannschaftsergebnisse der Qualifikation, nach einer Pause ändert sich die Reihenfolge bei den dritten Reitern der Nationen. Diese gehen dann in der Reihenfolge des Zwischenklassements nach dem zweiten Reiter an den Start. Kommt es auf den Medaillenrängen zu einem Gleichstand, gibt es ein Stechen auf Zeit. Die Springen beginnen jeweils um 12:00 Uhr Schweizer Zeit.

Wer tritt für die Schweiz an?

Bryan Balsiger darf im Mannschaftsspringen mittun.

Bryan Balsiger darf im Mannschaftsspringen mittun.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Martin Fuchs auf Wallach Clooney 51, Steve Guerdat mit Wallach Venard de Cerisy und Beat Mändli auf Stute Dsarie. Das Trio bringt viel Erfahrung mit: Der 29-jährige Fuchs belegte 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Einzel den neunten Rang, Steve Guerdat bestreitet bereits seine fünften Olympischen Spiele nach Athen, Peking, London, wo er Olympia-Sieger wurde, und Rio de Janeiro. Noch mehr Erfahrung bringt Beat Mändli mit, der im Einzel den Vorzug gegenüber dem 24-jährigen Bryan Balsiger erhielt, und mit seinen 51 Jahren der älteste Mann der gesamten Schweizer Delegation ist. Er ritt schon bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta und war 2000 in Sydney Teil der Equipe, die Bronze gewann. Seither schaffte es Mändli indes nicht mehr ins Schweizer Aufgebot. Im Teamspringen eingesetzt wird der Jurassier Bryan Balsiger auf seiner Stute Twentytwo des Biches. Neu ermöglicht das Reglement einen Wechsel zwischen Einzelfinal und Teamqualifikation sowie, falls erforderlich, einen weiteren zwischen Qualifikation und Final.

Wer sind die Favoriten für die Medaillen?

Das Schweizer Trio für das Einzelspringen bei den Olympischen Spielen in Tokio: Martin Fuchs, Steve Guerdat und Beat Mändli.

Das Schweizer Trio für das Einzelspringen bei den Olympischen Spielen in Tokio: Martin Fuchs, Steve Guerdat und Beat Mändli.

CH Media

Die Medaillen für die Schweizer Reiter liegen auf dem Silbertablett bereit. Martin Fuchs ist die Nummer 2 der Weltrangliste, Steve Guerdat die Nummer 3. Sie zählen – wie auch die Equipe – zu den Anwärtern auf die Medaillen. Der Schweizer Equipenchef, Michel Sorg, sagt: «Wir haben in der Schweiz das Glück, Reiter und Pferde zu haben, die zu den Besten der Welt gehören. Deshalb haben wir uns für die Olympischen Spiele in Tokio hohe Ziele gesteckt: Wir möchten mit einer Medaille – sei es in der Teamwertung oder im Einzel – aus Japan zurückkehren. Zu den härtesten Widersachern dürften der Deutsche Daniel Deusser, die Nummer 1 der Weltrangliste, die Briten Ben Maher und Scott Brash sowie der Amerikaner Kent Farrington zählen. Im Mannschaftsspringen dürften die Schweiz, Grossbritannien und Frankreich Gold unter sich ausmachen. Nicht dabei ist übrigens der Titelverteidiger, Nick Skelton. Der Brite und sein Pferd Big Star traten im April 2017 vom Spitzensport zurück.

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