Tennis
Das Tennis-Märchen geht weiter: Die Schweiz spielt dank Bencic/Golubic auch im Doppel um Olympia-Gold

Belinda Bencic und Viktorija Golubic stehen im Doppel-Final der Olympischen Spiele. Das Schweizer Duo spielt am Sonntag um Gold. Bereits am Samstag steht Bencic im Einzelfinal. «Was wir hier zusammen alles erleben dürfen – es ist einfach das Grösste», sagt Bencic.

Simon Häring und Gabriel Vilares, Tokio
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Das Schweizer Erfolgs-Duo. Golubic (links) Bencic nach ihrem Erfolg im Doppel.

Das Schweizer Erfolgs-Duo. Golubic (links) Bencic nach ihrem Erfolg im Doppel.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Das hätte sich Belinda Bencic in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Nach dem Abnützungskampf und der Final-Qualifikation im Einzel steht die 24-Jährige zusammen mit Partnerin Viktorija Golubic auch im Doppel im Olympia-Final. Zweimal kämpft die Ostschweizerin um Gold. Gegen die ungesetzten Brasilianerinnen Laura Pigossi und Luisa Stefani, die sich überraschend zum Halbfinal kämpften, ist es alles andere als ein Spaziergang. Auch am sechsten Tag freut sich die Schweiz also über Olympia-Medaillen - gleich doppelt. Erst am Wochenende ist dann indes klar, welche Farbe sie haben werden. Der Einzelfinal findet am Samstag statt, der Doppelfinal am Sonntag.

Bencic/Golubic erwischen einen Horrorstart, werden gleich zweimal gebreakt und liegen 0:4 hinten. Die nervösen Schweizerinnen raffen sich aber auf und legen fünf Games am Stück hin. Die Aufholjagd wird belohnt. Der Startsatz geht mit 7:5 an Bencic/Golubic.

Zuerst Nerven gebraucht, dann dominiert. Golubic (links) und Bencic während des Halbfinals.

Zuerst Nerven gebraucht, dann dominiert. Golubic (links) und Bencic während des Halbfinals.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Im zweiten Satz dominieren dann die Schweizerinnen von Anfang an. Ein bisschen Nerven braucht es dann aber doch noch. Die ersten beiden Matchbälle vergeben die Schweizerinnen nämlich, ehe Bencic im dritten Versuch nach knapp 90 Minuten Spieldauer doch noch erfolgreich zum 6:3 abschliesst - und beide überströmt vom Glück zu Boden sinken. Im Final warten nun die topgesetzten Tschechinnen Barbora Krejcikova und Katerina Siniakova.

Die Reaktionen von Bencic und Golubic

Wenige Minuten nach ihrem Triumph stehen die beiden fürs gemeinsame Interview mit SRF bereit. Viktorija Golubic beginnt:

«Olympia-Final, das tönt unglaublich, ich bin sprachlos. Es fühlt sich wunderbar an. Aber ich warte noch ein wenig, bis ich die Türen der Emotionen öffne, sonst bin ich dann völlig ausser mir im Final.»

Angesprochen auf die vielen Rückstände zu Beginn der Spiele, sowohl im Einzel wie auch im Doppel, sagt Bencic:

«Ich brauche es offensichtlich, zurückzuliegen. Am Anfang war ich ein bisschen überfordert, ich spielte nicht wirklich viele Bälle zurück. Danach sind wir aber so richtig ausgeflippt. Und ich kann nicht genügend beschreiben, wie toll mich Viki da mitgezogen hat. Meine Einzel-Medaille ist auch ihre Medaille, vor allem aber ist es das Grösste, was wir hier alles zusammen erleben dürfen.»
Belinda Bencic freut sich über den Finaleinzug. Eine Medaille ist in auf sicher.

Belinda Bencic freut sich über den Finaleinzug. Eine Medaille ist in auf sicher.

Keystone

Bencic ist überwältigt von ihren Gefühlen

Im Einzel besiegte Bencic die Kasachin Elena Rybakina (22, WTA 20) mit 7:6 (7:1), 4:6 und 6:3. Im Final triff Bencic auf die Tschechin Marketa Vondrousova (22, WTA 42). Im Anschluss an den Sieg im Einzel sagte Bencic:

«Es ist ein Traum. Ich kann es nicht glauben. Ich kann nicht in Worte fassen, was gerade passiert ist. Ich bin einfach überwältigt. Ich weiss nicht, ob ich am Schluss noch geatmet habe, keine Ahnung, wie ich den Service ins Feld gebracht habe, man kann in so einem Moment nicht mehr klar denken.»

Bencic und Golubic setzen damit eine reiche Tradition an Schweizer Medaillengewinnen im Tennis fort. 1992 sorgte Marc Rosset bei den Olympischen Spielen in Barcelona mit Gold für die einzige Schweizer Medaille, 2008 in Peking holten Roger Federer und Stan Wawrinka Doppel-Gold, 2012 in London sicherte sich Federer Silber im Einzel. Ebenfalls Silber gewannen Martina Hingis und Timea Bacsinszky 2016 in Rio de Janeiro im Doppel.

Die Halbfinals in Bildern: Wie sich Bencic und Golubic in die Finals kämpfen:

Belinda Bencic spielt in ihrem Halbfinal gegen Elena Rybakina aus Kasachstan.
12 Bilder
Belinda Bencic greift im ersten Satz am Netz an, ...
... muss sich aber auch in der Defensive beweisen.
Nach einem Auf und Ab und sechs abgewehrten Satzbällen holt sie sich den ersten Durchgang im Tiebreak.
Im zweiten Satz führt Bencic bald mit Break, ...
... kassiert aber wenig später das Rebreak...
... und ärgert sich fürchterlich.
Belinda Bencic hadert...
... und diskutiert mit der Schiedsrichterin.
Im Entscheidungssatz fliegt auch mal der Schläger weg.
Und am Ende sinkt sie auf die Knie. Belinda Bencic kämpft sich in den Olympiafinal im Einzel.
Die Tränen der Glückseligkeit und der Erleichterung kann sie nicht mehr zurückhalten.

Belinda Bencic spielt in ihrem Halbfinal gegen Elena Rybakina aus Kasachstan.

Freshfocus

Das dramatische Einzel: Bencic wehrt im Startsatz 7 Satzbälle ab

Zurück zum Einzel. Besonders dramatisch verläuft der erste Satz dieses Halbfinals. Bencic geht 2:1 mit Break in Führung, verliert danach vier Games in Folge zum 2:5. Danach zeigt sie Nervenstärke. Bei eigenem Aufschlag wehrt Bencic gleich 7 (!) Satzbälle ab – drei beim Stand von 4:5, drei beim Stand von 5:6, den letzten mit einem Ass. Das darauf folgende Tiebreak entscheidet sie deutlich für sich: 7:6.

Ähnlich verläuft der zweite Satz. Wieder geht Belinda Bencic mit einem Break in Führung, wieder muss sie umgehend das Rebreak hinnehmen. Wieder gerät sie danach mit Break ins Hintertreffen - nach einem Doppelfehler zum 3:4. Diesmal kann sie nicht mehr reagieren: 4:6.

Genau umgekehrt sind die Vorzeichen im dritten Satz, in dem Bencic gleich zum Auftakt ihren Aufschlag abgibt. Diesmal ist es die 24-jährige Ostschweizerin, die aus dem Rückstand eine Führung macht. Gleich zwei Mal schlägt sie nach einem Breakrückstand zurück - nach 0:2 und 2:3. Bencic gewinnt die letzten vier Games und die Partie nach 2:44 Stunden mit 7:6 (7:1), 4:6, 6:3. Eine Medaille hat sie damit bereits auf sicher.

1992 sorgte Marc Rosset mit Gold im Einzel für die einzige Schweizer Medaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona.

1992 sorgte Marc Rosset mit Gold im Einzel für die einzige Schweizer Medaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona.

Für die Schweiz wird es am Samstag bereits die siebte Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio, die sechste durch eine Frau. So viele, wie nie zuvor. Am ersten Wettkampftag hatte Schützin Nina Christen Bronze gewonnen, am Dienstag feierten die Schweizerinnen im Mountainbike durch Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand für Gold, Silber und Bronze, am Tag danach holte Marlen Reusser Silber im Zeitfahren. Für die bisher einzige Schweizer Medaille eines Mannes zeichnet Mountainbiker Mathias Flückiger verantwortlich, der am Montag Silber gewonnen hatte.