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Olympiasieger Beat Hefti vor der Medaillenübergabe: «Es ist eine schöne Abrundung unserer Karriere»

Die beiden Appenzeller Bobfahrer Beat Hefti und Alex Baumann erhalten am Freitag ihre olympische Goldmedaille – fünf Jahre nach ihrem Triumph in Sotschi. Die Erinnerung an die Olympischen Spiele ist jedoch noch da.
Raya Badraun
Beat Hefti und Alex Baumann erhalten bald ihre Goldmedaille. (Bild: Michel Canonica)

Beat Hefti und Alex Baumann erhalten bald ihre Goldmedaille. (Bild: Michel Canonica)

«Als Alex Baumann den Eiskanal im Sliding Center Sanki hinunter raste, schnürte sich sein Hals zu. Er konnte kaum mehr atmen, zu gross war die Anspannung an diesem Tag. Es war der 17. Februar 2014. Im russischen Sotschi wurden die Olympischen Winterspiele ausgetragen und im Zweierbob starteten die Athleten zum vierten und letzten Lauf.

Baumann gehörte im Schlitten von Beat Hefti zu den Favoriten auf Silber. Die beiden wussten: Machen sie keinen Fehler, wird ein Bubentraum wahr. An die Fahrt kann sich Hefti kaum noch erinnern. Er weiss jedoch genau, wie es im Ziel war. Hefti sagt:

«In den Tagen vorher war der Körper bis ins Ohrläppchen angespannt. Plötzlich löste sich alles.»

Baumann sagt:

«Nach den ersten Emotionen fühlte ich mich leer, aber sehr glücklich.»

2014 freut sich Beat Hefti in Sotschi über die Silbermedaille im Zweierbob. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

2014 freut sich Beat Hefti in Sotschi über die Silbermedaille im Zweierbob. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Die Silbermedaille, die sie damals bekamen, haben die beiden nicht mehr. Sie haben sie zurückgeschickt. Dafür erhalten sie morgen Gold – über fünf Jahre nach der Fahrt im Eiskanal. Über die Medien haben sie im Nachgang der Winterspiele erfahren, dass der Russe Alexander Subkow, der sowohl im Zweier als auch im Vierer gewonnen hatte, des Dopings überführt wurde. Das machte die beiden Appenzeller über Nacht zu Olympiasiegern – obwohl sie selbst keine Profisportler mehr sind.

Wirrungen um die Vergabe

Vor über einem Jahr sind Hefti und Baumann zurückgetreten. «Ich konnte aber nie richtig abschliessen mit meiner Karriere», sagt Hefti, der 20 Jahre lang in diesem Sport zu Hause war. Denn da waren die Wirrungen um die Medaillenvergabe. Bekamen sie nun Gold, oder doch nicht? Irgendwann hatte er genug.

Das Internationale Olympische Komitee solle ihm die Medaille in einem Paket zusenden, sagte er im Februar vor einem Jahr gegenüber der NZZ. «Dann ist diese Geschichte endlich abgeschlossen.» Nun gibt es doch noch ein Fest mit Zeremonie. Es findet am Freitag in Schwellbrunn statt, wo Hefti mit seiner Frau und den drei Töchtern lebt. Hefti sagt:

«Es ist eine schöne Abrundung unserer Karriere.»

Emotionen aufleben lassen

Er und Baumann freuen sich, die Übergabe mit Freunden, Gönnern und Anhängern zu feiern. Zusammen werden sie den letzten und entscheidenden Lauf anschauen, versuchen, die Emotionen aufleben zu lassen. «Nicht dass es am Ende nur die Übergabe eines Stück Metalls ist», sagt Hefti. Es wird jedoch nicht das Gleiche sein wie an Olympischen Spielen. Baumann sagt:

«Es wäre sicher schön gewesen, wenn für uns die Schweizer Hymne gespielt worden wäre.»

Oft wird Hefti gefragt, ob jetzt der Geldsegen kommt, nun wo er Olympiasieger ist. Von Swiss Olympic bekamen sie nachträglich eine Prämie. Auch mit dem Schweizer Bobverband sind sie im Gespräch. Es ist jedoch kein Vergleich zu dem, was sie vor fünf Jahren nach einem Sieg erhalten hätten. Doch Frust verspüren die beiden über den verpassten Moment nicht. «Wir haben das Glück, dass wir uns ­damals sehr über Silber gefreut haben», sagt Baumann. «Das, was noch kommt, ist ein Bonus.»

Hefti vergleicht die Olympia-Medaille mit einer Festplatte, auf der Hunderte Erinnerungen gespeichert sind. Emotionen, Begegnungen mit Menschen, Orte die er besucht hat. Hefti sagt:

«Die Medaille hat mir Türen geöffnet.»

Auch Baumann hat die Auszeichnung damals viel gegeben. Sport war sein Leben, jahrelang hat er auf dieses Ziel hingearbeitet. «Ein schöner Abschnitt», sagt er heute. «Je grösser der Abstand jedoch wird, desto weniger Bedeutung hat für mich die Medaille.»

Unihockey statt Bobfahrten

Der 34-jährige Baumann hat nach seiner Karriere einen harten Schnitt gemacht. Heute arbeitet er als Qualitätsprüfer beim grössten Fleischproduzenten der Ostschweiz, und er spielt Unihockey in der 4. Liga. Klar sei es schön gewesen, seine Zeit selbst einzuteilen. Auch die Momente mit den Teamkollegen bleiben in Erinnerung. «Ich war jedoch überrascht, wie wenig ich das Leben als Anschieber vermisst habe», sagt er.

Der 41-jährige Hefti hingegen, der in der gleichen Firma Teilzeit arbeitet, ist dem Bobsport erhalten geblieben. Im Winter fährt er noch immer durch den Eiskanal – für Taxifahrten. 120 sind es etwa pro Saison. Das sind mehr als halb so viele wie als Spitzensportler. Er trainiert auch noch. «Damit der Bauch nicht wächst», sagt er mit einem Lachen.

Und da sind die Jungen. Auf der Suche nach Nachwuchs veranstaltet er weiterhin die Bob Trophy, einen Wettbewerb. Die Besten trainiert er einmal pro Woche und fährt mit ihnen im Winter durch den Eiskanal. «Ich möchte mein Wissen weitergeben», sagt Hefti. ­Damit Olympia-Gold nicht die letzte Medaille für die Schweizer Bobfahrer bleibt.

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