Olympias kleiner Bruder

Das olympische Feuer ist da, die Athleten bald auch: Liechtenstein und Vorarlberg freuen sich auf die europäischen Winter-Jugendspiele von kommender Woche. 2010 stand auf Messers Schneide, ob der Anlass in die Region kommt.

Ralf Streule
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Wer einen Wintersport-Grossanlass sehen will, muss in diesem Winter nicht zwingend nach Kitzbühel, Beaver-Creek oder Falun reisen. Für Ostschweizer bietet sich kommende Woche eine Reise zu zwei Nachbarn an. In Liechtenstein und Vorarlberg macht das «European Youth Olympic Festival» (EYOF) Halt. Zwar sind keine bekannten Sportstars zu sehen, aber solche, die es werden wollen und sollen: Die besten Wintersport-Talente zwischen 15 und 18 Jahren aus 45 Ländern werden sich in acht Sportarten messen (Kasten).

Vorbereitung auf grössere Taten

So ungelenk sich die Abkürzung EYOF auch anhören, so unspektakulär ein «Jugendfestival» klingen mag: Der Anlass ist im olympischen Kalender eine feste Grösse geworden. Seit 1991 Jacques Rogge, der damalige Präsident des Europäischen Olympischen Komitees (EOC), die Jugendspiele ins Leben gerufen hat, sind sie für Jugendliche ein echter Gradmesser. Und mehr noch, wie Daniel Stegmann, Sprecher von Swiss Olympic, sagt: «Es ist die erste Begegnung der Talente mit einem polysportiven internationalen Grossanlass.» Swiss Olympic sehe die Jugendspiele als eigentliche Vorbereitung auf Olympia. Die Talente lernten, am Tag X bereit zu sein und mit dem Rummel umzugehen.

Der Rummel wird selbstredend nicht mit demjenigen bei Olympischen Spielen vergleichbar sein. Dennoch: Der Anlass ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Medien aus ganz Europa sind akkreditiert, um die möglichen zukünftigen Sportgrössen an ihrem ersten grossen Anlass zu sehen. Das Budget beträgt 6,5 Millionen Franken. In acht Disziplinen werden rund 900 junge Athletinnen und Athleten zwischen Dornbirn, Malbun und Schruns unterwegs sein. Viele Hotels in der Region sind ausgebucht. Das olympische Feuer, das heute in Feldkirch, Schaan und Vaduz Halt macht, soll ebenfalls von der Wichtigkeit des Anlasses zeugen, wie Leo Kranz, Präsident von Liechtenstein Olympic (LOC), sagt. Sein Stolz, das EYOF im Land zu haben, ist gross. Dabei erhielt man die Spiele 2010 nur knapp zugesprochen: Bei einer EOC-Abstimmung entschieden damals 24 zu 23 Stimmen zugunsten von Vorarlberg/Liechtenstein und gegen Sarajevo.

In Liechtenstein arbeiten 230 ehrenamtliche Helfer seit Tagen mit, dass im Steg für die Langlauf- und in Malbun für die Ski-alpin-Wettkämpfe alles bereit ist. Der schneearme Winter habe vieles schwieriger gemacht, sagt LOC-Geschäftsführer Robert Büchel-Thalmaier. Der Schnee der vergangenen Tage wurde nicht nur herbeigesehnt, sondern – als er dann endlich fiel – aus allen Ecken zusammengekratzt und auf Pisten und Loipen gekippt, damit kommende Woche beste Bedingungen vorzufinden seien.

Weiter Weg bis Olympia

Anfragen zeigten, dass mit viel Publikum zu rechnen sei, sagt Büchel-Thalmaier. Bereits habe man die Zahl der Shuttlebusse nach Malbun vorsichtshalber erhöht. Viele Zuschauer erhoffen sich wohl, zukünftige Stars zu sehen. Daniel Stegmann von Swiss Olympic bestätigt, dass die Chancen dazu gut stehen. Es seien wirklich die besten Wintersportler ihrer Jahrgänge dabei. Tatsächlich waren viele spätere Schweizer Olympiamedaillen-Gewinner einst auch beim Jugendanlass dabei, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Doch nur wenige EYOF-Medaillengewinner gewannen später auch eine Olympiamedaille. Aus Schweizer Sicht sind nur der Eiskunstläufer Stéphane Lambiel und bei Sommerspielen der Radfahrer Fabian Cancellara EYOF- und Olympiamedaillen-Gewinner. Dafür gibt es laut Stegmann viele Beispiele von Sportlern, die erst nach den Jugendspielen ihren Knoten gelöst haben. «Dario Cologna und Carlo Janka nahmen 2003 auch teil – landeten aber weit hinten.»

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