Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Olympia wäre schon lässig»

Orientierungsläufer Martin Hubmann hat an der Leichtathletikmeisterschaft mit der Silbermedaille über 3000 Meter Steeple überrascht. Wechselt der Thurgauer nun gar die Sportart? «Nein, das ist im Moment nicht eingeplant.»
Ruedi Stettler
Martin Hubmann sucht auf der Hürde die Balance, um nicht in den Wassergraben zu treten. (Bild: Hansjörg Brunhart)

Martin Hubmann sucht auf der Hürde die Balance, um nicht in den Wassergraben zu treten. (Bild: Hansjörg Brunhart)

ORIENTIERUNGSLAUF. Martin Hubmann schaut sich vor jeder OL-Saison mit seinem Leichtathletik-Trainer Hans Baumann nach Alternativen um: «Wir überlegen uns, welche Anlässe für mich Sinn machen. Die Titelkämpfe in Luzern lagen zwei Wochen nach der Weltmeisterschaft (er wurde bei seinem Elite-Début nach einem schweren Fehler nur 22. im Sprint) optimal in einer Trainingsphase, bevor ich an das Euro-Meeting nach Schottland reiste.»

Aber warum hat sich der junge Eschliker ausgerechnet für das harte Steeple-Rennen entschieden? Er kann ein Lachen nicht verkneifen: «Weil ich für diesen Start keine Limiten erfüllen musste. Zudem reizte mich diese Disziplin schon lange. Auch im OL muss man Hindernisse überwinden, und es gibt dadurch ständige Rhythmuswechsel.»

Schon überrascht

Lange Vorbereitungen für diesen Abstecher in ein anderes Metier hat Martin Hubmann allerdings nicht getroffen. Der am 14. Mai 24 Jahre alt gewordene Hinterthurgauer hat nur dreimal über die Hürden trainiert. Den Wassergraben lernte er sogar erst im Rennen kennen. Zieht man die gewonnene Silbermedaille in Betracht, darf man getrost vermelden: Test geglückt. Grosse Bedeutung will der Bauzeichner mit Berufsmatura diesem Ergebnis aber nicht beimessen: «Ich war auch ein bisschen überrascht, wie gut das funktionierte. Die Beteiligung war mit nur sieben Akteuren aber äusserst mager. Zudem fehlte der Jahresbeste.»

Die arrivierten «Steepler» haben nach dem Rennen ein bisschen komisch geschaut, dass ihnen da ein Orientierungsläufer etwas die Show gestohlen hatte. «Es waren doch einige erfahrene Leute dabei, die von mir distanziert wurden. Und ehrlich, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich es auf das Podest schaffe», erklärte ein recht gutgelaunter Martin Hubmann.

WM-Limite deutlich tiefer

Dass er die gesamten drei Kilometer alleine zurücklegen musste, passte ihm ganz gut, weil er so stets genügend Platz vor fand, wenn es über die Hindernisse ging. Zum Schluss büsste er für sein zu hohes Anfangstempo: «Aber die Abstände zum Ersten und zum Dritten betrugen jeweils eine halbe Minute. Da spielte das eine untergeordnete Rolle.»

Aber wie ordnet Martin Hubmann dieses «Fremdgehen» nun sportlich ein? «Die Steepleläufer geniessen in der Schweiz offensichtlich keinen hohen Stellenwert. Ich habe mir zudem sagen lassen, dass ich mit meiner Zeit von 9:31 vor 30 Jahren nur Siebter geworden wäre. Das sagt schon einiges aus.» Aber wäre mit einem konsequenten Training nicht viel mehr möglich? Immerhin könnte man in dieser Sportart an Olympischen Sommerspielen teilnehmen. Das ist im OL nicht möglich.

Martin Hubmann runzelt die Stirne: «Ja, das stimmt eigentlich. Olympia wäre schon lässig. So etwas habe ich mir noch nicht ernsthaft überlegt. Eines weiss ich aber, dass ich für eine allfällige WM-Qualifikation unter 8:35 hätte laufen müssen. Davon war ich meilenweit entfernt.»

Erfolg auch in Schottland

Viel Zeit, um sich über einen allfälligen Spartenwechsel Gedanken zu machen, hatte der im Teilzeit-Studium zum Bauingenieur steckende Martin Hubmann nicht. Bereits am letzten Montag ist er nach Schottland gereist, um sich am OL-Euro-Meeting in den drei Disziplinen Sprint, Mittel- und Lang-Distanz zu messen. Dieser Abstecher war ihm wichtig, weil im 2015 in der Region um Inverness die Weltmeisterschaften im Orientierungslauf stattfinden. «Ich wollte wertvolle Erfahrungen sammeln. Denn in zwei Jahren hoffe ich, dass ich mich näher an die Weltspitze herangetastet habe», lässt Hubmann durchblicken.

Mit dem Triumph im Sprint und Platz zwei über die Mitteldistanz durfte er sehr zufrieden sein. Mit Rang 19 zum Abschluss über die Lang-Distanz (17 km) lief es ihm nicht nach Wunsch.

Weltcup in Baden

Bereits gestern Sonntag ist Martin Hubmann in die Schweiz zurückgekehrt. Bis Ende August ist eine Wettkampfpause angesagt. Während eines Monats wird beinahe wie im Winter ein Trainingsaufbau für den Rest der Saison eingelegt. Anschliessend stehen im September die Schweizer Meisterschaften und vor allem das Weltcup-Finale im Oktober in Baden auf dem Programm.

Für den Hinterthurgauer nochmals zwei besonders reizvolle Ziele: «Im eigenen Land möchte man immer besonders gute Darbietungen zeigen.» Hoffentlich gelingt das dem «kleinen Bruder» des grossen Weltklasseathleten Daniel Hubmann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.