Olympia-Kolumne
Gute Reise, lieber Urs – wie es mir im fernen Tokio den Boden unter den Füssen wegzog

Journalist Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen bei seinem Arbeitsaufenthalt bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Simon Häring, Tokio
Simon Häring, Tokio
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Bern mit dem Gurten im Hintergrund und der Aare im Herzen.

Bern mit dem Gurten im Hintergrund und der Aare im Herzen.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Du hattest deine Bedenken bei diesen Olympischen Spielen in Tokio, klar, – wegen der Pandemie, und weil die meisten Japaner dagegen sind. Aber du warst auch ein Sportfan. Am zweiten Tag schriebst du, als du realisiert hattest, dass Skateboarden neu olympisch ist, du hättest dich damals 1992 doch nicht nur die Miniramp runterwagen sollen.

Am Dienstag der letzten Woche hast du wie so viele mitgefiebert, als drei Schweizerinnen im Mountainbike-Rennen alle Medaillen holten: Gold für Neff, Silber für Frei, Bronze für Indergand. «Es gibt wohl kaum jemanden, der das Jolanda Neff nicht gönnt. Ich ziehe sämtliche Hüte», hast du geschrieben und hoffentlich einen kleinen Moment des Glücks verspürt.

Über dich und deine Unzulänglichkeiten konntest du lachen, und du nahmst dich selber nicht zu wichtig, vielleicht sogar zu wenig. In deinen Ferien wolltest du die besten Biere der Schweiz degustieren und hast deine zahlreichen Follower auf Twitter, wo du dich Knallfrosch nanntest, nach Empfehlungen gefragt. Das passte zu dir: bescheiden und humorvoll.

Das Aarebaden war Urs' Hobby (Symbolbild).

Das Aarebaden war Urs' Hobby (Symbolbild).

Peter Schneider / KEYSTONE

Dein Hobby war es, in der Aare zu schwimmen – und das zu jeder Jahreszeit. Über Dich und Deine Mitstreiter, die zu Freunden wurden, hat die Lokalzeitung berichtet. Der Montag, 26. Juli war ein guter Tag: Da durftest Du, nach dem Hochwasser, endlich wieder ins Wasser. An jenem Tag hast Du offenbar auch noch Lars Lunde getroffen, eine YB-Legende.

Du hattest viele Themen, die Dir am Herzen lagen, und über die Du lustvoll, geistreich, humorvoll und dabei doch immer freundlich debattiert hast; besonders leidenschaftlich über Sport. Deine grosse Liebe war «der löbliche BSC YB». Auch wenn Du vor dem Start in die neue Fussballsaison angekündigt hast, die Young Boys würden in diesem Jahr nicht Meister.

So etwas wie eine zweite Heimat: das Wankdorf-Stadion.

So etwas wie eine zweite Heimat: das Wankdorf-Stadion.

Anthony Anex / EPA

Am Samstag wolltest Du endlich wieder einmal im Wankdorf mitfiebern. Dazu ist es leider nicht gekommen. Ich habe Dich leider nicht persönlich gekannt, lieber Urs, aber wir haben oft diskutiert und Du warst mit Deinen Wortmeldungen fester Bestandteil meines Lebens. Die Welt ist ohne Dich ein bisschen grauer geworden. Gute Reise, lieber Urs. Und «Hopp YB».

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