Olympia-Kolumne
Von vollgepumpten Gewichthebern, dem Medaillenspiegel der Schande und weshalb ich mich vor einem Pipi-Test fürchte

Journalist Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen bei seinem Arbeitsaufenthalt bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Simon Häring, Tokio
Simon Häring, Tokio
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Hans-Gunnar Liljenwall (Mitte) war der erste überführte «Dopingsünder» in der Geschichte der Olympischen Spiele.

Hans-Gunnar Liljenwall (Mitte) war der erste überführte «Dopingsünder» in der Geschichte der Olympischen Spiele.

zVg

Anfang Juli feierte ein gewisser Hans-Gunnar Liljenwall seinen 80. Geburtstag. Und glaubt man den Berichten aus seiner Heimat Schweden, erfreut sich der ehemalige Fünfkämpfer noch immer bester Gesundheit. Er möge mir deshalb bitte verzeihen, dass ich hier das vielleicht unrühmlichste Kapitel aus seinem Leben aufwärme.

Denn Liljenwall war 1968 in Mexiko-City der erste Sportler, der bei Olympischen Spielen in einer Dopingprobe hängen geblieben war. Sein Vergehen? Alkohol. 0,81 Promille hatte er intus, weil er nach eigenen Angaben vor dem Schiessen «zwei Bier» getrunken hatte, um seine «Nerven zu beruhigen». Den Schweden wurde Bronze aberkannt.

Das war natürlich harmlos im Vergleich zu dem, was in der olympischen Geschichte noch passieren sollte. 150 Medaillen wurden bisher wegen Dopings aberkannt, 18 davon bei Winterspielen. Mit 50 Aberkennungen Spitzenreiter im «Medaillenspiegel der Schande» ist das Gewichtheben, das sich diesen Platz (noch) mit der Leichtathletik teilt. Alleine nach den letzten drei Spielen wurden 30 (!) Medaillen noch aberkannt.

Gewichtheben führt den «Medaillenspiegel der Schande» an.

Gewichtheben führt den «Medaillenspiegel der Schande» an.

Seth Wenig / AP

Nun, ich habe in den letzten Wochen hier versucht, Sie, liebe Leser, mit Erlebnissen aus meinem Alltag zu amüsieren. Nicht immer waren die Rückmeldungen gut, okay, das gehört dazu. Aber eine Leserin schrieb, sie würde mir für meine Artikel jeweils Bronze, Silber oder Gold verleihen.

Das hätte allerdings zur Folge, dass ich zum Dopingtest antraben müsste. Ein Schicksal wie jenes von Liljenwall bliebe mir zwar erspart (ich trinke kein Bier). Aber wenn sie mich auf Koffein testen, bin ich geliefert.

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