Olympia-Kolumne
Getragene Unterhösli, Schmuddelheftli und Krawatten à discrétion: Worüber ich in meinen ersten Stunden Freiheit staunte

Journalist Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen bei seinem Arbeitsaufenthalt bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Simon Häring, Tokio
Simon Häring, Tokio
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Getränkeautomaten als Fata Morgana bei Hitze.

Getränkeautomaten als Fata Morgana bei Hitze.

zVg

Bisher habe ich Ihnen die frohe Kunde verheimlicht: Seit Montag bin ich ein freier Mann, die 14-tägige Quarantäne, während der ich mich in der Olympia-Blase zu bewegen hatte, ist abgelaufen. Heisst: Ich darf nun öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, oder mich im Sushi-Restaurant verpflegen. Bei einem Streifzug durch die Nachbarschaft ist mir aber eine andere interessante Eigenheit Japans ins Auge gestochen.

An jeder Strassenecke und vor jeder grauen Fassade schimmern sie in Neonfarben, wie eine Fata Morgana während heissen Tagen: Automaten. Japan soll mit einem Verkaufsautomaten pro 23 Einwohner die höchste Pro-Kopf-Rate der Welt vorweisen, ergibt meine Blitzrecherche Das macht bei einer Einwohnerzahl von 126 Millionen sagenhafte 5,5 Millionen solcher Automaten. Die Hälfte davon entfällt offenbar auf Getränke.

Und der Rest? Bedient fast jegliches alltägliche und auch jedes weniger alltägliche Bedürfnis. Ausgemacht habe ich Automaten für Regenschirme, Blumensträusse, Angelköder. Es soll aber auch solche mit Schmuddelheftli und getragener Damenunterwäsche geben. Verrückt, diese Japaner.

Der wohl am schlechtesten platzierte Automat des Landes steht derzeit im Pressezentrum, wo Krawatten bezogen werden können. Denn ich habe noch nie einen (schreibenden) Sportjournalisten mit Krawatte gesehen. Der Automat macht so viel Sinn wie einer für Badehosen vor einer Bank.

Krawatte, gefälligst?

Krawatte, gefälligst?

zVg

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