Olympia entwertet OL-Medaillen

Die beiden Eschliker Daniel und Martin Hubmann können auf eine erfolgreiche OL-Saison 2016 zurückblicken. Doch die WM- und EM-Medaillen werden in olympischen Jahren weniger gewürdigt.

Urs Huwyler
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Martin Hubmann und sein älterer Bruder Daniel am Weltcupfinal in Aarau. (Bild: Urs Huwyler)

Martin Hubmann und sein älterer Bruder Daniel am Weltcupfinal in Aarau. (Bild: Urs Huwyler)

Ob beim Sponsoring, der Unterstützung durch Swiss Olympic oder bei den Prämien: Nicht-olympische Sportarten haben es zunehmend schwerer, sich zu positionieren. Die Olympia-Teilnahme besitzt nicht nur in den Publikumssportarten einen höheren Stellenwert als eine OL-WM-Medaille. Auch die Präsenz der Schwinger verwundert. «Manchmal nervt die Situation schon. Vor allem in Jahren mit Olympischen Spielen werden unsere Erfolge kaum wahrgenommen. Ändern lässt sich das nicht. Die Situation hat sich eher zugespitzt», ist sich Daniel Hubmann bewusst. Früher wurde WM-Gold mit 10 000 Franken belohnt, heute sind es 3000. Ein Olympiasieg ist mit 40 000 Franken dotiert. Die drei bronzenen WM-Einzelmedaillen und Staffel-Silber in der Woche nach Rio wurden minimal gewürdigt. «Wobei, es war seitens des Verbandes nicht geschickt, die WM so zu terminieren.»

Daniel Hubmann kann wieder leicht laufen

Beim diesjährigen Weltcup-Gesamtzweiten kam Gold an der EM über die Langdistanz dazu. «Es war zwar nicht meine beste Saison, aber mit solchen Resultaten kann ich zufrieden sein. Was vielleicht gefehlt hat, war der eine oder andere Einzelsieg. Rennen zu gewinnen bleibt das Ziel jedes Sportlers.» Inzwischen kann Daniel Hubmann nach der Ast-Verletzung wieder leicht laufen. Ende des Monats soll das Aufbautraining beginnen.

Positiv fällt auch die Bilanz des jüngeren Bruders Martin aus. Wegen Abschluss des Studiums als Bauingenieur konnte der gelernte Bauzeichner mit Berufsmatura teilweise weniger trainieren und musste den einen oder anderen Lehrgang auslassen. EM-Gold und Bronze sowie WM-Silber mit den einzelnen Staffeln stechen bei seinen Resultaten heraus. «Schade war, dass ich wieder als Sprint-Spezialist eingestuft wurde. Obwohl ich auf den andern Distanzen ebenso stark lief wie andere. Wegen der individuellen Vorbereitung und der Doppelbelastung Sport/Studium wurde ich an den Titelkämpfen über die Mitteldistanz nicht selektioniert.» Seit Mitte Oktober arbeitet Martin Hubmann Teilzeit an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW). Ein weiterer Leistungsschub sollte möglich werden. «Davon gehe ich aus, weil mir mehr Zeit für das Training bleibt. Meine Grenzen dürfte ich noch nicht erreicht haben.» Ein Ziel wäre es, irgendwann so erfolgreich zu sein, um als OL-Vertreter am Super-10-Kampf dabei zu sein.

Dass sich jedoch auch dort alles auf die Olympioniken konzentriere, habe der vergangene Freitag gezeigt. «Es ist so. Wir müssen das Beste aus der Situation machen.»

«Olympia? Nein danke.»

Beim diesjährigen Weltcupfinal gab es unter den Hubmann-Fanclub-Mitgliedern Stimmen, die Orientierungslaufen nie olympisch sehen möchten. Die Begründungen liessen sich auf einen Nenner bringen: Gigantismus, auch finanziell, und OL passten nicht zusammen. «Lieber eine WM ohne grosses Theater in der schwedischen Idylle als Olympia auf Kosten der Bevölkerung in Brasilien», lautete der Tenor im Volk der laufenden Kartenleser. Zudem würde das plötzlich fliessende Geld den Charakter der bodenständigen Natur-Sportart nachhaltig verändern.

Inzwischen weist der von Martin Koster präsidierte Fanclub 185 Personen aus 14 Kantonen auf. 33 Prozent sind aus dem Stammclub OL Regio Wil, 39 Prozent aus andern Vereinen, 28 Prozent sind keine OL-Läufer. Anlässlich der DV in Eschlikon wurde Othmar Sauter zum «Fan des Jahres» gewählt.