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OLYMPIA-BILANZ: «Auf die 15 Medaillen darf die Schweiz stolz sein»

Der Schweizer Chef de Mission Ralph Stöckli ist mit der Ausbeute der Schweizer Athleten an den Olympischen Winterspielen zufrieden. Der St. Galler über die erfüllten Ziele und was die Schweiz von Norwegen lernen kann.
Stefan Baumgartner (sda)
«Wir müssen über den Gartenzaun hinausschauen»: Ralph Stöckli über die Erfolgsbilanz Norwegens. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

«Wir müssen über den Gartenzaun hinausschauen»: Ralph Stöckli über die Erfolgsbilanz Norwegens. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

Interview: Stefan Baumgartner (SDA)

Das Schweizer Team hat die Erwartungen an den Olympischen Spielen von Pyeongchang deutlich übertroffen. 15 Medaillen, davon alleine fünfmal Gold, und 26 Diplome sind die bisher ­erfolgreichste Bilanz an Winterspielen. Chef de Mission Ralph Stöckli zieht nach fast einem Monat vor Ort ein Fazit über seine zweiten Olympischen Spiele nach Rio de Janeiro 2016.

Ralph Stöckli, die Schweizer Delegation sollte mit «elf Medaillen plus» aus Pyeongchang zurückreisen. Nun wurden es 15 und damit so viele wie erst einmal: 1988 in Calgary. Viel glücklicher könnte der Chef de Mission nicht sein, oder?

Es könnte mir nicht besser gehen. Ich bin froh, dass das «plus», das wir mit Absicht nach oben offen definiert haben, noch seine Anwendung gefunden hat. Es ist sensationell, was das gesamte Schweizer Team in Pyeongchang abgeliefert hat. Darauf darf man als Schweiz, aber auch ich als Chef de Mission, stolz sein.

Inwiefern relativiert sich diese ausgezeichnete Bilanz, wenn man bedenkt, dass in Calgary 47 Medaillensätze vergeben wurden, 20 Jahre später in Pyeongchang aber 102?

Man muss aufpassen mit Vergleichen. Der Wintersport hat sich extrem entwickelt, die Spiele ebenso. Das muss man in Relationen setzen. Wichtig ist das Bild, das der Schweizer Sport gezeichnet hat. Das ist viel wichtiger als der Vergleich.

Wird es in Ihren Analysen eine Rolle spielen, dass in Turin noch in sieben Disziplinen Medaillen geholt wurden, in Sotschi und in Pyeongchang aber nur in fünf?

Das wird in der Tat eine Rolle spielen. Letztlich geht es bei den Disziplinen­einstufungen um Förderbeiträge. Wenn man sieht, dass der asiatische Wintersport-Schnellzug heuer mit Südkorea langsam Fahrt aufnimmt, müssen wir uns ständig selber hinterfragen, wie wir künftig intelligente Förderung der Wintersportarten betreiben. Die Chinesen werden uns alle überraschen, das kann ich garantieren.

Welcher war Ihr emotionalster Olympia-Moment 2018?

Ich finde es extrem schwierig, alles auf einen Moment zu reduzieren. Es gab zum Beispiel diese Gold-Tage, die wir erleben durften. Oder es gab die junge Disziplin mit dem Slopestyle der Frauen im Ski mit dem Doppelpodium und ­ den neuen Namen Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud.

Und welches Bild würden Sie gerne aus der Erinnerung löschen?

Streichen würde ich insofern keines. Es gibt auch Erlebnisse, die negativ sind, aber zur Gesamtgeschichte gehören. Enttäuschend, auch für sie selber, verlief Olympia zum Beispiel für das Eishockey-Team. Es konnte nicht an die Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen, die man hätte erwarten können. Die Mannschaft kam überhaupt nicht in Fahrt.

Was wird von den Spielen in Pyeongchang generell hängen bleiben?

Einerseits der wunderschöne Ort oder das Konzept, das den Namen Nachhaltigkeit verdient. Es wurde viel Infrastruktur genutzt, die bereits vorhanden war, und dort erstellt, wo sie nötig war, teils mobil. Dazu kam die Stimmung in der zweiten Woche: Was ich in den letzten Tagen erlebt habe in den Stadien, war Hühnerhaut-Feeling. Die Koreaner haben Gastfreundlichkeit vorgelebt. Die am einen oder anderen Ort fehlende Wintersport-Kompetenz – auch in der Organisation – haben sie mit Lächeln wettgemacht.

Im Medaillenspiegel steht mit Norwegen ein Land zuoberst, das nur 5,5 Millionen Einwohner hat und damit weniger als die Schweiz. Darf die Schweiz den Vergleich mit Norwegen anstellen? Und was kann sie von diesem Land im Bezug auf Sport lernen?

Wir müssen über den Gartenzaun hinausschauen und sicher nach Norwegen blicken. Sie haben schon vor Jahren eine tolle Wintersportförderung implementiert, es gelingt ihnen im Nachwuchs, weniger auf absoluten Erfolg, sondern vielmehr auf Freude und Spass an der Bewegung zu setzen. Das hilft, den Antrieb zu fördern, irgendwann voll auf den Spitzensport zu setzen. Andererseits haben die Norweger ein System, das die besten Sportler und Trainer zentralisiert zusammenzieht, wo Austausch und Begegnung stattfinden. Das schafft eine Atmosphäre von Höchstleistung. Das dürfte man für die Schweiz kopieren.

Inwiefern wäre dies für Swiss Olympic überhaupt machbar?

Wir haben mit dem Standort Magglingen, wo verschiedenste Partner des Schweizer Sports ein und aus gehen, bereits eine relativ gute Grundlage. Kleine Zellen treffen sich dort bereits in regelmässigen Abständen. Nun ginge es ­darum, das zu institutionalisieren.

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