Olympia bald ohne Ringen

Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees überrascht mit ihrem Entscheid, das Ringen ab 2020 aus dem Olympischen Programm zu nehmen. Daniel Hüsler, Präsident von Swiss Wrestling, sorgt sich um die finanzielle Zukunft.

Dominic Wirth
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Einer der letzten Schweizer Ringer an Olympischen Spielen? Der Aargauer Pascal Strebel kämpft und verliert 2012 in London gegen den Georgier Manuchar Tskhadaia. (Bild: epa/Orestis Panagiotou)

Einer der letzten Schweizer Ringer an Olympischen Spielen? Der Aargauer Pascal Strebel kämpft und verliert 2012 in London gegen den Georgier Manuchar Tskhadaia. (Bild: epa/Orestis Panagiotou)

RINGEN. Der Entscheid aus Lausanne traf die Ringer wie aus heiterem Himmel. «Ich bin konsterniert, fühle mich vor den Kopf gestossen», sagte Daniel Hüsler, Präsident von Swiss Wrestling. Der Weltverband Fila schrieb in einer Medienmitteilung vom «grossen Erstaunen», das die Nachricht ausgelöst habe, und bezeichnete den Beschluss als «Irrtum», gegen den man «alle notwendigen Massnahmen» ergreifen werde.

Bedeutungslosigkeit droht

Seit 1896 gehört das Ringen zum olympischen Programm. Es ist damit eine von nur neun Sportarten, die seit den ersten Sommerspielen der Neuzeit in Athen dabei sind. Wenn es nach dem Willen der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geht, wird diese Tradition nach den Spielen 2016 in Rio de Janeiro enden. Der Entscheid der Exekutive muss zwar im September noch von der IOC-Vollversammlung abgesegnet werden. Dieser Schritt gilt aber als Formsache. Dem Ringen droht damit ohne die mediale Aufmerksamkeit an Olympia und die finanzielle Unterstützung durch das IOC die Bedeutungslosigkeit.

Das IOC deutete gestern an, dass die fehlende Weiterentwicklung, ein wenig glaubwürdiges Anti-Doping-Programm und die zu grosse finanzielle Abhängigkeit der Ringer vom IOC den Ausschlag gegeben hätten. Es verwies auf die 39 Kriterien, anhand welcher das IOC die 26 olympischen Sommersportarten evaluiert. Diese Analyse, bei der unter anderem Kriterien wie Popularität, Verbreitung, aber auch Tradition oder die Attraktivität der Sportart für Sponsoren ermittelt werden, hätte zum Entscheid geführt. Ein letzter Funken Hoffnung besteht für das Ringen noch: Es wurde mit dem Entscheid der IOC-Exekutive lediglich zurückgestuft und kann sich bereits im Mai um die Wiederaufnahme in das Olympische Programm bewerben. Zur Konkurrenz gehören dann Disziplinen wie Sportklettern, Karate oder Squash.

Verbandspräsident Hüsler macht sich keine Hoffnungen, dass die IOC-Exekutive auf den Entscheid zurückkommt. «Unser Sport ist zu wenig publikumswirksam», sagt Hüsler. «Ringen muss attraktiver werden.» Zum Beispiel könnte laut Hüsler die Anzahl der Disziplinen gestrafft werden.

«Untergehen wird er nicht»

Hüsler befürchtet, dass der Entscheid des IOC für den Verband auch finanzielle Auswirkungen haben wird. «Ich gehe davon aus, dass die Unterstützung durch Swiss Olympic kleiner wird.»

Es sei noch offen, ob die neue Situation Einfluss auf die Finanzierung des Ringsports in der Schweiz haben werde, sagt Christof Kaufmann, Medienverantwortlicher von Swiss Olympic. Man bedauere aber den Entscheid, «schliesslich ist es eine Sportart, die in der Schweiz eine Tradition hat». Es ist diese Tradition, die Hüsler optimistisch bleiben lässt: «Es wird immer Idealisten geben, die sich dem Ringsport widmen. Untergehen wird er nicht.»