Oliver besteht den Härtetest

David Oliver gibt sich über 110-m-Hürden keine Blösse, Bogdan Bondarenko siegt im Hochsprung, verpasst aber den Weltrekord erneut und Publikumsliebling Usain Bolt siegt über 100 Meter in durchschnittlichen 9,90 Sekunden.

Christof Krapf/Zürich
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LEICHTATHLETIK. Im Letzigrund nichts Neues – zumindest über 110-m-Hürden der Männer nicht. David Oliver, vor zweieinhalb Wochen in Moskau Weltmeister geworden, entschied das Rennen am Diamond-League-Meeting in Zürich erneut für sich. Und auch der Zweitplazierte war mit Olivers Landsmann Ryan Wilson derselbe wie in der russischen Hauptstadt. Mit seinem Sieg in 13,12 Sekunden liess Oliver der Konkurrenz, die auf Revanche für die WM sann, keine Chance. Obwohl es diese Konkurrenz in sich hatte. Im Letzigrund waren nicht nur die Olympiasieger von London und Peking, der Amerikaner Aries Merritt und der Kubaner Dayron Robles am Start. Auch der Weltmeister von Daegu 2011, Jason Richardson aus den USA, wollte sich für seinen vierten Rang in Moskau revanchieren. Ohne Erfolg. Oliver liess die starken Mitstreiter mit zwölf und mehr Hundertstel hinter sich: Richardson wurde Dritter, Weltrekordhalter Merritt gar nur Sechster. «Ich hatte die beste Saison meiner Karriere», sagte Oliver nach dem bestandenen Härtetest.

Bondarenkos Kurzvorstellung

Im Letzigrund nichts Neues auch im Hochsprung der Männer. Wie schon an der WM gewann der ukrainische Überflieger Bogdan Bondarenko. Aber wie nach Moskau heisst auch nach Weltklasse Zürich der Weltrekordhalter nicht Bondarenko, sondern Javier Sotomayor. Der Ukrainer brauchte lediglich zwei Sprünge, um seine Konkurrenten auszuschalten. Ihm genügten 2,33 Meter, um zu gewinnen und sich den Sieg im Diamond-Race zu sichern. Zum Schluss liess der 24-Jährige zwar noch 2,46 Meter – Weltrekordhöhe – auflegen. Er verschätzte sich aber beim Anlauf und scheiterte deutlich. Auf die zwei verbleibenden Versuche verzichtete Bondarenko.

«Weltklasse Zürich» hat in Jahren mit Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften einen schweren Stand – auch das ist nichts Neues. Zwar steht im Letzigrund nach den Grossanlässen jeweils die Revanche im Zentrum. Zu wirklich schnellen Zeiten oder gar Rekorden fehlen aber den meisten Athleten Kraft oder Motivation. Der Höhepunkt des Abends machte dabei keine Ausnahme. Der dreifache Weltmeister von Moskau Usain Bolt hatte vor dem Zürcher Meeting angekündigt, über 100 m gewinnen und verletzungsfrei bleiben zu wollen. «Meine Show bekommen die Zuschauer aber zu sehen», sagte Bolt. Die Show des Jamaikaners fand abseits der Bahn statt. Der 27-Jährige riss Faxen und liess sich von den Zuschauern feiern – nichts Neues. Beinahe hätte er aber auf der Bahn eine Niederlage erlitten: Erst auf den letzten Metern überholte er seinen Landsmann Nickel Ashmeade und siegte in durchschnittlichen 9,90 Sekunden. Damit blieb er 13 Hundertstel über der Siegerzeit von Moskau und 32 Hundertstel über seinem Weltrekord.

Eine Seltenheit bei den Frauen

Viel Neues erhielten die Zuschauer in Zürich für ihr Geld also nicht geboten. Über 5000 m der Frauen gab es immerhin eine Seltenheit zu sehen. In Zürich liefen die Äthiopierinnen Meseret Defar und Tirunesh Dibaba gegeneinander. Dies war in den vergangenen sieben Jahren nur einmal der Fall gewesen. Defar holte in Moskau Gold über 5000 m, Dibaba über 10 000 m. Das Duo enttäuschte die Zuschauer nicht: 600 Meter vor dem Ziel zog Dibaba bereits den Schlussspurt an, nur Defar konnte ihr folgen und setzte sich in einem packenden Finish durch.