Die ZSC Lions vor dem Ligastart: «Ohne harte Arbeit sind wir Durchschnitt»

Serge Aubin tritt bei den ZSC Lions ein schweres Erbe an. Der neue Trainer des Titelverteidigers muss sich am Erfolg seines Vorgängers messen.

Interview: Sergio Dudli
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Am Mittwoch steht Serge Aubin im Cup hinter der Bande. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)

Am Mittwoch steht Serge Aubin im Cup hinter der Bande. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)

Noch ist in der Eishockey-NLA kein Puck eingeworfen, kein Spiel bestritten, kein Urteil über seine Arbeit gefällt worden. Trotzdem hat es Serge Aubin schwer. Der neue Trainer der ZSC Lions übernahm das Team von Hans Kossmann. Eigentlich als Interimslösung geplant, führte Kossmann die Zürcher in der vergangenen Saison zum Meistertitel. Daran muss sich der 43-jährige Aubin, der von den Vienna Capitals kam, ab dem Ligastart am Freitag messen lassen. Im Interview erklärt der Kanadier, warum diese Ausgangslage keine Bürde ist, spricht über sein eigenes Erfolgsrezept und erzählt von der Zeit, als er vor dem Nichts stand.

Serge Aubin, wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn die ZSC Lions in der Vorsaison nach schwacher Qualifikation nicht Meister geworden wären?

Es gibt einen einfachen Grund, warum die Spieler den Titel geholt haben: Sie waren ehrgeizig und hatten den grössten Willen. Das ist für mich als Trainer ein starkes Zeichen. Daher wäre es Unsinn zu sagen, dass ich lieber zu einem nicht erfolgreichen Team gekommen wäre.

Ein Meistertitel bringt immer eine gewisse Sättigung mit sich. Wie stellen Sie sicher, dass sich die Spieler nicht auf dem Erfolg ausruhen?

Du musst diese Genugtuung und Befriedigung nach einem Titel loslassen. Nur so bleibst du hungrig. Ich will, dass die Spieler im Moment leben, nicht in der Vergangenheit. Sie müssen wieder den Ehrgeiz entwickeln und alles für den Erfolg tun. Wenn wir nicht hart arbeiten, sind wir bloss Durchschnitt. Das gilt für jede Mannschaft im Profisport.

Sie selber galten als Spieler nicht als sehr talentiert, haben es aber auf 400 NHL-Spiele gebracht. Was ist der Schlüssel Ihres Erfolgs?

Für mich gibt es ein zentrales Element: harte Arbeit. Es gibt unterschiedliche Spielertypen. Der eine ist physisch stark, der andere schnell und der dritte erzielt viele Tore. Aber jeder von ihnen ist nur erfolgreich, wenn er alles dafür tut. Das ist auch ausserhalb des Sports so: Menschen, die härter arbeiten als andere, haben auch mehr Erfolg.

Vor Ihrer Zeit in Wien waren Sie in Hamburg. Der Verein zog sich jedoch aufgrund diverser Probleme zurück, Sie standen auf der Strasse. Wie war diese Erfahrung?

Das war eine schwierige Zeit. Du wachst eines Tages auf und stehst ohne Job da. All die Sicherheiten, die du hattest, sind weg. Du stehst mit deiner Familie vor dem Nichts. Es war sehr lehrreich und eine spannende Herausforderung, dem Unbekannten direkt gegenüberzustehen. Aus einer solchen Situation heraus ergeben sich aber auch immer neue Chancen. Das hat mich gelehrt, im Moment zu leben.

Sie landeten letztlich bei den Vienna Capitals, wo Sie in zwei Jahren einmal Meister wurden. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Wir hatten bei Wien nicht die besten Einzelspieler, aber wir waren ein Team. Das hat uns erfolgreich gemacht. Wenn du als Trainer mit einem Club Erfolge feierst, schafft das ein Band zwischen dir und dem Ort.

Was für ein Eishockey können wir von den ZSC Lions unter Serge Aubin erwarten?

Für mich ist es wichtig, dass wir in der Defensive gut stehen. Ich will eine Mannschaft haben, die schwierig zu besiegen ist und in jedem Spiel so auftritt, damit sie gewinnen kann.

Welche Teams sehen Sie als grösste Konkurrenten im Kampf um den Titel?

Es wird viel zu oft nur von sogenannten Spitzenmannschaften gesprochen. Das wird aber allen anderen Clubs nicht gerecht. Du darfst niemanden unterschätzen. Es darf für deine Leistung keine Rolle spielen, wie der Gegner heisst. Ich will jeden Abend die bestmögliche Leistung meiner Spieler sehen. Jeder einzelne muss stets an seine Grenzen gehen. Dann ist es egal, gegen wen du spielst.

Sie kennen die Schweiz, spielten für Fribourg und Servette. War es für Sie eine Heimkehr?

Die Schweiz hat für mich und meine Familie seit meinem Engagement hier eine spezielle Bedeutung. Letztlich ist es aber ein Job, den ich hier zu erfüllen habe. Das Feld sieht in jeder Halle gleich aus, egal wo du bist. Genauso ist auch das Business überall dasselbe. Aber es ist schön, in ein Land zu kommen, das ich kenne. Ich musste nicht komplett bei Null beginnen.

Was bedeutet Ihnen das Eishockey?

Es ist ein toller Weg, den das Leben mir geschenkt hat. Durch das Erlebte spinnst du Bänder, die dich für immer mit anderen Menschen verbinden. So wird die ganze Eishockeywelt zu einer grossen Familie – und ich fühle mich sehr privilegiert, ein Teil davon zu sein.

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Sergio Dudli