Österreich bildet billiger aus

Seit 40 Jahren werden in der Ski-Akademie Schladming Olympiasieger und Weltmeister geformt. In der Schweiz sind ähnliche Ausbildungsstätten massiv teurer. Ein Jahr in Davos kostet 13 450 Franken, in Schladming rund 4000 Euro.

Urs Huwyler/Schladming
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Renate Götschl (Bild: ky/Arno Balzarini)

Renate Götschl (Bild: ky/Arno Balzarini)

SKI ALPIN. In Schladming findet nicht nur die WM statt. Hier werden auch Karrieren geschmiedet. Michaela Dorfmeister, Alexandra Meissnitzer und Hermann Maier sassen einst in der gleichen Klasse. Fritz Strobl, Michael Walchhofer und Renate Götschl wurden ebenfalls in Schladming gefördert. Von den österreichischen WM-Teilnehmern studierten Klaus Kröll, Hannes Reichelt, Michaela Kirchgasser, Andrea Fischbacher und Georg Streitberger nahe der Planai.

Auf die Frage, was die Ski-Akademie und Handelsschule auszeichne, nennt Direktorin Eleonore Schrefler die sport- und berufsspezifische Ausbildung. «Wir können drei Ausbildungstypen anbieten und so auf die schulischen Fähigkeiten Rücksicht nehmen. Der Unterricht wird den sportlichen Erfordernissen angepasst. Ab Ende Oktober ist es möglich, auf der Reiteralm zu trainieren.» Das Internat wurde 2006 für 8,5 Millionen Euro saniert. Den Schülerinnen und Schülern stehen Hallenbad, Sauna, Infrarotkabine, Kraftkammern, Massage- und Physiotherapieräume, Turnhalle sowie zwei Hart- und Mehrzweck-Sportplätze zur Verfügung.

Das Bundesministerium bezahlt

Trotzdem überrascht die Zahl der Spitzenleute. «Es darf kein Talent aus finanziellen Gründen verloren gehen. Nicht das Einkommen der Eltern, sondern das Talent muss entscheidend sein. Sonst sind wir auf dem falschen Weg», sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes und fügt an: «Dafür sind wir als Skiverband verantwortlich.» Die Gehälter der Lehrkräfte und Trainer werden in der Privatschule Schladming teilweise durch das Bundesministerium übernommen. «An die Schule ist jährlich ein Beitrag für sportliche Belange in der Höhe von 200 Euro zu entrichten», ist zu lesen. «Bei uns wird», so die Schulleiterin, «kein Schulgeld verlangt. Das Internat kostet hingegen.» Vollpension jährlich 3822 Euro. Wobei es ein «Schulbeihilfen-System» – Einkommen der Eltern, Familienstand, Familiengrösse – gibt und bei zwei Wochen Abwesenheit Verpflegungskosten zurückgefordert werden dürfen. Die Grundbeträge, also die Unterstützung, belaufen sich pro Jahr auf: Schulbeihilfe 1130 Euro; Heimbeihilfe 1380 Euro; Fahrkostenbeihilfe 105 Euro.

Weniger kundenfreundlich

In der Schweiz präsentiert sich die Situation weniger kundenfreundlich. «Leider hört man immer wieder, das Sportgymnasium Davos sei für die Eltern teuer. Richtig ist, dass Schülerinnen und Schüler aus 16 Kantonen jährlich 13 450 Franken für Schule, Sport, Unterkunft und Verpflegung bezahlen», schreiben die Davoser. In Engelberg sind es 500 Franken mehr. Dazu kommen die Wettkampf-Ausgaben mit Unterkunft, Reise, Verpflegung sowie jene für die Ausrüstung. «Der durchschnittliche Österreicher verdient nicht genug, um Summen wie in der Schweiz aufzubringen. Die Belastung der Eltern ist sonst schon hoch», so Schrefler. Das Skigymnasium Stams verrechnet den Österreichern beispielsweise zehnmal 505 Euro, ausländische Schüler bezahlen 785 Euro.

In Davos oder Engelberg kann die Finanzierung ebenfalls durch Gesuche abgefedert werden. Während der vergangenen Jahre gab es vereinzelte Anfragen. Viele Eltern melden sich gar nicht, wenn das Schulgeld fast 14 000 Franken beträgt. Zur Erinnerung: Didier Cuche war Metzger, Beat Feuz Maurer.

Hermann Maier (Bild: ap/Kerstin Joensson)

Hermann Maier (Bild: ap/Kerstin Joensson)

Klaus Kröll (Bild: ap/Armando Trovati)

Klaus Kröll (Bild: ap/Armando Trovati)

Bild: URS HUWYLER/SCHLADMING

Bild: URS HUWYLER/SCHLADMING