Nur für die Medien ist Kuhn nicht da

Fussball. Heute fährt das Schweizer Nationalteam nach Basel. Die Vorbereitung auf den EM-Start läuft gemäss Marschtabelle, denn Köbi Kuhn fehlt nur an den Medienkonferenzen.

Hansjörg Schifferli/ feusisberg
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Natürlich war Köbi Kuhn bei seiner Mannschaft. Gegen Mittag, als eine Videoanalyse der Tschechen auf dem Programm stand. «Köbi», sagte Michel Pont, sein Assistent, habe die Videositzung «einen Tag früher als üblich» anberaumt. Und sie war auch länger als üblich, der Bedeutung des Anlasses angemessen. Natürlich stand Kuhn auch abends auf dem Platz, als in Freienbach trainiert wurde, zum letztenmal vor dem grossen Spiel, denn heute abend wird in Basel geübt.

«Die Mannschaft hilft ihm»

Nicht dabei war Kuhn einzig über Mittag, als die tägliche Medienkonferenz anstand. Es vertrat ihn, wie tags zuvor, Pont; Kuhn selbst fuhr in Begleitung des Teamarztes Roland Grossen zu seiner Frau ins Zürcher Unispital. Über deren Gesundheitszustand wurde auch gestern nichts berichtet. Es sei, merkte Pont an, «eine schwierige Situation für Köbi, aber seine Arbeit mit der Mannschaft funktioniert weiterhin wie üblich.» Ernst Lämmli, der Delegierte der Nationalmannschaft, fügte bei: Das einzige, was man wirklich gespürt habe, sei Kuhns Absenz an zwei Pressekonferenzen. Und: «Die Mannschaft hilft ihm, sie zieht gut mit.»

Das tut auch Pont, der 54jährige Genfer, der in den vergangenen Tagen in den Vordergrund rückte, aber zu keinem Moment den Eindruck erweckte, er wolle sich auch dorthin drängen. Wenn er beispielsweise gefragt wird, welches die Ausrichtung der Defensive auf den tschechischen Stürmer Jan Koller sei, dann vermeidet er selbst ein «wir», wenn er antwortet: «Köbi hat noch immer die Option Raumdeckung gewählt. Die Schweiz spielte so auch gegen Zidane, gegen alle Grossen der Welt – immer in der Zone. Und das wird auch diesmal gegen Koller so sein.»

Verbesserte Physis

Für Pont sind es die letzten Wochen der Zusammenarbeit mit Kuhn. Er wird auch von Nachfolger Ottmar Hitzfeld übernommen. Er wolle nicht «alles umkrempeln», so die Erklärung Hitzfelds, der des Französischen nicht mächtig ist und dem Pont vor allem auch als Bindeglied zur Fraktion aus der Romandie nützlich sein wird.

Pont hatte aber auch noch Fakten zu liefern. Etwa zum körperlichen Zustand der Mannschaft nach zweieinhalb Wochen der Vorbereitung. Der Test der physischen Werte habe ergeben, dass sie im Schnitt höher gewesen seien als noch zu Beginn des Camps in Lugano, das «trotz der Verletzungen perfekt war». Und Pont sagte auch noch, das Gespräch Kuhns mit Patrick Müller, dem zweifelnden Innenverteidiger, finde heute statt. Noch gebe es also «keine Sicherheit» über die Aufstellung. Dem wäre allerdings beizufügen: Im «Fall» Barnettas gibt es keine Zweifel, was Müller betrifft, lieferten Mitspieler Hinweise. Captain Alex Frei: «Wenn Müller sagt, er sei bei neunzig Prozent, dann ist er für mich bei hundert. Und auch neunzig Prozent Müller reichen international sicher.» Dessen designierter Partner Senderos geht davon aus, neben Müller zu spielen – sie hätten in beiden Testpartien nebeneinander gestanden und auch stets in den taktischen Übungen. Das hiesse dann, die Schweizer «Tschechien-Elf» sei wirklich jene, die Kuhn wohl schon seit geraumer Zeit im Kopf hatte.