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Federer nach seinem 100. Turniersieg: «Ich muss nicht jeden Rekord jagen oder brechen.»

Roger Federer feiert in Dubai, wo er jeweils im Winter die Trainingsbasis einrichtet, seinen 100. Turniersieg – eine weitere magische Zahl in seiner aussergewöhnlichen Karriere. Im Final besiegt er den Griechen Stefanos Tsitsipas 6:4, 6:4.
Jörg Allmeroth, Dubai
Auch in Dubai der unbestrittene Publikumsliebling: Roger Federer erfüllt nach dem Triumph die Wünsche seiner Fans. (Bild: Ahmed Jadallah/Reuters, Dubai, 2. März 2019)

Auch in Dubai der unbestrittene Publikumsliebling: Roger Federer erfüllt nach dem Triumph die Wünsche seiner Fans. (Bild: Ahmed Jadallah/Reuters, Dubai, 2. März 2019)

Ganz am Ende des grossen Tages in Dubai schaute Roger Federer (37) noch einmal mit einem Hauch von Rührung auf seine jungen Profitage zurück. Als seine Karriere begonnen habe, sei er ständig mit Zweifeln konfrontiert gewesen, mit bohrenden Fragen, ob dieser Junge jemals ein Turnier gewinnen wird: «Ich galt als der Typ, der die Sachen nicht zu Ende bringt», erinnerte sich Federer, «deshalb kann ich jetzt selbst kaum glauben, wie alles gekommen ist mit meinem Leben als Tennisspieler. Es ist ein gutes Stück unfassbar.»

Was Federer im Grossen und Ganzen schwer verstehen konnte, was ihn emotional so anfasste, war dieser neue Meilenstein-Moment in seiner aussergewöhnlichen Karriere – der 6:4, 6:4-Finalsieg über seinen griechischen Herausforderer Stefanos Tsitsipas (20), der magische 100. Karrieretitel. «Ich bin ein Typ, der diese Zahlen mag», sagte Federer am Samstagabend auf dem Centre Court, in der Zeltdach-Arena, «sie stehen für den ziemlich langen Atem, den ich hatte. Für die Hartnäckigkeit, mit der ich immer drangeblieben bin in den vielen Jahren.» Mit Federers Sieg gingen auch beeindruckende Wochen am Golf für das Schweizer Tennis zu Ende – genau eine Woche vor Federer hatte die 21-jährige Belinda Bencic mit ihrem Triumph ein Ausrufezeichen auf ihrer Comeback-Mission gesetzt.

Sage und schreibe 6601 Tage nach seinem ersten Turniererfolg gegen den Franzosen Julien Boutter in Mailand machte Federer an seinem geliebten Zweitwohnsitz Dubai die Einhundert voll – als erst zweiter Spieler der Tennisgeschichte nach Jimmy Connors. Doch auf die Jagd nach dessen Allzeitbestwert (109 Siege) wollte sich Federer nicht verbissen machen:

«Ich muss nicht jeden Rekord jagen oder brechen. Ich bin froh, dass ich gesund bin, noch spiele und eine glückliche Zeit auf der Tour habe.»

Die Erinnerungen an die Premiere

Für Federer war es bereits der achte Titel bei einem seiner Lieblingsturniere in der Saison, erstmals hatte er 2003 hier gesiegt und damit ein Jahr nach einer wahren Holperpremiere in Dubai. 2002 hatten die Organisatoren ihm wegen einer krachenden Zweitrunden-Niederlage gegen Rainer Schüttler sogar die Auszahlung des Preisgeldes verweigert – wegen «zu geringer Bemühungen». Inzwischen allerdings stieg Federer auch hier, in der Glitzermetropole der Emirate, zur ikonischen Figur und zum Publikumsliebling auf. «Es ist ein spezieller Abend für mich, hier diesen 100. Titel zu holen. Hier, wo ich eine Menge Zeit zum Trainieren und mit meiner Familie verbringe», sagte der 20-fache Grand-Slam-Rekordsieger.

Gegen Tsitsipas zeigte Federer seine mit Abstand stärkste Turnierleistung einmal mehr im genau richtigen Moment – im Titelmatch. Der 37-jährige Maestro erwischte einen fliegenden Start, holte sich im ersten Spiel der Partie sofort ein Break und verteidigte diesen Vorsprung eisern ins Ziel. Federer spielte aggressiv, übte massiven Druck auf den Griechen aus, der ihn bei den Australian Open im Achtelfinal ausgeschaltet hatte. Im zweiten Durchgang blieb der Match bis zum 4:4 offen, dann nutzte Federer einen kleineren Schwächemoment von Tsitsipas eiskalt aus.

Von einem 0:30-Defizit weg holte der Schweizer vier Punkte hintereinander und verbuchte das 5:4-Break. Und er behielt auch kühlen Kopf, als es galt, das Spiel über die Ziellinie zu bringen, Tsitsipas bekam keine Chance mehr auf ein Comeback. «Er hat gezeigt, warum er diese gigantische Karriere hatte. Es ist kompletter Wahnsinn, einen Spieler zu sehen, der 100 Titel geholt hat», sagte Tsitsipas hinterher. Auch für ihn blieb allerdings noch eine versöhnliche Note bei seinem Gastspiel in Dubai – in der Weltrangliste wird er am Montag als erster Grieche überhaupt unter den Top Ten geführt. Für Federer geht es nach einem sehr kurzen Zwischenstopp in Zürich dann unermüdlich weiter – in den nächsten Märzwochen ist er bei den Masters-Wettbewerben in Indian Wells und Miami gefordert. Und: In Dubai gab er offiziell bekannt, dass er auch im nächsten Jahr wieder antreten werde.

In 6601 Tagen von 1 auf 100

6601 Tage oder 18 Jahre und einen Monat nach seinem 1. ist Roger Federer zu seinem 100. Turniersieg gekommen. Im Schnitt gewann er seit der Premiere 2001 in Mailand alle zwei Monate eine Trophäe. Nur in einer Saison – 2016, als er nach Wimbledon die Saison verletzt abbrechen musste – blieb er ohne Titel. In diese Zeitspanne fällt logischerweise seine längste Durststrecke. Sie dauert von November 2015 bis Januar 2017 und endete mit dem Gewinn der Australian Open, seinem 89. Titel. Sein einträglichstes Jahr hatte Federer 2006, als er zu zwölf Turniersiegen kam, obwohl er vier Finals gegen Rafael Nadal verlor, darunter Dubai und die French Open, das einzige Major, das er in jener Saison nicht für sich entschied. In Dubai gewann Federer zum 71. Mal auf einem Hartplatz. Dass er die meisten seiner Erfolge bei den ganz grossen Anlässen feierte, macht das Erreichen der 100er-Marke noch bemerkenswerter. Nicht mal die Hälfte aller Titel gewann er auf 250er- und 500er-Stufe. 53 Titel feierte er bei Grand Slams, an den ATP Finals oder bei Masters-1000-Turnieren. (sda)

Das sind die Spieler mit den meisten Einzel-Turniersiegen in der Open Era:

  1. Jimmy Connors (USA): 109 (1972-1996)
  2. Roger Federer (SUI): 100 (seit 1998)
  3. Ivan Lendl (CZE/USA): 94 (1978-1994)
  4. Rafael Nadal (ESP): 80 (seit 2001)
  5. John McEnroe (USA): 77 (1978-1994)
  6. Rod Laver (USA): 74 (1968-1977)
  7. Novak Djokovic (SRB): 73 (seit 2003)
  8. Björn Borg (SWE): 64 (1973-1983)
  9. Pete Sampras (USA): 64 (1988-2002)
  10. Guillermo Vilas (ARG): 62 (1968-1992)

Das sind die «Jubiläumssiege» von Roger Federer:

1. Turniersieg: Mailand, Finalsieg gegen Julien Boutter (FRA), Februar 2001

10. Turniersieg: Wien, gegen Carlos Moya (ESP), Oktober 2003

20. Turniersieg: US Open, gegen Lleyton Hewitt (AUS), September 2004

30. Turniersieg: Wimbledon, gegen Andy Roddick (USA), Juli 2005

40. Turniersieg: Toronto, gegen Richard Gasquet (FRA), August 2006

50. Turniersieg: Cincinnati, gegen James Blake (USA), August 2007

60. Turniersieg: Wimbledon, gegen Andy Roddick (USA), Juli 2009

70. Turniersieg: ATP Finals London, gegen Jo-Wilfried Tsonga (FRA), November 2011

80. Turniersieg: Cincinnati, gegen David Ferrer (ESP), August 2014

90. Turniersieg: Indian Wells, gegen Stan Wawrinka (SUI), März 2017

100. Turniersieg: Dubai, gegen Stefanos Tsitsipas (GRE), März 2019

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