Nun muss unser Fernsehen sogar bei Roger Federer sparen

Die Sportabteilung unseres staatstragenden Radios und Fernsehens (SRF) hat im Sport dieses Jahr (2020) eine Million weniger zur Verfügung. Beim Streichkonzert gibt es keine Tabus. Auch bei Roger Federer wird gespart.

Klaus Zaugg/watson.ch
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Der SRF kommentiert die US-Open von Zürich aus. (Bild: Keystone)

Der SRF kommentiert die US-Open von Zürich aus. (Bild: Keystone)

Eine Million sparen. Wie macht man das? Hier die wichtigsten Spar-Massnahmen von SRF-Sportchef Roland Mägerle.

  • Der Antrag, Dominique Aegerter als Experten bei ausgewählten den Töff-GP-Übertragungen einzusetzen wie 2018 Jesko Raffin, ist abgelehnt worden. Grund: Kein Geld. Da «Domi» diese Saison nur noch den Weltcup der elektrischen Töffs fährt und in der Moto2-WM lediglich Ersatzfahrer ist, hätte er Zeit gehabt, die beiden SRF-Kommentatoren Claude Jaggi und Marco Felder zu unterstützen. Heute überträgt ausser unserem staatstragenden Fernsehen keine TV-Station mehr Töff-GPs mit nur einem Kommentator.
  • Die Tour de France wird zwar weiterhin übertragen. Aber die Kommentatoren dürfen nicht mehr nach Frankreich «an die Front». Sie müssen die berühmteste Rundfahrt der Welt in Zürich im Studio aus weiter Ferne kommentieren. Dadurch haben sie nicht mehr Informationen zur Verfügung als ein interessierter Rad-Fan im Internet auch finden kann.
  • Sogar rund um unsere Sport-Ikone Roger Federer wird 2020 gespart: Das US-Open wird ebenfalls nur noch vom Studio in Zürich aus kommentiert. Weil das Geld nicht mehr reicht, um Heinz Günthardt und Stefan Bürer – eines der besten deutschsprachigen Tennis-TV-Duos überhaupt – nach New York zu entsenden. Unbestätigten Informationen zufolge sei unser staatstragendes Fernsehen beim Australian Open vor Ort nur dabei, weil die entsprechenden Reisen schon gebucht waren, als der Sparentscheid kam.
  • Auch im Fussball soll gespart werden. Die bei Länderspielen übliche «Roadshow» soll nicht mehr bei jedem Testspiel der Nationalmannschaft vor Ort aufgebaut werden.

SRF-Sportchef Roland Mägerle dementiert oder bestätigt diese Informationen nicht und sagt:

«Im Hinblick auf das Budget 2020 haben alle Abteilungen von Schweizer Radio und Fernsehen weniger Geld zur Verfügung, auch SRF Sport. Die von SRF Sport definierten Sparmassnahmen fokussieren darauf, den Produktionsaufwand der bewährten Berichterstattung zu reduzieren.» Und:

«Ziel ist es, die vom Publikum geschätzte Vielfalt in der Sportberichterstattung weiterhin aufrechtzuerhalten.»

Aus diesem Grund setze SRF Sport 2020 das Begleitprogramm von Liveübertragungen vermehrt mit einfacheren und damit kostengünstigeren Produktionsmitteln um: ‹Zudem kommen die Livekommentatorinnen und -kommentatoren noch häufiger in Zürich statt an den Veranstaltungsorten zum Einsatz. Ob und in welcher Form wir in unseren Sendungen Expertinnen und Experten einsetzen, überprüfen wir hingegen laufend – unabhängig von konkreten Sparbemühungen.›

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