NUMMER-1-DRAFT: Ein Walliser verzückt Nordamerika

Erstmals seit sechs Jahren schaffen die New Jersey Devils den Sprung in das NHL-Playoff. Grossen Anteil daran hat das Schweizer Ausnahmetalent Nico Hischier. Auch zwei Ostschweizer überzeugen in der besten Eishockeyliga der Welt.

Sergio Dudli
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Sergio Dudli

Nico Hischier ist kein Mann der grossen Worte. Seine Antworten am Telefon sind kurz und bündig. Von sich selber spricht der 19-Jährige nicht oft. Die Begriffe «Team» und «wir» scheinen seine Lieblingsworte zu sein. Ein Beispiel? «Jeder im Team weiss genau, was sein Job ist. Wir wissen, dass jeder Vollgas geben muss, damit wir etwas erreichen können.» Dabei hätte Hischier derzeit genug Gründe, um hin und wieder etwas Eigenlob einzustreuen. Gleich in seiner ersten NHL-Saison überzeugt der Nummer-1-Draft. Mit 52 Skorerpunkten aus 82 Spielen hat er grossen Anteil daran, dass die New Jersey Devils zum ersten Mal seit 2012 im Playoff sind, das in der Nacht auf Freitag beginnt. Mit diesen Werten ist der Walliser der zweitbeste Skorer des Teams.

Eindrückliche Zahlen für einen 19-Jährigen, der seine erste NHL-Saison absolviert und auf dem der Druck eines Nummer-1-Drafts lastet. Doch den Zahlenspielereien kann Hischier nichts abgewinnen: «Ich habe mir von Anfang an keine Anzahl Punkte vorgenommen.» Und dann bringt er es doch noch über die Lippen; eine kleine Anerkennung der eigenen Leistung: «Aber ich bin nicht unglücklich darüber, wie es gelaufen ist.»

Lobende Worte eines Superstars

Hischiers Leistungen bleiben in der NHL nicht unerkannt. «Er ist sehr talentiert, schnell und hat eine gute Übersicht. Hischier hat ein tolles Jahr und wird noch weitere gute Saisons haben», sagt Sidney Crosby, einer der besten NHL-Spieler der Neuzeit. Auch bei den eigenen Anhängern steht Hischier hoch im Kurs. Der Rummel um seine Person bringt den Center nicht aus der Ruhe. «Beliebt zu sein, ist nichts Negatives – im Gegenteil. Die Fans können dir zusätzliche Energie geben und dich pushen.»

Diese zusätzliche Energie kann Hischier in den kommenden Wochen gebrauchen. Nach einer langen Qualifikation geht es am Freitagfür die New Jersey Devils gegen Tampa Bay Lightning mit der ersten Playoff-Runde los. «Die Saison ist lang und fordert dir körperlich unheimlich viel ab», so Hischier. Und ergänzt: «Aber das Playoff setzt nochmals Kräfte frei, jeder im Club freut sich und ist motiviert.» Sechs Jahre hat es gedauert, bis sich die New Jersey Devils nach dem Gewinn des Stanley Cups 2012 wieder für die K.o.-Phase qualifizierten. Für viele steht dieser Erfolg in direktem Zusammenhang mit den Leistungen Hischiers.

Obwohl die Playoff-Teilnahme für Hischier eine Premiere ist, weiss er, was ihn erwartet: «Alles wird intensiver, das Niveau wird steigen und die Zweikämpfe härter.» Es werde eine neue Art von Eishockey sein. «Jeder investiert und gibt mehr. Aber das macht auch mehr Spass.» In den drei Qualifikationsspielen gegen Tampa fuhr New Jersey drei Siege ein. Dennoch ist das Team von Hischier in der Best-of-7-Serie Aussenseiter, weil Tampa Bay Lightning die punktemässig beste Mannschaft in der Eastern Conference war. Trotzdem gibt sich Hischier optimistisch und appelliert an den Glauben seiner Teamkollegen: «Wir müssen hungrig sein, den Sieg mehr wollen als der Gegner.» Neben Hischier qualifizierten sich neun Schweizer für das Playoff. Darunter sind auch die Ostschweizer Kevin Fiala und Timo Meier.

Fiala, der beim EHC Uzwil gross geworden ist, war mit 23 Toren und 48 Punkten hinter Roman Josi und Hischier der drittbeste Schweizer. In der ersten Playoff-Runde treffen die Nashville Predators – das beste Team der Qualifikation – auf Colorado. Der Herisauer Meier stand in 81 Spielen auf dem Eis und war mit 21 Treffern hinter Fiala der zweitbeste Schweizer Torschütze. Meiers San Jose Sharks bekommen es im Playoff zunächst mit den Anaheim Ducks zu tun.