Noch ist es vor allem Show

Après-Ski

Drucken
Teilen

Die Luft ist eisig kalt, die Welt scheint eingefroren. Auf einem Fensterbrett in Samedan verteilt eine Frau Brot und Körner. Dann schliesst sie das Fenster, zieht den Vorhang zu. Als sie schon gehen will, hört sie einen ersten Flügelschlag. Plötzlich verdunkelt sich die Schneelandschaft. Schwarze Vögel flattern durch die Luft. Es sind Dohlen. Aus dem Nichts sind sie gekommen. Nun bevölkern sie das ganze Fensterbrett und kämpfen dort um Futter und Platz.

Sechs Kilometer entfernt gehen im Theatersaal des Hotels Reine Victoria in St. Moritz die Scheinwerfer an. Was für eine Bühne! Rote Tücher sind an den Wänden drapiert. Die Decke zieren Stuck und ein riesiges Gemälde. Engel und Vögel sind zu sehen. Doch niemand schaut sich um. Die Kameras und Blicke sind dem Eingang zugewandt. Musik ertönt wie beim Einmarsch der Boxer vor einem Kampf. Dann erscheint Lindsey Vonn, die Skikönigin. Wie auf einem Laufsteg stolziert sie durch die Stuhlreihen, an der Leine ihre kleine Hündin Lucy. Kaum sitzt Lindsey Vonn auf der Bühne, ist sie von Fotografen und Kameraleuten umringt. Sie lacht viel, antwortet brav. «Ich will gewinnen», sagt sie gleich mehrmals. Nach 30 Minuten ist die Show vorbei. Der Saal leert sich.

Auf dem Fensterbrett liegen noch ein paar Körnchen. Und was bleibt von Vonn? Vor allem der glamouröse Rahmen. Ab morgen hat sie auf der Skipiste jedoch die Chance, dies zu ändern. Und St. Moritz ebenso.