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Noch ist alles möglich

WM-Kolumne
Bernard Thurnheer

Nun haben wir jedes Team dieser Fussball-WM 2018 ein erstes Mal gesehen. Fazit: Die meistgenannten Favoriten tun sich allesamt schwer. Frankreich gewinnt nur dank doppelter Hilfe des Videobeweises, Argentinien, Brasilien, Spanien lassen Punkte liegen, Titelverteidiger Deutschland startet gar mit einer Niederlage!

Was bedeutet das? Noch nicht allzu viel. Wer Weltmeister werden will, der muss seine Topform erst in etwa drei Wochen erreichen. Von einem französischen Kollegen, der an der WM 2006 einen guten Draht zu seinem Team hatte, erfuhr ich damals, dass sich Frankreich während der Vorrundenspiele immer noch in einer Aufbauphase befand, ohne Rücksicht auf die ersten Ernstkämpfe. Das 0:0, das die Schweizer damals im Startspiel gegen die «Grande Nation» herausholten, muss also relativiert werden. Verhält es sich diesmal mit dem 1:1 gegen Brasilien genauso? Ich glaube nicht.

Neymar und Co. schienen mir bereits voll im Saft zu sein. Dass sich einige Teams aber bewusst erst langsam an ihre Bestform herantasten, ist mehr als wahrscheinlich. Man sollte zu diesem Zeitpunkt also noch gar niemanden abschreiben. Zu oft habe ich es in der Vergangenheit erlebt, wie sich Mannschaften, die sich in der Vorrunde noch unendlich schwertaten, ab den Achtelfinals plötzlich wie verwandelt auftraten. Diese Planung der Bestform «just in time» kann allerdings auch in die Hose gehen. Der Grat zwischen perfekter Planung und Absturz ist schmal.

Im Moment ist ja Deutschland besonders stark in der Defensive. Kann sich überhaupt jemand vorstellen, dass Deutschland schon ganz früh rausfliegt? Das ist an einer WM überhaupt noch nie passiert! Trotzdem ist das nicht undenkbar und zumindest an Europameisterschaften schon geschehen. Umgekehrt wurde ja Spanien vor acht Jahren nach seiner Startniederlage gegen die Schweiz trotzdem noch Weltmeister! Alles ist immer noch möglich, von Super-Top bis Mega-Flop! Das gilt im Übrigen, trotz des tollen Auftaktes, auch für die Schweiz.

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