Noch hat Fortitudo die Nase vorn

Fortitudo Gossau hat in der ersten Hälfte der Hauptrunde mehr Punkte als St. Otmar gesammelt. Von der Finalrunde spricht in Gossau aber niemand. Anders ist dies bei den St. Gallern, die den verkorksten Saisonstart korrigieren wollen.

Christof Krapf
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HANDBALL. Die Hierarchie in der Ostschweizer ist auf den Kopf gestellt. Oben und mit zwei Punkten Vorsprung steht nach der Hälfte der Hauptrunde Fortitudo Gossau, das mit 380 000 Franken operiert und möglichst rasch den Verbleib in der NLA sichern will. Unten ist St. Otmar, der Club, der sich seine erste Mannschaft 1,25 Millionen Franken kosten lässt und das Playoff als Saisonziel genannt hat.

St. Otmar erlebte eine Hinrunde zum Vergessen: Nur gegen die schwächer eingeschätzten Altdorf, Stäfa und GC Amicitia kam die Equipe von Jan Filip zu Siegen. Sechs Punkte haben die St. Galler in neun Spielen gewonnen. Rang acht ist die Quittung dafür. Will St. Otmar die Finalrunde erreichen, muss es sich steigern. «Wir müssen näher zusammenrücken und als Einheit auftreten. Ich glaube daran, dass wir die Finalrunde noch erreichen werden», sagt Filip. Dass der Tscheche mit der bisherigen Saison nicht zufrieden ist, erklärt sich von selbst.

Gossauer Ziele bleiben gleich

Bei Fortitudo spricht niemand von der Finalrunde. Auch wenn die Gossauer gleich viele Punkte auf ihrem Konto haben wie GC Amicitia und Bern Muri – Teams, die aktuell einen Finalrundenplatz belegen. «Wir schielen nicht auf die Finalrunde, sondern auf Punkte», sagt Trainer Rolf Erdin. Seine Mannschaft siegte in der Hinrunde unter anderem gegen Doublegewinner Wacker Thun und gegen St. Otmar. Schon vor der Saison hatte Erdin gesagt, er wolle mit Fortitudo «an guten Tagen einem grossen Club ein Bein stellen». Diese Vorgabe haben seine Spieler in die Tat umgesetzt.

Trotzdem ist der Gossau-Trainer mit der Hinrunde nicht restlos zufrieden: «Gegen GC Amicitia haben wir den Start verschlafen und verloren; gegen Kriens-Luzern gaben wir einen Siebentorevorsprung noch preis.» Angesichts dieser Töne scheint in Gossau das Selbstvertrauen Einzug gehalten zu haben. Erdin relativiert: «Die Zusammenstellung meines Teams passt optimal. Deshalb konnten wir aus unseren Möglichkeiten das Beste herausholen.»

In den vergangenen zwei Wochen ruhte der Meisterschaftsbetrieb wegen der Länderspielpause. Sowohl Filip als auch Erdin waren froh über die Pause. «Wir haben an unserer Verteidigung gearbeitet. Wir brauchen mehr defensive Stabilität. Zudem war es wichtig, dass meine Spieler den Kopf freibekamen», sagt Filip.

St. Otmar heute in Schaffhausen

Gefehlt haben St. Otmar in den vergangenen zwei Wochen Tomas Babak und Goalie Martin Galia. Die beiden spielten mit der tschechischen Nationalmannschaft zweimal gegen Serbien. «Ich denke, die Luftveränderung hat den beiden gut getan. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie wichtig Erfolgserlebnisse im Nationalteam sein können. Die beiden haben starke Leistungen gezeigt», so der 40-Jährige. Heute um 19.30 Uhr gastiert seine Mannschaft bei Kadetten Schaffhausen – für St. Otmar die erste Gelegenheit, die verkorkste Hinrunde vergessen zu machen.

Der Finalrundenplatz winkt

Erdin gönnte seinen Spielern vier trainingsfreie Tage. «Danach lag der Fokus auf dem nächsten Spiel.» Grund, etwas an der Taktik zu ändern, sah er nicht. Fortitudo trifft heute um 17.30 Uhr zu Hause auf Bern Muri. Bei einem Sieg winkt den Gossauern ein Finalrundenplatz. Trotz dieser Ausgangslage und des Vorsprungs auf St. Otmar glaubt Erdin nicht daran, dass die Hierarchie in der Ostschweiz längerfristig auf den Kopf gestellt wurde. Ob dem wirklich so ist, zeigt sich spätestens in zwei Wochen. Dann gastiert St. Otmar zum Derby bei den Gossauern.

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