Noch hat die Serie A Baustellen

Den höchsten Erfolg der Startrunde in der Serie A realisiert Napoli mit den Schweizern Valon Behrami und Gökhan Inler. Nach Jahren der Krise scheint es der Liga wieder besser zu gehen. Gewisse Probleme bleiben aber weiterhin ungelöst.

Lukas Plaschy/Rom
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FUSSBALL. Die Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera» schrieb am vergangenen Samstag in ihrem Kommentar zum Start in die neue Saison trotzig, die Serie A sei weiterhin «die schönste Meisterschaft der Welt». Es klang nach verletztem Stolz. Längst stehen Bundesliga, Premier-League und Primera Division in puncto Wirtschaftlichkeit, Attraktivität und internationalen Erfolgen besser da. Dennoch konnten einige Clubs dank geschicktem Management endlich wieder klangvolle Namen als Zuzüge melden. Die neuen Hoffnungsträger heissen Carlos Tevez, Mario Gomez oder Gonzalo Higuain. Sie sollen der Serie A den verlorenen Glanz zurückgeben. Der Argentinier Tevez ist das fehlende Mosaiksteinchen, welches dem perfekt eingespielten Team von Meister Juventus Turin bisher gefehlt hat. Beim 1:0-Auftaktsieg in Genua gegen Sampdoria traf der von Manchester City gekommene Angreifer bereits ein erstes Mal. In Neapel mussten die Anhänger nicht lange Edinson Cavani nachtrauern, der nach Paris ging. Vereinspräsident Aurelio De Laurentiis, als Filmproduzent international vernetzt, investierte 100 Millionen Franken in neue Spieler. Dazu wurde mit Rafael Benitez ein Trainer engagiert, der bereits in drei verschiedenen Ländern Titel feiern konnte. Zum Saisonstart setzte sich Napoli gegen Bologna gleich 3:0 durch.

Veraltete Arenen

Die positiven Signale können jedoch nicht über Missstände hinweg täuschen. In Mailand sieht sich Präsident Massimo Moratti wegen finanzieller Probleme seiner Firma gezwungen, den FC Internazionale zu verkaufen. Moratti, der seit 1995 über eine Milliarde Euro in den Club investiert hat, steht in Verhandlungen mit dem indonesischen Milliardär Erick Tohir. Der Deal könnte Anfang September über die Bühne gebracht werden.

Eine weitere offene Baustelle ist die Stadionproblematik. Das San Siro, Heimstätte von Inter und Milan, stammt wie die Arenen in Bergamo, Bologna oder Parma noch aus den 1920er-Jahren. Im Ligaausschuss wütet seit Monaten ein Hahnenkampf zwischen den Clubpräsidenten, weil Juventus, Inter, Roma oder Fiorentina nicht im Gremium vertreten sind. Über die heissen Sommermonate hinweg zankten sich die Präsidenten von Juventus und Lazio um den Austragungsort des Supercups und das Preisgeld.

Leere Nordkurve

Die italienische Sportjustiz ihrerseits manövrierte sich mit unsauberen Recherchen im Zusammenhang mit dem Wettskandal ins Kreuzfeuer der Kritik. Und als schliesslich der Supercup zwischen Meister Juventus und Cupsieger Lazio im Römer Olympiastadion doch noch über die Bühne ging, entgleisten einige Anhänger von Lazio, indem sie rassistische Schmährufe gegen die dunkelhäutigen Juventus-Spieler intonierten. Als Konsequenz blieb Lazios Nordkurve, Heimat der für ihre rechtsextremen Ideen bekannten Ultras, am Sonntag gegen Udinese leer. Lazio Rom setzte sich trotzdem mit 2:1 durch.