Ein Kosovarischer Nationalspieler bei Fortitudo Gossau: Xhafolli und das historische Tor

Seit dieser NLB-Saison spielt der kosovarische Handballnationalspieler Albin Xhafolli in der Schweiz.

Ives Bruggmann
Merken
Drucken
Teilen
Albin Xhafolli in einem Trainingspullover seines ehemaligen Vereins Gummersbach.

Albin Xhafolli in einem Trainingspullover seines ehemaligen Vereins Gummersbach.

Bild: Lisa Jenny

Der 16. Juli 2019 ist ein wichtiger Tag in der Sportgeschichte der noch jungen Republik Kosovo. Erstmals überhaupt vertritt eine Nationalauswahl das Land an einer Weltmeisterschaft. Es ist die U21-Handball-WM der Männer in Spanien, für die sich Kosovo qualifiziert hat. Mit dabei ist Linkshänder Albin Xhafolli. Mit seiner ersten Aktion im ersten Spiel gegen Kroatien – er erhält auf dem rechten Flügel den Ball – springt er vor der Torraumlinie ab und erwischt den kroatischen Goalie in der nahen Ecke. Nach 90 Sekunden hat Albin Xhafolli seinen Platz in den kosovarischen Sportgeschichtsbüchern bereits auf sicher. «Ein unbeschreibliches Gefühl. Das erfüllt mich mit Stolz», sagt Xhafolli, der mit seinem Team nach der Gruppenphase ausschied, fünf Monate später.

Seit August trägt der 21-Jährige nun das Trikot von Fortitudo Gossau. Er habe sich bewusst für das «Abenteuer Ausland» entschieden. Zuletzt war er beim deutschen Traditionsverein und vierfachen Meistercupsieger
Vfl Gummersbach unter Vertrag, wo er einige Spiele in der Bundesliga absolvierte.

Fünf Partien für Deutschland

Aufgewachsen ist Xhafolli in Uelzen, einer Kleinstadt zwischen Hannover und Hamburg. Dort liessen sich seine Eltern nieder, nachdem sie aus ihrer Heimatstadt Pristina geflohen waren. Albin, das jüngste von vier Kindern, kam durch seine älteren Schwestern zum Handball. Schnell erkannten sie im Heimatverein das Talent des flinken Linkshänders. Er zog weiter nach Hildesheim, wo er ebenfalls auf sich aufmerksam machte. So landete er beim Vfl Gummersbach und besuchte dort die Handball-Akademie. Der deutsch-kosovarische Doppelbürger absolvierte sogar fünf Spiele für die Nachwuchsauswahlen Deutschlands, ehe er sich für das Geburtsland seiner Eltern entschied. Als Gummersbach nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga auf diese Saison hin auf Xhafollis Position einen weiteren Spieler verpflichtet hatte, suchte er sich eine neue Herausforderung.

Fortitudo Gossau gegen Stäfa – eine Partie
«mit Endspielcharakter»

Am Sonntag um 17.30 Uhr empfängt der Tabellendritte Fortitudo Gossau den Zweiten Stäfa zum NLB-Spitzenspiel in der Buechenwaldhalle. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in einem Ernstkampf gab es in der Barrage um die NLA-Zugehörigkeit im Mai 2017. Fortitudo verlor zwar das Hinspiel, setzte sich jedoch dank eines souveränen 26:21-Rückspielsiegs durch und durfte daraufhin noch zwei weitere Saisons in der höchsten Handballliga verbringen. Nicht nur deshalb erwartet Trainer Oliver Roth «ein intensives Spiel». Beide Mannschaften kämpfen um die ersten beiden Plätze, die zur Teilnahme am Playoff-Final um den Aufstieg berechtigen. «Man kennt sich aus diversen Aufeinandertreffen aus NLB und NLA. Das sind Partien mit Endspielcharakter, die man möglichst gewinnen will», sagt Roth. (ibr)

Über einen Berater kam der Kontakt zu Fortitudo Gossau zu Stande. «Dann ging alles sehr schnell», sagt Xhafolli. Denn die Gossauer waren auf der Suche nach einem Linkshänder. Da der gelernte Rechtsaussen Xhafolli sich auch im rechten Rückraum wohl fühlt, stand dem Transfer nichts mehr im Weg.

Schnelle Beine und ballsicher

Nach einer Eingewöhnungsphase hat der 1,86 m grosse und 81 kg schwere Linkshänder zuletzt den Tritt immer besser gefunden. Tendenz weiter steigend. Trainer Oliver Roth glaubt an die Stärken des kosovarischen Nationalspielers. «Er bringt eine unglaublich gute Grundlagenausbildung mit.» Zudem sei Xhafolli ballsicher, habe schnelle Beine und Stärken im Eins-gegen-eins. «Die fehlende Grösse kompensiert er mit Tempo und Technik», sagt Roth, der seinem Spieler zutraut, ein Topspieler der NLB zu werden. Dafür müsse die Entwicklung wohlgemerkt weiter in die richtige Richtung gehen. Auch Xhafollis Ziele sind ambitioniert. «Ich will mit Fortitudo aufsteigen.» Ein Vorhaben, das bei Gossaus aktuellem Lauf alles andere als unmöglich ist.