NLA-PLAYOFF: «Wir haben keine Schwäche»

Der SC Bern steigt morgen als Qualifikationssieger ins Meisterrennen. Im Vorjahr wurden die Berner nur Achte, gewannen dann aber überraschend den Titel. Es war die Triebfeder für die Karriere des Ostschweizers Ramon Untersander.

Matthias Hafen, Bern
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Interview: Matthias Hafen, Bern

Morgen beginnt in der Eishockey-NLA das Playoff. In Best-of-7-Serien werden zuerst die Halbfinalisten ermittelt, dann die Finalisten und schliesslich der Meister. Die 50 Qualifikationsrunden haben gezeigt, dass der Titel in diesem Jahr wohl wieder über Meister Bern oder die ZSC Lions führen wird.

Ramon Untersander, was löst das Playoff in Ihnen aus?

Schöne Erinnerungen – und Vorfreude.

Vergangene Saison blühten Sie so richtig auf, als Berns Lauf vom letzten Playoff-Platz zum Meistertitel begann. Würden Sie jene Phase als Ihren Durchbruch bezeichnen?

Sie hat mir sicher einen Schub gegeben. Ich bin letztes Jahr in diese Rolle gewachsen, in der ich heute bin: eine Stütze in unserer Defensive. Mich freut besonders, dass ich seit Beginn jenes denkwürdigen Playoffs auf einem konstant guten Level spiele und so in dieser Saison einen weiteren Schritt nach vorne tun konnte.

Heuer sind die Vorzeichen für den SC Bern komplett anders. Sie steigen als Qualifikationssieger in die Viertelfinals. Was bedeutet das für Sie?

Meine Erwartungen an mich selbst sind gestiegen. Die Erfahrungen aus den vergangenen zwölf Monaten haben mir aber auch viel Selbstvertrauen gegeben. Und mit Selbstvertrauen gelingen dir Dinge, die du nicht für möglich gehalten hättest.

In der ersten Playoff-Runde wartet der EHC Biel, ein Kantonsrivale. Ist ein Derby im Playoff besonders unangenehm?

Da werden sicher von der ersten Sekunde an Emotionen im Spiel sein. Und vielleicht hängt in einer solchen Serie noch mehr vom Startspiel ab. Vergangenes Jahr war unser Auswärtssieg im ersten Spiel gegen den Qualifikationssieger ZSC Lions die Initialzündung für unseren Lauf Richtung Meistertitel.

Bei Biel steht mit Jonas Hiller ein anderer Ostschweizer im Tor. Er weist die Erfahrung von über 400 NHL-Spielen auf. Wie schwierig wird es sein, ihn zu bezwingen?

Er hat zweifellos die Fähigkeit, sein Team im Spiel zu halten. Aber ich bin überzeugt, dass wir Wege finden werden, ihn zu bezwingen.

Was zeichnet den SC Bern in dieser Saison besonders aus?

Unser Teamspirit. Und wir bringen viel Energie, Emotionen und Härte ins Spiel.

Was würden Sie als Schwäche Ihres Teams bezeichnen?

Wir haben keine Schwäche. Wenn wir unsere Leistung abrufen, haben wir das Potenzial, wieder ganz weit zu kommen.

Kurz vor dem Playoff-Start haben Sie Ihren Vertrag mit dem SC Bern bis 2022 verlängert. Was hat Sie dazu bewogen, sich gleich für die nächsten fünf Jahre zu binden?

Ich fühle mich richtig wohl hier. Ich habe eine wichtige Rolle in der Mannschaft. Es war auch mein Wunsch, mal länger bei einem Club zu bleiben und mich dort zu einem Leader zu entwickeln.

Sie wurden in allen 50 Qualifikationsspielen eingesetzt, gehören sowohl in Überzahl wie auch in Unterzahl zu den Eckpfeilern Ihres Teams. Zudem weisen Sie Skorerwerte auf wie ein Stürmer. Sind Sie noch kein Leader?

Doch, auf dem Eis gehöre ich natürlich zu den Leadern der Mannschaft. Und mein Einfluss ist sicher auch neben dem Eis gestiegen. Aber ich bin ja erst das zweite Jahr beim SC Bern. So gesehen bin ich immer noch daran, mich einzuleben.

Werden Sie das zukünf­tige Gesicht des SC Bern sein?

Ich freue mich, mit Verteidigerkollege Eric Blum (auch Vertrag bis 2022, Red.) den Kern einer Mannschaft zu bilden, um den herum das Kader zusammengestellt wird. Die Vertragsverlängerung ist für beide Seiten positiv. Mich freut es, das Vertrauen für fünf Jahre geschenkt zu bekommen. Und der Club profitiert von einer gewissen Kontinuität.

Haben Sie den Traum, dereinst in der NHL zu spielen, aufgegeben?

Nein, wenn diese Chance in den nächsten fünf Jahren kommen sollte, dann werde ich sie sicher packen. Für diesen Fall habe ich eine Ausstiegsklausel im Vertrag.

Aber arbeiten Sie noch gezielt auf Ihren NHL-Traum hin?

Mein Ziel ist es, jeden Tag besser zu werden, jedes Spiel noch besser zu spielen. Dafür arbeite ich täglich an mir. Als Nächstes wäre es schön, wenn ich mit der Schweizer Nationalmannschaft mal eine WM spielen kann. Und wenn ich dann noch eine gute WM spiele, dann gehen vielleicht Türen auf. Aber im Moment mache ich meinen Job für den SC Bern so gut wie möglich. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Sie wurden im Herbst 2014 vom damaligen Nationalcoach Glen Hanlon erstmals für die Schweizer Auswahl aufgeboten. Bis zur Selektion für das Länderturnier in Biel im vergangenen Dezember ging dann aber nicht mehr viel. Fühlen Sie sich übergangen, was die Nationalmannschaft betrifft?

Auch dort ist ein Trainer, der personelle Entscheide fällen muss. Das ist keine einfache Sache. Und sowieso will ich gar nicht zu viel daran herumstudieren.

Wie nachtragend sind Sie?

Wenn ich ein Aufgebot erhalte, dann freut mich das sehr. Und dann vertrete ich unser Land mit Stolz. Ich bin nicht der Typ, der sagt, dass ich mir dafür aus irgendeinem Grund zu schade bin. ­Einen solchen Status habe ich auch gar nicht, dass ich mir so etwas erlauben könnte. Ich nehme es, wie es kommt.