NLA-PLAYOFF: Bern braucht Ideen

Der SC Bern muss sich in der Halbfinalserie gegen den HC Lugano eine neue Taktik zurechtlegen. Bei der 2:4-Niederlage im Auftaktspiel werden die Berner mit ihren eigenen Mitteln geschlagen.

Matthias Hafen, Bern
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Berns Aggressivleader Thomas Rüfenacht im Sturzflug. Links der Tessiner Torschütze Alessandro Chiesa. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Berns Aggressivleader Thomas Rüfenacht im Sturzflug. Links der Tessiner Torschütze Alessandro Chiesa. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Matthias Hafen, Bern

Playoff-Eishockey zum Gähnen? Das ist in Bern nicht alltäglich, aber auch nicht aussergewöhnlich. Denn der Titelverteidiger ist auch Meister in Sachen Energieeffizienz. Schon im Viertelfinal gegen den EHC Biel machte der SC Bern genau so viel, dass es zum sicheren Weiterkommen reichte. Und im ersten Halbfinal gegen Lugano ging der Qualifikationssieger offensichtlich erneut mit diesem Vorsatz aufs Eis.

35 Sekunden brauchte das Heimteam nur, um 1:0 vorzu­legen. Tristan Scherwey nutzte einen Überraschungsangriff zur frühen Führung. Danach galt die ganze Konzentration dem Halten des Vorsprungs. Die Berner trieben den Minimalismus dermassen auf die Spitze, dass den Zuschauern zeitweise zum Gähnen war. Es fehlte nicht viel, und die Taktik wäre aufgegangen. Energieeffizienz A+, grüne Etikette: Wäre der SCB ein Konsumprodukt, hätte er schon fast Subventionen verdient gehabt.

Untersander verhindert frühe Entscheidung

Doch die Berner überspannten den Bogen, suchten zu wenig konsequent das 2:0. Und das rächte sich. Lugano – bis gestern noch Vizemeister der Effizienz – liess sich genüsslich auf das Spiel der Gastgeber ein. Die Tessiner verzweifelten auch nicht, als sie bei Spielmitte noch immer 0:1 in Rückstand lagen. Denn sie wussten: Ihre Chance wird kommen.

In der 37. Minute glich Luca Fazzini zum 1:1 aus, nachdem er kurz zuvor die Chance dazu ausgelassen hatte. Und mit dem ­ersten gefährlichen Angriff im letzten Drittel brachte Captain Alessandro Chiesa Lugano 2:1 in Führung. Zwar gelang dem Ostschweizer Ramon Untersander keine zwei Minuten später der 2:2-Ausgleich für Bern. Doch war es für seine Equipe bereits zu spät, den Schalter nochmals umzulegen. So mauserte sich Lugano an diesem Abend zum Meister der Effizienz. Mit einem weiteren, eigentlich ungefährlichen Angriff erzielte Dario Bürgler in der 53. Minute das spielentscheidende 3:2. Möglich wurde dies, weil sich Berns Topskorer Mark Arcobello von Passgeber Patrik Zackrisson wie eine Torstange ausspielen liess.

Moser muss mit Sperre rechnen

Weiteres Ungemach droht Bern wegen Simon Moser. Der Stürmer, der den Gegenspielern immer wieder den Stock in die Beine schlug, musste vorzeitig vom Eis, nachdem er Julien Vauclair kurz vor Spielende regelwidrig in die Bande gecheckt hatte. Gut möglich, dass dies eine längere Sperre nach sich ziehen wird.

Hoffnung macht den Bernern die letztjährige Finalserie. Auch damals verloren sie das Auftaktspiel gegen Lugano, entschieden dann aber vier Begegnungen in Folge zu ihren Gunsten. Nur war damals das erste Spiel kein Heimspiel. Und der Hunger der Tessiner auf Revanche nicht so gross wie in diesem Jahr.