NIEDERLAGE: Nahe dran im Tessin

Der FC St. Gallen verliert in Lugano unglücklich mit 2:3. Die erste Niederlage unter Trainer Giorgio Contini ist aber eine mit Lichtblicken: Die St. Galler zeigen in der zweiten Halbzeit eine starke Reaktion.

Ralf Streule, Lugano
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Ralf Streule, Lugano

Es waren zwei Teams im Aufwind, die sich gestern im Cornaredo gegenüberstanden. Da St. Gallen, das sich zuletzt mit zwei Siegen seit dem Trainerwechsel Luft verschafft hat. Dort Lugano, das sich in den vergangenen Runden auf den vierten Platz gehievt hatte. In der Anfangsphase aber war von den zwei aufstrebenden Teams wenig zu sehen: Fehlpässe und technische Probleme bei der Ballannahme deuteten eher auf Nervosität hin. Lange lösten sich die taktischen Fesseln nicht. Nach 90 Minuten aber durfte man feststellen: Es war ein unterhaltsamer Abend, mit fünf Toren, einem frechen Lugano – und einem FC St. Gallen, der sich trotz 2:3-Niederlage gute Noten verdient hat. Als die St. Galler Spieler am Ende der Partie den gut 100 mitgereisten Fans dankten, sagte ihre positive Körpersprache vieles aus über die Partie.

0:2-Hypothek schon nach einer halben Stunde

Nachdem die Tessiner nach einer halben Stunde mit ihren ersten zwei Versuchen gleich auf 2:0 stellten, waren die Ostschweizer nur kurz geschockt gewesen. Sie überstanden ein Tessiner Furioso vor der Pause – und stemmten sich danach konsequent gegen die Niederlage, setzten die Luganesi unter Druck und kamen dank eines Tessiner Eigentors und eines Weitschusses durch Toko zum Ausgleich. Und auch nach Davide Marianis zweitem Tor des Abends zum 2:3 blieben die St. Galler dran. Hadern mussten sie höchstens mit der Chancenauswertung.

Die erste Niederlage im dritten Spiel unter Trainer Giorgio Contini nimmt der restlichen Saison des FC St. Gallen mehr oder weniger die Spannung, da die Europacup-Plätze wohl definitiv nicht mehr in Reichweite sein werden. Und dennoch ist es eine Niederlage, die Mumm geben kann. Weil sich die Mannschaft gegen die Niederlage stemmte, weil sie sich nicht nervös machen liess und «den Matchplan auch nach dem 0:2 durchzog», wie es Contini sagte. Weil sie, je länger die Partie dauerte, im Spielaufbau selbstbewusster wurde. Aber auch, weil einzelne Spieler hoffnungsvolle Leistungen zeigten.

Zum Beispiel Silvan Hefti, dem eine seiner besten Partien gelungen ist – noch nie war er in der Offensive so quirlig und mutig wie an diesem Abend. Oder Sejad Selihovic, dem gegen Ende der Partie zwar zunehmend die Kräfte fehlten, der aber im defensiven Mittelfeld viel Spiellust versprühte. Oder Toko, der physisch präsent war im Mittelfeld und Salihovic den nötigen Platz verschaffte. Nur eines fehlte am Ende: Ein Treffer, der den Ostschweizern einen verdienten Punkt im Tessin beschert hätte.